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SIEMENS

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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
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  • Germany
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Näher am Markt: Spitzentechnologie und Verständnis der lokalen
Bedürfnisse bringen den Durchbruch – bei der Energietechnik, bei der Abwasserreinigung oder auch in der Medizin.

Näher am Markt: Spitzentechnologie und Verständnis der lokalen
Bedürfnisse bringen den Durchbruch – bei der Energietechnik, bei der Abwasserreinigung oder auch in der Medizin.

Näher am Markt: Spitzentechnologie und Verständnis der lokalen
Bedürfnisse bringen den Durchbruch – bei der Energietechnik, bei der Abwasserreinigung oder auch in der Medizin.

Näher am Markt: Spitzentechnologie und Verständnis der lokalen
Bedürfnisse bringen den Durchbruch – bei der Energietechnik, bei der Abwasserreinigung oder auch in der Medizin.

Näher am Markt: Spitzentechnologie und Verständnis der lokalen
Bedürfnisse bringen den Durchbruch – bei der Energietechnik, bei der Abwasserreinigung oder auch in der Medizin.

S.M.A.R.T.: Kamerasysteme erkennen blitzschnell Ausschuss, etwa bei Cashew-Nüssen.

In Indien und China gefertigte Röntgengeräte sind High-tech-Produkte zu Low-cost-Preisen.

In Indien und China gefertigte Röntgengeräte sind High-tech-Produkte zu Low-cost-Preisen.

Köpfe zusammenstecken

In internationalen Netzwerken arbeiten Siemens-Forscher und Entwickler besonders effektiv an günstigen, funktionalen Einstiegsprodukten. Diese haben inzwischen das Potenzial, nicht nur in Schwellenländern Märkte zu erobern.

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Image Näher am Markt: Spitzentechnologie und Verständnis der lokalen Bedürfnisse bringen den Durchbruch – bei der Energietechnik, bei der Abwasserreinigung oder auch in der Medizin.
"Ein bisschen weniger flexibel, ein bisschen weniger effizient. Dafür kostete die Turbine 30 Prozent weniger."

Ein Flackern, und wieder einmal gehen in Hosur Road die Lichter aus. Hier am Forschungsstandort von Siemens Corporate Technology (CT) im indischen Bangalore führen die Spannungsschwankungen immer wieder zu Blackouts. Als es nach einigen Sekunden wieder hell wird, erklärt Dr. Zubin Varghese von Siemens CT die Ursachen der Blackouts: „Indiens Bevölkerung und Wirtschaftsleistung wachsen in atemberaubendem Tempo: Mehr Menschen, mehr Wohlstand, mehr Klimaanlagen. Der Ausbau der Stromnetze hält mit diesem Tempo einfach nicht Schritt. Bei Überbeanspruchung brechen die Netze zusammen.“

Varghese ist bei CT in Indien verantwortlich für die Entwicklung nachhaltiger Technologien für Schwellenländer. Er und sein Team arbeiten an Lösungen, die helfen, den Lebensstandard von Menschen in Schwellenländern auf der ganzen Welt auf nachhaltige und bezahlbare Weise zu erhöhen. Dabei gilt oft: Diejenigen Lösungen, die in den Industrienationen zum Einsatz kommen, wären für Indien zu teuer und sind nicht perfekt auf die lokalen Anforderungen ausgelegt. Der Preis eines Produktes ist hier der zentrale Erfolgsfaktor, erklärt Varghese: „Wenn ein Entwickler in Indien ein Auto sieht, überlegt er als erstes, wie er das zu einem Zehntel des Preises hinbekommt. Da gibt es dann zwei Wege: Man baut ein Fahrzeug mit drei Rädern und keinem Motor,“ scherzt er. „Oder man überlegt sich sehr genau, was der Kunde in unserem Markt eigentlich will und bezahlen kann – und entwickelt an diesen konkreten Anforderungen entlang. Das Ergebnis kann dann beispielsweise ein Tata Nano sein.“ Dieser begeistert immer mehr Inder, er gilt als das billigste Auto der Welt und ist inzwischen zum Sinnbild geworden: für extrem günstige Produkte aus Schwellenländern für Schwellenländer.

Perfektion für das Einstiegssegment. Siemens baut zwar keine Autos, aber viele andere smarte Produkte auf der ganzen Welt. Dabei steht „S.M.A.R.T.“ in der Siemens-Abkürzung für „simple“, „maintenance friendly“, „affordable”, „reliable” und „timely to market”. Produkte, die einfach zu bedienen, wartungsfreundlich, robust und kosten günstig sind, die also perfekt auf die Bedürfnisse bestimmter Marktsegmente im Einstiegslevel abgestimmt sind (Pictures of the Future, Frühjahr 2009, Innovationen für neue Märkte).

So fand Vargheses Team einen energie- und kostensparenden Weg zur Abwasserreinigung. In Indien eine sehr große Herausforderung: Von täglich rund 29 Milliarden Litern Abwasser wird nur ein Viertel geklärt. Herkömmliche Kläranlagen verbrauchen viel Energie, da ständig Sauerstoff eingeblasen werden muss. Die Forscher in Bangalore bauten einen Bioreaktor, in dem Algen und Bakterien eine Symbiose eingehen: Die Bakterien erzeugen CO2, das die Algen für die Photosynthese benötigen. Die Algen erzeugen dabei Sauerstoff, den wiederum die Bakterien zum Wachsen benötigen. Ein perfekter Kreislauf – und 60 Prozent weniger energieintensiv als bisherige Verfahren. Die Forscherkollegen in Deutschland sind inzwischen neugierig geworden: Denn mit ähnlichen Prozessen ließe sich auch CO2 aus fossilen Kraftwerken binden und in Algen in Biomasse verwandeln, eines Tages womöglich im großen Stil.

