Waleed Al Mokarrab Al Muhairi (36) ist Chief Operating Officer der Mubadala Development Company, einem Staatsfonds der Regierung Abu Dhabis. Mubadala hat sich zum Ziel gesetzt, vor Ort in Abu Dhabi mit seinen Investitionen weltweit wettbewerbsfähige Unternehmen aufzubauen – um die Wirtschaftsstruktur des Emirats weiter zu diversifizieren. Al Muhairi arbeitete als Berater bei McKinsey und hat einen Master Abschluss der Harvard University sowie einen Bachelor Abschluss der Georgetown University.
Wie wird das Wirtschaftsmodell Abu Dhabis im Jahr 2050 aussehen?
Al Muhairi: In den nächsten 40 Jahren wird sich Abu Dhabi voraussichtlich zunehmend von einem Wachstumsmodell lösen, das auf einer starken Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas beruht. Dafür mehr Innovation und Fertigung. Industrien, die stark wachsen können, sind beispielweise die Petrochemie, die Luftfahrt, die Halbleiterfertigung sowie erneuerbare Energien. Was diese Industrien gemein haben, ist, dass sie anspruchsvoll und komplex sind, und Ingenieurstalent erfordern.
Doch bremst nicht gerade der Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften die Wirtschaftsentwicklung der Region?
Al Muhairi: Es gibt drei Wege, wie wir diesem Mangel begegnen können. Erstens müssen wir unsere Bildungssysteme umkrempeln. Das Masdar Institute of Science and Technology ist ein großartiges Beispiel dafür. Es ist wichtig, dass wir unseren Nachwuchs für Fächer wie Mathematik und für die Wissenschaften insgesamt begeistern. Zweitens: Wir müssen auch weiterhin ein attraktiver Ort für sehr gut ausgebildete Expatriates, also ausländische Arbeitskräfte, bleiben. Wir brauchen die besten Leute und die schlauesten Köpfe, egal, von welchen Orten der Welt sie zu uns kommen. Dass wir drittens eine ebenso attraktive wie effiziente Infrastruktur bieten müssen, ist klar: Tatsächlich bauen gerade das Guggenheim Museum und der Louvre Dependancen auf Saadiyat Island in Abu Dhabi auf.
Welche Art von Fertigung hat das Potenzial, in der Golfregion besonders erfolgreich zu sein?
Al Muhairi: Kapitalintensive und in vielen Fällen energieintensive Produktionsanlagen. Es geht um innovative Fertigung mit hoher Wertschöpfung. Ein gutes Beispiel sind die Aluminiumfertigung und nachgelagerte Verarbeitungsschritte. Wir haben das Gas, das als Energieträger für diese Prozesse in großer Menge benötigt wird – das macht uns wettbewerbsfähig. Oder die Luftfahrtindustrie: Wir wollen hier keine Bleche stanzen, sondern setzen auf fortschrittliche Kohlefaser- und Verbundwerkstoffe, die wir bereits an Airbus verkaufen, mit einem bisher vereinbarten Liefervolumen von über einer Milliarde US-Dollar. In dieser kleinen, aber hochproduktiven Nische bauen wir unsere Fähigkeiten und unser Wissen weiter aus. Was wir hier tun, ist für sich genommen ein gutes Geschäft, aber es macht auch strategisch Sinn. Denn wir haben riesige Flughäfen am Golf.
Welchen Beitrag kann grüne Technologie leisten?
Al Muhairi: Abu Dhabi hat sich in Sachen erneuerbare Energien ehrgeizige Ziele gesetzt: sieben Prozent unserer Stromerzeugungskapazität bis 2020. Kein Pappenstiel, aber Masdar, eine unserer Initiativen für erneuerbare Energien und grüne Technologien, wird uns auf diesem Weg helfen. Masdar investiert vor allem in solche erneuerbaren Energien, bei denen wir einen Wettbewerbsvorteil auf- und ausbauen können, also vor allem Solarenergie. Gleichzeitig können wir durch das Masdar Institute das Ausbildungsangebot vor Ort verbessern. Siemens ist dabei ein wichtiger Partner.
Wann steigen Sie persönlich auf ein Elektroauto um?
Al Muhairi: Sobald die Fahrzeuge einfach erhältlich sind und die nötige Ladeinfrastruktur existiert. Es ist gut zu wissen, dass Unternehmen wie Siemens hier große Fortschritte machen.