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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
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2030

Houston bereitet sich auf einen Hurrikan nie da gewesenen Ausmaßes vor. Das Büro für Notfallmanagement schickt automatisch eine Armee von Software-Agenten los. Die intelligenten Programme arbeiten sich durch die Informationswelten der Stadt, um wichtige Infrastrukturen wie die Gesundheits-, Verkehrs-, Strom- und Abwassersysteme auf den Sturm vorzubereiten. In einem interaktiven Echtzeitbild lassen sie die Stadt vor den Augen der Bürgermeisterin entstehen.

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Wenn die Stadt spricht
Ein riesiger Hurrikan bewegt sich auf die USA zu. Im Cyber-Room unterrichtet das Büro für Notfall- Management in Houston die Bürgermeisterin über die Lage. Der virtuelle Raum fasst alle Vorgänge zusammen, die aktuell in der Stadt passieren und stellt diese extrem detailliert und in Echtzeit dar.

Rose kam direkt auf uns zu: Tausend Meilen wild tanzende Gewitterwolken mit Windgeschwindigkeiten von über 300 Kilometern pro Stunde, eine Sturmflutvorhersage mit mindestens sieben Meter hohen Wellen und einer Regenmenge, die halb Houston unter Wasser setzen könnte. Schon vor einer Woche hatten Satelliten eine tropische Schlechtwetterfront über der Karibik bemerkt.

Als sich das Tief westwärts bewegte, um sich über dem warmen Golf von Mexiko mit neuer Kraft vollzusaugen, mündete die Flut an Daten in eine erste Sturmwarnung. Lange bevor die erste Wolke den strahlend blauen Himmel über Houston verdunkelte, bereitete sich das Büro für Notfallmanagement (OEM) auf das Schlimmste vor.

Die gewaltigen, den ganzen Raum einnehmenden, interaktiven 3D-Bildschirme des Zentrums zeigten, wie der Sturm der Stadt immer näher kam. Die Echtzeitbilder der Skyline mit den überlagerten Vitalparametern der Stadt ähnelten überdimensionierten Intensivstationen. Die Software-Agenten des OEM schwärmten aus, um Informationen von ihren städtischen Pendants einzuholen, die für die Betreuung der Infrastrukturen wie des Verkehrsmanagements, der Energiegewinnung, des Gesundheitswesens, der Sicherheit oder der Abfallwirtschaft zuständig sind. Diese Agenten untersuchen als autonom agierende Experten je einen Teilbereich, etwa die Informationssysteme der städtischen Krankenhäuser. Dort prüfen sie, ob genügend Reserven zur Verfügung stehen – von Betten über Notstromaggregate bis zu den Wasservorräten. Die Agenten vor Ort werden dann damit betraut, eventuell noch fehlende Ausrüstungen zu organisieren und Probleme an die OEM-Zentrale zu melden.

„Was tun diese kleinen Schnüffler jetzt gerade?“ fragte Bürgermeisterin Celeste D’Angelo, als ob sie meine Gedanken lesen könnte. „Erinnern Sie sich an das Verkehrsmanagement, das wir vor einigen Jahren eingeführt haben?“ erwiderte ich. „Sie sind nun alles durchgegangen, jede einzelne Kreuzung. Um sicherzustellen, dass die Ampeln auch bei Stromausfall dank ihrer Batterien noch tagelang weiter funktionieren. Wo das nicht gewährleistet war, haben sie Wartungstrupps hingeschickt. Außerdem haben sie das Kommunikationssystem in allen städtischen Fahrzeugen untersucht – nicht nur hier in Houston, sondern bis nach Dallas und Austin. Bei Krankenwagen, Feuerwehren, Polizeiautos und Servicefahrzeugen. Und wir wollen sicher sein, dass die Ampeln auf grün schalten, wann immer sich ein Rettungsfahrzeug nähert…“

„Und was passiert, wenn irgendein Verrückter, der in letzter Minute noch die Stadt verlassen will, zur selben Zeit über eine rote Ampel fährt, wenn gerade ein Krankenwagen die Straße quert?“, fragte D’Angelo. „Das kann nicht passieren, denn in diesem Fall wird ein Notsignal ans Auto des Verkehrssünders gesendet. Daraufhin bremst das Fahrzeugmanagementsystem automatisch ab – lange bevor er die Kreuzung erreicht“, sagte ich. „Wenn Sie erlauben, würden wir das System jetzt sofort aktivieren. Die Rechtsabteilung war sich unsicher, ob wir es überhaupt anwenden dürfen, aber da nun offiziell der Notstand ausgerufen wurde…“

