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Dr. Ulrich Eberl
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Prof. Li Junfeng (55), Prof. Du Xiangwan (73), Dr. Shi Zhengrong (48) (von links nach rechts)

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Der chinesische Traum

Das Wirtschafts-Wachstum Chinas bringt Millionen Menschen erstmals Wohlstand. Aber es schafft auch Probleme: die Energieeffizienz ist niedrig, der Energiebedarf steigt massiv. Pictures of the Future sprach mit drei Experten über die Zukunft der chinesischen Energieversorgung.

Prof. Li Junfeng

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Prof. Li Junfeng (55) ist stellvertretender Direktor und im Vorstand des Academic Committee of the Energy Research Institute. Er beschäftigt sich vor allem mit erneuerbaren Energien und dem Klimawandel; dabei spielen Themen wie CO2-Zertifikatehandel und der Clean Development Mechanism (CDM) eine Rolle. Er leitete das erste CDM-Projekt in China und ist einer der ostasiatischen Vertreter der Renewable Energy and Energy Efficiency Partnership.

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Prof. Du Xiangwan

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Prof. Du Xiangwan (73) ist ehemaliger Vize-Präsident der Chinese Academy of Engineering, leitender wissenschaftlicher Berater der China Academy of Engineering Physics und Mitglied des Standing Committee of the China Association of Science and Technology. Er ist stellvertretender Leiter des National Energy Advisory Committee und beaufsichtigt zahlreiche Studien zu Strategien für Chinas Energiesystem.

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Dr. Shi Zhengrong

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Dr. Shi Zhengrong (48) ist Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender von Suntech, dem weltweit größten Produzenten von Photovoltaikmodulen (PV). Er gilt als einer der reichsten Chinesen überhaupt. Vor der Gründung von Suntech im Jahr 2001 war er Forschungsleiter und Executive Director von Pacific Solar, einem australischen PV-Hersteller, der frühzeitig Dünnschicht- Technologien für Solarzellen vermarktete.

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Welche Rolle spielen erneuerbare Energien in China?

Li Junfeng: China investiert in erheblichem Umfang in erneuerbare Energien. Derzeit haben wir für die Stromerzeugung eine installierte Kapazität von 200 Gigawatt Wasserkraft und 30 Gigawatt Windenergie; und es kommen ständig neue Projekte dazu. Ich denke, im Jahr 2050 wird der Anteil sauberer Energie in China deutlich höher sein, als viele im Moment glauben.

Du Xiangwan: Im Jahr 2050 könnten erneuerbare Energien gut und gerne 25 Prozent der gesamten Energieerzeugung Chinas ausmachen; dabei denke ich auch an bisher eher exotische Formen, wie Wellen- und Gezeitenkraftwerke, sowie die Geothermie. Wenn es gelingt, solche Kapazitäten anstelle von Kohlekraftwerken aufzubauen, dann ließen sich dadurch rund vier Milliarden Tonnen CO2 vermeiden.

Shi Zhengrong: Vielleicht halten Sie das ja für eine Träumerei, aber ich bin der festen Überzeugung, dass China eines Tages seinen Energiebedarf komplett durch erneuerbare Energien decken kann. Die entscheidende Frage: Ist der Wille stark genug?

China baut derzeit allerdings vor allem neue Kohlekraftwerke...

Shi Zhengrong: China ist noch immer ein Entwicklungsland. Wir sind auf starkes Wirtschaftswachstum angewiesen und wir brauchen erschwingliche Energie für dieses Wachstum. Die Regierung weiß allerdings auch, wie wichtig der Umweltschutz ist. Es gibt strikte Grenzwerte für Emissionen und neue Kraftwerke werden mit der allermodernsten Technologie ausgestattet.

Du Xiangwan: Kohlekraftwerke werden aus unserer Energieerzeugung nicht einfach über Nacht verschwinden. Und es werden neue gebaut werden. Mehr als drei Viertel der gesamten Energieerzeugung wird heute mit Kohle bestritten. 100 Prozent erneuerbare Energien, das ist illusorisch. Wenn wir aber künftig andere Energiequellen verstärkt nutzen, also Erdgas, Kernkraft und eben erneuerbare Energien, dann können wir zumindest den Anstieg unserer jährlichen CO2-Emissionen eindämmen.

