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SIEMENS

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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
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Turbulent: In Offshore-Windparks bekommen die vorderen Turbinen den meisten Wind ab und produzieren dabei kilometerlange Wirbelschleppen
– das verringert die Leistung der nachgelagerten Rotoren.

Wetterfühlig: Je nach Windrichtung werden in einem Windpark verschiedene Turbinen unterschiedlich belastet. Mit einer Simulation können Experten die Ausrichtung
der Luftströmungen und die Stärke der Turbulenzen bestimmen. Siemens-Forscher haben nun eine Software entwickelt, die alle Anlagen koordiniert.

Wetterfühlig: Je nach Windrichtung werden in einem Windpark verschiedene Turbinen unterschiedlich belastet. Mit einer Simulation können Experten die Ausrichtung
der Luftströmungen und die Stärke der Turbulenzen bestimmen. Siemens-Forscher haben nun eine Software entwickelt, die alle Anlagen koordiniert.

Gemeinsam stark

Computermodelle mit kollektiver Intelligenz können ganze Windparks und Gasturbinen koordinieren – das steigert die Energieausbeute und verlangsamt die Alterung.

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Image Wetterfühlig: Je nach Windrichtung werden in einem Windpark verschiedene Turbinen unterschiedlich belastet. Mit einer Simulation können Experten die Ausrichtung der Luftströmungen und die Stärke der Turbulenzen bestimmen. Siemens-Forscher haben nun eine Software entwickelt, die alle Anlagen koordiniert.

TIntelligente Flotte

Gas Turbine open

Einer Gasturbine geht es wie uns Menschen: Sie altert, verschleißt, braucht Pflege, irgendwann muss der Doktor kommen. Damit dies möglichst spät geschieht, ist es ratsam, unablässig Patientendaten zu sammeln, um daraus abzuleiten, wie sich das Leben verlängern lässt. Für Turbinen wie für Menschen ist das ein ambitionierter Plan: Rund 9.000 Einheiten aus Gas-, Dampf- oder kombinierten Turbinen von Siemens sind weltweit in Betrieb, von rund 400 werden täglich Daten erhoben. Jede liefert im Schnitt über 1.500 Messparameter.

„Dieses Wissen über unsere Flotte hebt uns von den Wettbewerbern ab“, sagt Craig Weeks, CEO des Servicegeschäfts für fossile Kraftwerke bei Siemens. Damit ist aber nicht die bloße Datenerhebung gemeint, sondern ihre intelligente Verknüpfung. Kurz gesagt: Dank dieses Wissens sollen Siemens-Turbinen schneller starten, länger laufen, effizienter und zuverlässiger sein und dabei geringere Kosten erzeugen. Ein Beispiel: Die Energieversorger lieben Gasturbinen vor allem wegen ihrer Flexibilität. So startet etwa die weltgrößte Gasturbine von Siemens in nur fünf Minuten und erreicht in 15 Minuten Volllast. Auf diese Weise lassen sich die unzuverlässigen Einspeisungen immer größerer Mengen an Wind- und Sonnenstrom besser ausgleichen; die Betreiber können ihre Einnahmen erhöhen. „Unser Ziel ist es, dass Siemens- Gasturbinen schneller hochfahren und zuverlässiger und effizienter sind als die der Konkurrenz“, sagt Markus Zenker vom Siemens Power Diagnostics Center in Mülheim. Werden die laufend eintreffenden Daten aus allen Siemens-Anlagen im betreffenden Stromnetz schnell und intelligent ausgewertet, kann der Betreiber im Idealfall die Gasturbine schon Minuten eher hochfahren und damit zusätzlichen Umsatz erzielen.

Um den Schatz zu heben, der in all den Messdaten verborgen liegt, haben Siemens-Wissenschaftler bei Corporate Technology in Princeton diese Daten mit anderen Informationsquellen unter einem virtuellen Dach zusammengeführt. Ingenieure, Servicepersonal oder Marketing können diese „Flottenintelligenz“ nutzen, um den Betrieb beim Kunden zu optimieren oder den Austausch von Verschleißteilen in die Wege zu leiten, etwa wenn es bei einer anderen Anlage zu einem Ausfall kam. „Unser Ziel ist die ‚lebende Turbine‘, die dank der Erfahrungen vieler anderer ähnlicher Maschinen ständig verbessert wird“, erklärt Mike Johnson, Direktor für Betriebs- und Wartungsprogramme bei Siemens Energy in Orlando. Die Flottenintelligenz ist aber nur ein Zwischenschritt zur „Unified Service Intelligence“. Voraussichtlich 2014 wird ein automatisierter, interaktiver Wissensmanager auf Knopfdruck im Voraus Prognosen über Energiebedarf der Abnehmer oder anstehende Reparaturen liefern, mit denen die Betreiber ihre Anlagen optimieren können. „Kunden werden für dieses Wissen zahlen, weil es ihren Umsatz und ihren Gewinn steigert“, sagt Johnson. Dass Siemens bei Datenintegration und Prognose für Gas- und Dampfturbinen der Konkurrenz voraus ist, ist tatsächlich der Medizin zu verdanken. Mike Johnson: „Wir konnten Siemens-Patente aus der Medizintechnik nutzen und auf unsere Energiebranche anwenden, vor allem für die einheitliche Integration von Daten aus verschiedenen Quellen.“

