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Dr. Ulrich Eberl
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Der Weg zum Herzen

Die Expertin für Magnetresonanz-Tomographen Li Pan arbeitet am Krankenhaus der Johns-Hopkins-Universität daran, Eingriffe in den Körper in Echtzeit sichtbar zu machen.

Ich bin eine Chinesin, die in Amerika für einen deutschen Technologiekonzern arbeitet“, sagt die 37-jährige Li Pan in einem Konferenzraum im Siemens Zentrum für angewandte Bildgebende Systeme (Center for Applied Medical Imaging, CAMI) an der Johns Hopkins University in Baltimore. Die Liste der Kooperationen des Zentrums ist lang: mit Universitäten und Forschungsinstitutionen in den Vereinigten Staaten und Europa, mit Kliniken weltweit und mit Medizintechnikunternehmen. „Das Zentrum ist international, die Kooperationen sind international, ich bin international“, sagt sie.

Li Pan gehört zu einer Forschungsgruppe von derzeit rund einem Dutzend Wissenschaftlern und Ingenieuren. Das Ziel: erforschen, wie verschiedene Bildgebende Verfahren – etwa Magnetresonanz-Tomographen (MRT) oder Computertomographie – chirurgische Eingriffe unterstützen können. Die MRT-Technologie soll etwa helfen, eines Tages einen Katheter im Körper direkt verfolgen zu können. Zu ihrem Team gehören sieben Forscher, die unter anderem für CAMI in Baltimore arbeiten und für Siemens Corporate Technology in Princeton. Zu den MRT-Anwendungen, die Pans Gruppe entwickelt, gehört die bildliche Darstellung von minimal-invasiven Biopsien von Tumoren und die Entfernung von Krebsgewebe durch Hochfrequenz- Wellen.

Wissenschaftler aus aller Welt wenden sich an sie, um Forschungsprojekte für Siemens- Scanner zu konzipieren und Kooperationen auszuhandeln. Siemens liefert die Software für die Vorhaben, die Forscher geben Feedback, um der CAMI-Gruppe zu helfen, Prototypen zu verbessern. „Wir haben unsere Softwarepakete bislang in acht Länder geliefert“, sagt Pan stolz.

„In meiner Gruppe und bei Siemens Corporate Research arbeiten Menschen aus aller Herren Länder“, erzählt Pan. „Jeder bringt seine eigene Perspektive und Art und Weise mit, mit Problemen umzugehen. Zum Beispiel sprechen Deutsche Themen oft sehr direkt an. Wenn man daran nicht gewöhnt ist, könnte man das leicht als persönliche Kritik missverstehen.“

Pan studierte an einer der besten Universitäten Chinas, der Tsinghua Universität in Peking, wo sie sich 1991 für den Studiengang Biomedizintechnik einschrieb. Seit ihrer Kindheit fasziniert von Mathematik und Naturwissenschaften, lernte Pan rasch, die Praxisorientierung der Universität zu schätzen. Die Hälfte ihres Jahrgangs ging nach ihrem Abschluss ins Ausland, um dort weiterzustudieren. So auch Pan. Sie war die erste Doktorandin im Biomedizintechnik-Studiengang an der Johns Hopkins University in Baltimore, die direkt aus China übernommen wurde. Das Klinikum der Universität zählt zu den besten in den Vereinigten Staaten. Als die junge Chinesin 1999 von Peking ins ferne Baltimore kam, war es freilich nicht immer einfach.

Sprung ins kalte Wasser. Ihr Englisch war nicht brillant, was sie im Laufe der ersten Tage sofort zu spüren bekam – und wenn es nur die Suche nach einer Wohnung war. „In China organisieren die Behörden viele dieser Dinge, hier war ich mehr auf mich gestellt.“ Heute ist sie die einzige ihrer Jahrgangskollegen von der Tsinghua Universität, die noch im Bereich Biomedizintechnik arbeitet. Andere haben das Fachgebiet gewechselt, wurden Finanzanalysten, Unternehmensberater oder Computerwissenschaftler, viele gingen in die boomende Heimat China zurück. Nicht so Pan.

Als sie an der Johns-Hopkins-Universität zu studieren begann, lernte sie einen anderen Unterrichtsstil schätzen: Studenten konnten bei verschiedenen Professoren ihrer Wahl arbeiten und ihre eigenen Forschungsinteressen entwickeln. So mussten sie unabhängiger denken und, hatten sie sich für ein Forschungsprojekt für ihre Dissertation entschieden, selbst sicherstellen, dass sie ihr Vorhaben verwirklichen konnten.

Pan faszinierten bald nach Beginn ihres Studiums an der Johns Hopkins University MRT-Technologien. In ihrer Doktorarbeit entwickelte sie Algorithmen, die halfen, in Echtzeit mittels Scanner-Daten Herzprobleme zu erkennen. Als sie ihre Dissertation 2006 abgeschlossen hatte, bewarb sie sich bei Siemens. Die Siemens- Forschungsgruppe, die sich auf invasive MRT konzentrierte, war nur zwei Stockwerke unter Pans früherem Arbeitsplatz eingezogen.

Gemeinsam mit Partnern in der Industrie und an Universitäten konzentriert sich die CAMI-Gruppe zurzeit auf eine Methode, Katheter- Eingriffe mithilfe von MRT zu erleichtern. Pans Schwerpunkt dabei ist es, Software zu entwickeln, die es erlaubt, den Katheter aufgrund der MRI-Bilder durch den Körper zum Herzen zu steuern. „Meine Hoffnung ist, dass diese Technologien in naher Zukunft Standard werden“, sagt sie. „Uns geht die Arbeit nicht aus. Forschung kennt kein Ende.“

Hubertus Breuer