„Ingenieure aus Indien, China, Brasilien sowie Europa und USA arbeiten inzwischen immer häufiger in internationalen Teams zusammen und bringen in die Projekte ein, was sie jeweils am besten können“, erklärt Dr. Uwe Linnert, der bei CT in Erlangen das Global Technology Field Sensorik leitet. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Bangalore versteht Linnert als Integrations- und Beratungszentrum für die Region, das mit seinem tiefen Marktverständnis vor Ort dazu beiträgt, aus Ergebnissen der Forschung und Entwicklung innovative Produkte zu machen.

Ein weiteres Ergebnis der internationalen Zusammenarbeit zwischen Vargheses Team und Siemens-Kollegen in Deutschland ist der Fetal Heart Monitor (FHM), ein Gerät, das die Herzschlagrate von Föten im Mutterleib überwachen kann. Während in hochentwickelten Nationen hierfür oft Ultraschalltechnologie zum Einsatz kommt – wobei die Geräte mehrere tausend US-Dollar kosten können –, werden beim FHM spezielle akustische Mikrofone verwendet. Das Gerät kostet deutlich weniger. Die Idee kam aus Indien; bei der Entwicklung der Mikrofone half das Team von Linnert. „Die Spitzenforschung findet dort statt, wo die Spitzenforscher sitzen – also nach wie vor meist in den angestammten Industrieländern“, erklärt er. Dort existiere schließlich auch eine gewachsene Bildungs- und Forschungs-Infrastruktur. „Aber die Produktentwicklung findet zunehmend dort statt, wo Märkte stark wachsen – also in Schwellenländern.“ Ähnlich erfolgreich wie beim FHM verlief die deutsch-indische Zusammenarbeit bei optischer Sensor- und Kameratechnik. Sie hilft inzwischen beispielsweise indischen Keksfabriken, ihre Qualität und Effizienz erheblich zu steigern, indem sie Fehlproduktionen im Bruchteil einer Sekunde erkennt (Pictures of the Future, Frühjahr 2009, Smarte Lösung für Indien).

Neue Märkte in Brasilien. Auch in Brasilien lassen sich mithilfe internationaler Innovationsprozesse neue Marktsegmente erschließen, davon ist Thiago Pistore überzeugt. Der Siemens- Ingenieur koordinierte ein brasilianisch-deutsches Entwicklungsteam, das durch Designveränderungen aus einer Dampfturbine für den europäischen Markt eine Turbine machte, die ideal für den Einsatz in brasilianischen Zuckermühlen geeignet ist: die SST-300.

„Wir mussten darauf achten, dass die gesamte Turbine in Brasilien gefertigt werden kann. Dafür mussten wir hier und da auch lernen, zu verzichten: Sie ist im Einsatz ein bisschen weniger flexibel und ein bisschen weniger effizient als das Modell, aus dem sie hervorging. Dafür kostete sie zum Zeitpunkt der Markteinführung aber auch 30 Prozent weniger“, sagt Pistore (Pictures of the Future, Frühjahr 2009, Sonne im Tank). Inzwischen wird diese Turbine sogar außerhalb Brasiliens, in anderen lateinamerikanischen Ländern, verkauft.

Möglich wurde dieser Erfolg durch die Zusammenarbeit zwischen den brasilianischen Ingenieuren und ihren Kollegen in Deutschland, die ihr Wissen weitergegeben haben. Vieles können die Brasilianer künftig selbst erledigen, etwa Berechnungen der Rotordynamik. Dass die deutschen Ingenieure deshalb bald weniger zu tun hätten, fürchten sie nicht. Das deutsche Dampfturbinenwerk in Görlitz ist ausgelastet, wie Dr. Detlef Haje, Chefingenieur des Werks, erklärt: „Görlitz steht für Maßanfertigungen, spezielle Turbinen, die auf ganz individuelle Bedürfnisse von Kunden zugeschnitten werden. Die Kollegen in Märkten wie Brasilien und Indien sind hingegen auf standardisierte Lösungen für Schwellenländer spezialisiert.“

Dass S.M.A.R.T.-Produkte inzwischen nicht nur in Schwellenländern neue Märkte erschließen, zeigt das Zugkontrollsystem Trainguard MT. Um auf stark ausgelasteten U-Bahn-Strecken den Zugdurchsatz und damit die Kapazität zu erhöhen, brauchen die Leitzentralen Informationen darüber, wo sich die Züge exakt befinden. Eine Möglichkeit besteht darin, Kabel zu verlegen. Die kostengünstige Alternative: Funktechnik. Züge melden dabei ihre Position drahtlos an Empfangsstationen. „Dazu nutzen wir vor allem Off-the-shelf-Komponenten“, erläutert Mattias Lampe von Siemens CT China. Gemeint sind Komponenten und Wireless-Lan-Ausstattungen, die man „von der Stange“, also auch im herkömmlichen Elektronikmarkt, kaufen kann, etwa Radiomodule oder Antennen.