Extrem effizient: Siemens baut im Osten Londons ein Gebäude, in dem die Stadt der Zukunft erlebbar wird.
Es hat schon bessere Zeiten gesehen, das Gebäude nahe der Bahnstation „Royal Victoria“. Im 19 Jahrhundert war der Ostteil Londons dank der Schifffahrt ein ökonomisches Zentrum: Holz, Kautschuk, Wolle und Zucker wurden hier verladen. In den 1970er- und 80er- Jahren, nach Schließung der Docks, verfiel die Gegend.
Doch nun beginnt sie wieder aufzublühen. Auf der anderen Seite der Themse, in Canary Wharf, entstand eines der wichtigsten Finanzzentren der Welt. Nicht weit entfernt liegt der Entertainment-Komplex „The O2“, auch bekannt als Millennium Dome. Und die Olympischen Spiele 2012 werden diesen Stadtteil mit vielen neuen Bauten weiter aufwerten.
Auch das bröckelnde Gebäude bekommt nun einen Nachbarn, der den städtebaulichen und ökonomischen Neuanfang augenfällig zum Ausdruck bringt: ein Konferenz-, Ausstellungs- und Bürogebäude, direkt am Wasser gelegen. Gebaut wird es von Siemens. Nach seiner Fertigstellung im Frühjahr 2012 wird es verglichen mit herkömmlichen Gebäuden auf den Büroflächen nur ein Drittel der Energie verschlingen. Möglich macht diese enorme Reduktion das Zusammenspiel von Architektur und Technik: Das ganze Jahr über wird das Gebäude mithilfe von Wärmepumpen entweder gekühlt oder gewärmt. Zudem sparen die intelligente Gebäudetechnik sowie energieeffiziente Geräte und LED-Leuchten viel Strom. Die Fassade lässt so viel natürliches Licht wie möglich eindringen und ist zugleich wärmeisoliert, sodass sie im Winter die Wärme im Inneren hält und im Sommer zur Kühlung beiträgt. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt Elektrizität, und das Regenwasser wird für die Toiletten und zur Bewässerung der Gärten gesammelt.
In diesem Zentrum, wo in einer Ausstellung über die vielfältigen Möglichkeiten nachhaltiger Städteentwicklung informiert werden soll, wird also auch selbst nachhaltiges Bauen demonstriert. Passenderweise wird das Gebäude Teil des „Green Enterprise District“ sein, einer Zone, in der London vor allem „Low Carbon Businesses“ ansiedeln möchte. Firmen also, die mit Produkten und Leistungen Geld verdienen, die mit geringem CO2-Ausstoß verbunden sind oder ihn vermindern helfen. „Dieses Gebiet soll ein lebendiges, internationales Zentrum werden, in dem Dutzende von Unternehmen ihre CO2-sparenden Geschäftsmodelle umsetzen – und das an einem Ort, der einst einer der ärmsten Londons war“, sagt Bürgermeister Boris Johnson. Es wirkt wie eine Ironie der Geschichte: Ausgerechnet dort, wo die industrielle Revolution – befeuert durch die intensive Nutzung der Kohle – zuerst Wohlstand und später Verwahrlosung bewirkte, entsteht heute ein Raum der Zukunft. Ein Ort, wo Unternehmer Geld verdienen, indem sie Energie sparen, statt sie zu verbrauchen.