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Sie kennen das sicher: Man steht im Konzert und vor einem baut sich ein Zwei-Meter- Riese auf, der die Sicht nimmt – ärgerlich! Wenn Windturbinen Gefühle hätten, wären sie sicher auch frustriert, in einem Windpark in der hinteren Reihe zu stehen. Denn die vorderen Rotoren im ungebremsten Wind liefern mehr Leistung. Obendrein haben die hinteren Turbinen mit den kilometerlangen Turbulenzschleppen zu kämpfen, die die vorderen Rotoren produzieren. Das führt zu Schwankungen in der Stromerzeugung. Viel besser wäre es, wenn die vorderen Turbinen auf etwas Leistung zugunsten ihrer hinteren Mitstreiter verzichten würden. Unterm Strich liefert der Windpark dann mehr Energie.

Dr. Dragan Obradovic von Siemens Corporate Technology (CT) in München hat zusammen mit Ingenieuren bei Siemens Wind Power diese Erkenntnis in eine Software umgesetzt, die in Sekundenschnelle Wind und das Verhalten der ganzen Farm simuliert und Steuerungsbefehle an die Windräder sendet. Die Messdaten beinhalten unter anderem die Leistung, die Rotorgeschwindigkeit und die Temperatur. Jede Turbine ist über Glasfasern mit einem zentralen Controller verbunden, der das Gesamtsystem koordiniert, zum Beispiel den Anstellwinkel der Rotorblätter verändert. „Von außen erscheint der Windpark wie ein einziger großer Stromgenerator mit einer gemeinsamen kollektiven Intelligenz“, erklärt Obradovic.

Zwei Jahre hat Siemens Wind Power in Brande, Dänemark, die Software im Windpark Lillgrund vor der schwedischen Küste getestet, im Sommer 2011 sollen die Resultate vorliegen. „Wir sind zuversichtlich, dass die Energie ausbeute um einige Prozent steigen wird“, verspricht Henrik Stiesdal, technischer Leiter bei Wind Power. Aus Sicht der Kunden ein gutes Geschäft: „Das ist dasselbe, als ob jemand, der 20 Windturbinen kauft, einen großen Teil einer weiteren Turbine geschenkt bekäme“, sagt Prof. Dr. Thomas Runkler, Leiter des Global Technology Fields „Intelligent Systems und Control“, das die Algorithmen entwickelt hat.

Dragan Obradovic arbeitet bereits an einer Weiterentwicklung der Computermodelle, die auch die Alterung der Turbinen einbezieht. Denn die im Windstrom entstehenden Turbulenzen versetzen die Turbinenelemente wie die Rotorblätter und den Turm in den hinteren Reihen des Windparks in Vibrationen und lassen sie schneller altern. „Leistungsmaximierung und geringe Alterung sind eigentlich ein Widerspruch“, sagt Obradovic, doch durch seine Software lasse sich in Zukunft beides gleichermaßen optimieren. Die mathematischen Modelle, die die Wechselwirkung zwischen den Turbinen berechnen, werden teils aus den Daten gelernt. Altern die Rotoren zu schnell, wird ihre Leistung gedrosselt oder die der Turbinen davor, damit die Turbulenzen schwächer werden. Das Schicksal vieler Rock`n-Roll-Stars „Lebe schnell, stirb jung“ lässt sich so umgehen.

Neuronale Netze für Turbinen. Noch komplizierter ist der Betrieb von Gas- oder Dampfturbinen zur Stromerzeugung. Sie müssen durch konstante Rotation für eine konstante Wechselstromfrequenz im Netz sorgen. Werden Verbraucher ein- oder ausgeschaltet oder liefern Windparks bei Flaute weniger Leistung, müssen Gasturbinen ihre Leistung hochfahren, sonst schwankt die Frequenz. Sensoren überwachen dabei etwa Luftdruck, Abgastemperaturen, Emissionen, Netzverhalten. Volkmar Sterzing und seine Kollegen, ebenfalls in Runklers Team, haben neuronale Netze entwickelt, die aus diesen Parametern im Sekundentakt Prognosen für Emissionen und den Betrieb der Turbinen berechnen. Ihre Software steuert die Brennstoffzufuhr und sorgt dafür, dass die Turbine immer im optimalen Arbeitspunkt läuft, wo sie minimale Emissionen erzeugt. Der Clou: Die neuronalen Netze lernen dazu, optimieren also die Turbine im Lauf der Zeit selbstständig.

In einigen Jahren soll die Software reif für den Normalbetrieb sein. An der weltgrößten Gasturbine im bayerischen Irsching überwachen 1000 neuronale Netze die einzelnen Komponenten, mit Daten von rund 5.000 Messpunkten. Sterzing: „Die Emissionen auch während der durch Solar- und Windparks ausgelösten Lastwechsel werden dadurch messbar sinken.“ Künftig werden derartige Lernverfahren auch eingesetzt werden, um durch einen gleichmäßigeren Verbrennungsprozess die Lebensdauer von Turbinenteilen zu verlängern.

Bernd Müller