Eugene Wong (75), emeritierter Professor der University of California in Berkeley, leitete dort in den 1980er Jahren den Fachbereich für Elektrotechnik und Informatik. Er verfasste nicht nur wissenschaftliche Beiträge sondern arbeitete auch in der freien Wirtschaft und im öffentlichen Dienst. Von 1990 bis 1993 war er Geschäftsführer des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik unter dem damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush. Prof. Wong war zudem Mitbegründer von Ingres Corp., einem Pionierunternehmen für Datenbanksysteme. Er ist Mitglied der National Academy of Engineering und der American Academy of Arts and Sciences. Er promovierte im Fachbereich Elektrotechnik an der Universität Princeton.
Wird die Forschung und Entwicklung immer globaler?
Wong: Die Auswirkungen der Globalisierung sind für die Entwicklungsabteilungen noch wichtiger als für die Forschungsteams. In meinen Augen ist Forschung hauptsächlich eine individuelle Tätigkeit, bei der die Suche nach neuem Wissen im Vordergrund steht. Globalisierung in der Forschung bedeutet eher, dass sich die Anzahl der Wissenschaftler weltweit erhöht, als dass auch die Qualität in gleichem Maße zunimmt. Für den Bereich Entwicklung bringt die Globalisierung jedoch wesentliche Veränderungen mit sich, da hier der Schwerpunkt auf den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Märkte liegt.
Wie beeinflusst die Globalisierung die Kreativität der Entwickler?
Wong: Zunächst einmal ist Kreativität ein eminent wichtiger Faktor für ein Unternehmen. Gute Forschungsarbeit ist generell nur mit einem hohen Maß an Kreativität möglich. Dabei kommt es aber weniger auf einzelne Prozesse an, als auf den kulturellen Hintergrund. Kreativität unterscheidet sich stark von Land zu Land. Das hat nichts mit Intelligenz an sich zu tun – entscheidend ist die Ausbildung der Menschen. Deutlich wird dies am Beispiel von China. Der Genpool ist sehr groß, aber die Menschen werden kaum ermutigt, ihre Kreativität auszuleben. Das „Out-of-the-box“- Denken über den Tellerrand hinaus wurde nie stark gefördert.
Sie denken also, dass China weniger gut aufgestellt ist, als alle Welt glaubt?
Wong: China ist stark in vielen Bereichen, aber nicht was die Entwicklung wirklich neuartiger Ideen oder neuer Industriefelder angeht. Das hat zum Großteil mit kulturellen Faktoren und der Erziehung zu tun. Das ändert sich nicht von heute auf morgen. Außerdem gibt es für die Chinesen derzeit keinen Anreiz, sich umzustellen. Komplett neue Ideen und der Aufbau neuer Industrien bedeuten hohe Risiken und brauchen viel Zeit. Für China und andere asiatische Länder ist es unkomplizierter, sich stattdessen durch neue Geschäftsmodelle ins Spiel zu bringen.
Variiert die Globalisierung in der F&E von Sektor zu Sektor?
Wong: Absolut. Es gibt große Unterschiede beispielsweise zwischen der Globalisierung der Informationstechnologien und der Biotechnologie. Daten lassen sich leicht digitalisieren und durch Leitungen übertragen, die Natur nicht. Technologien, die auf Chemie, Biologie oder Physik beruhen, bestehen aus Laborarbeit, die nach wie vor den alten Regeln folgt. Zwar werden sie selbstverständlich von moderner Computertechnik unterstützt, sind aber viel weniger anfällig für Globalisierungstendenzen.
Ist Geld, das in F&E investiert wird, gut angelegt?
Wong: Öffentliche Mittel für die Forschung haben immer hohe gesellschaftliche Erträge erwirtschaftet, also einen sozioökonomischen Nutzen für die Gesellschaft erbracht. Oft zeigt sich der Nutzen allerdings auch indirekt, vor allem auf dem Feld der akademischen Ausbildung. Nichtsdestotrotz wird es für Staaten überall auf der Welt immer schwieriger, die Erwartungen der Studenten an eine gute Ausbildung und entsprechende Jobs zu erfüllen. Letzten Endes gilt es, Arbeitsplätze zu schaffen, die zum persönlichen Potential jedes Einzelnen passen. Dieses zentrale Ziel sollte von jedem Land auch im Bereich der öffentlichen F&E-Förderung im Vordergrund stehen.
In den USA wird momentan viel diskutiert, ob das Land genug in F&E investiert. Tut es das?
Wong: Es gibt einen großen Unterschied zwischen Geiz und kostengünstigem Wirtschaften. Regierungen sollten niemals vergessen, dass letztlich der Steuerzahler für die F&E-Ausgaben aufkommt. Sie sollten also mit spitzem Bleistift, aber dennoch visionär haushalten. F&E-Investitionen müssen fokussiert sein und strategischen Zielen folgen. Was die USA angeht, können wir uns auf diesem Feld durchaus behaupten. Das Innovationsniveau ist hier nach wie vor unglaublich hoch. Um es allerdings halten zu können, bedarf es einer großzügigen und klugen finanziellen Förderung.