„Genehmigung erteilt”, sagte D’Angelo. Wir befanden uns innerhalb des OEM-3D-Displays. Es musste für sie ein grandioses Gefühl sein, über die Stadt hinweg und durch sie hindurch fliegen zu können. So ließ sie sich von beinahe jedem Winkel aus äußerst detailgenau betrachten. Obwohl das Auge des Sturmes noch mindestens hundert Meilen entfernt war, begann sich der Himmel nun langsam schwarz zu färben. Die ersten Blitze zuckten am Horizont.

„Wie geht es mit der Evakuierung voran?”, fragte D’Angelo. „Alles und jeder, der sich im Umkreis von hundert Meilen von der Küste befindet, hat die Nachricht mit höchster Priorität erhalten“, antwortete ich. „Ich – ich meine unsere Agenten – haben die Botschaft durch alle sozialen und maschinellen Netze geschickt. Nach unseren Berechnungen wissen nun 99 Prozent der Bevölkerung und 100 Prozent aller maschinellen Systeme Bescheid. Wir haben die Menschen aufgefordert, schnellstmöglich die Gefahrenzone zu verlassen. Sie können jeden Fluchtweg wählen, den ihnen ihr Fahrzeug vorschlägt. Da alle Kreuzungssensoren vernetzt sind und sich untereinander austauschen, sind keine Staus zu erwarten. Wann immer es an einem Ort zu erhöhtem Verkehrsaufkommen kommt, werden die Navigationssysteme der Fahrzeuge automatisch zu alternativen Routen geführt.“

„Welche Lösungen haben die Agenten parat, wenn es zu Überflutungen kommt?“, fragte die Bürgermeisterin. „Zunächst einmal sinkt der Wasserverbrauch schon deutlich, weil die Menschen die Stadt verlassen. Dies schafft dem Abwassersystem genug Kapazität, um das Wasser zügig abfließen zu lassen. Außerdem haben wir gerade einige Ventile geschlossen und andere geöffnet. Wir können Wasser gezielt in bestimmte Gebiete lenken. Das sollte das Risiko von Überflutungen in der Stadt um 76 Prozent reduzieren.“

„Und was die Elektrizität betrifft: Auch hier nimmt der Stromverbrauch aufgrund der Evakuierung der Stadt deutlich ab. Wir rechnen damit, dass wir in knapp vier Stunden einige der älteren Kraftwerke herunterfahren können. Der überschüssige Strom, den die Windanlagen auf dem Meer jetzt erzeugen, wird zur späteren Verwendung in Wasserstoff umgewandelt und bei geparkten Fahrzeugen in Austin oder San Antonio zum Aufladen der Batterien genutzt. Genau in diesem Moment sprechen unsere Windpark-Agenten mit denen des nationalen Wetterdienstes. Sie stellen die Geschwindigkeit und den Winkel der Propeller so ein, dass möglichst geringe Schäden entstehen und zugleich die Stromproduktion auf dem Optimum gehalten werden kann…“

Ich redete und redete. Ich hätte ihr die exakte aktuelle Geschwindigkeit jedes einzelnen Windrades sagen können. Ich kannte die Menge der freien Parkplätze in jedem Parkhaus der Stadt ebenso wie die Zahl der zur Verfügung stehenden Sanitäter – für jede Stunde und für jeden Sektor des gesamten Harris County. Ich fühlte mich so beflügelt von all den Informationen, die ich gespeichert hatte, dass ich fast vergaß, in den Himmel zu blicken, der immer schwärzer und bedrohlicher wurde.

Ich konnte spüren, wie das Gebäude schwankte, als die erste von Roses Windböen die Stadt streifte. „Ich bin wirklich beeindruckt von Ihnen“, sagte Bürgermeisterin D’Angelo und blickte meinen Avatar neugierig an. „Sie wirken so lebensecht. Sind Sie wirklich nur das 3D-Interface des Büros für Notfallmanagement?“

Arthur F. Pease

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