Li Junfeng: Das sehe ich genau so. Insbesondere Erdgas wird immer wichtiger werden. Es ist sauberer als Kohle und verglichen mit Europa oder den USA macht es nur einen verschwindenden Teil unseres Energiemixes aus. Der Anteil der Kohle an unserem Energiemix wird auf lange Sicht nicht steigen, sondern sinken.

Was ist der geeignete Maßstab für CO2- Reduktionsziele: Emissionen pro Kopf oder die Gesamtemissionen eines jeweiligen Landes?

Li Junfeng: Der Maßstab sollten Emissionen pro Kopf sein. Alles andere wäre ungerecht. Das macht der Vergleich von China und Europa deutlich: Die Europäische Union hat 27 Mitgliedsstaaten, aber nur etwa 40 Prozent der Gesamtbevölkerung von China. Sollten wir da China wirklich als ein einziges Land werten, nicht aber die EU?

Du Xiangwan: Ich denke, es ist einfach fairer, die Pro-Kopf-Emissionen zum Maßstab zu nehmen, schließlich sollte jeder Mensch das gleiche Recht haben, Ressourcen zu nutzen. China hat eine sehr große Bevölkerung; wer die Emissionen aller Chinesen einfach nur zusammenzählt, der zeichnet ein verzerrtes Bild.

Shi Zhengrong: Das ist eine politische Frage. Das Ziel von Suntech als Privatunternehmen ist es, Geld zu verdienen. Aber wir wollen auch darüber hinaus einen wertvollen Beitrag leisten, indem wir die Energieversorgung nachhaltiger machen. Bis heute hat Suntech Photovoltaik- Panels mit einer Erzeugungskapazität von insgesamt 2,5 Gigawatt ausgeliefert. Das entspricht der Kapazität von fünf mittelgroßen Kohlekraftwerken. Allein im Jahr 2010 haben wir Module mit einer Kapazität von 1,5 Gigawatt ausgeliefert und unsere Produktion wächst weiter. So tragen wir dazu bei, CO2 zu vermeiden.

China ist zwar weltweit der größte Produzent von Photovoltaik-Panels, aber sie werden fast nur exportiert. Was muss passieren, damit China sie auch im eigenen Land einsetzt?

Shi Zhengrong: Die Regierung sollte Fördermittel bereitstellen, sodass Hersteller und Investoren angemessene Profite erwirtschaften können. Um das allgemeine Preisniveau für Strom in China zu erreichen, müssten die Kosten von Strom aus PV auf rund zehn Eurocent pro kWh gesenkt werden – ein ambitioniertes Ziel, aber machbar, wenn wir uns anstrengen. In der Vergangenheit war stets die Rede vom Amerikanischen Traum. Heute gibt es viele chinesische Träume.

Welche Rolle spielen Stromnetze im Zusammenhang mit einem steigenden Anteil erneuerbarer Energien in China?

Li Junfeng: Der höhere Anteil von Wind- und Sonnenenergie wird die Fluktuationen bei der Einspeisung von Energie ins Netz weiter erhöhen. Das Netz muss stabiler und intelligenter werden. China investiert hier bereits. Zudem befinden sich Wind-, Sonnen- und Wasserkraftwerke häufig in abgelegenen Regionen, fernab der Verbrauchszentren. Deshalb benötigen wir Leitungen zur Hochspannungs- Gleichstrom-Übertragung, wie jene zwischen Yunnan und Guangzhou, die 2010 fertiggestellt wurde, übrigens mit Siemens- Technologie.

Erneuerbare Energien sind ohne weitere Innovationen nicht denkbar. Haben hier Europa und die USA die Nase vorn?

Du Xiangwan: China ist in diesem Feld noch nicht sehr stark. Die Konsequenz daraus ist jedoch nicht, dass wir versuchen, das Modell von Silicon Valley nachzuahmen. China hat seine ganz eigenen Probleme und wir werden unsere eigenen Wege finden. Sehen Sie sich die Energieforschung an. China hat hier einen großen Vorteil: In unserem Land gibt es viel mehr neue Kraftwerks-Projekte als irgendwo sonst. Wer neue Energietechnologien im Einsatz erleben will, der hat guten Grund, nach China zu kommen.

Das Interview führte Andreas Kleinschmidt