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Dr. Ulrich Eberl
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Rückenwind für Strom

Der Trend ist eindeutig: die globale Energienachfrage wird weiter kräftig wachsen. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass die Menschheit bis 2035 rund 36 Prozent mehr Energie verbrauchen wird als 2008. Eine wachsende Wirtschaft vor allem in den Schwellenländern und der Anstieg der Weltbevölkerung sind die treibenden Kräfte. Doch fossile Ressourcen sind begrenzt, und ihr energiebedingter Verbrauch verursacht den überwiegenden Teil der CO2-Emissionen.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet der IEA zufolge neben einer effizienteren Nutzung der Energie vor allem der verstärkte Einsatz von elektrischem Strom, auch in Bereichen, wo heute noch fossile Energieträger das Sagen haben – vorausgesetzt seine Produktion erfolgt emissionsfrei. „Wir halten erneuerbaren Strom für den bedeutendsten Endenergieträger der Zukunft“, urteilt Prof. Dr. Ulrich Wagner, Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR). Die Bandbreite künftiger Anwendungen sauberen Stroms ist enorm: Sie reicht vom Einsatz bei Hausgeräten, Licht oder Maschinen bis zu Wärmepumpen, Meerwasserentsalzung oder dem Elektroauto. „Elektrizität ist einfach zu erzeugen, leicht zu transportieren und äußerst komfortabel und flexibel einzusetzen“, resümieren Experten der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) in einer Studie aus dem Jahr 2010. Laut IEA wird bei „keiner anderen Form von Endenergie“ die Nachfrage weltweit so Rückenwind für Strom stark steigen wie bei Elektrizität. So dürfte der globale Stromverbrauch bis 2035 um rund 70 Prozent zunehmen – am meisten in aufstrebenden Wirtschaften wie China.

Weltweit erwärmen heute vielerorts noch Gas- oder Ölheizungen die Räume. Doch wenn Strom künftig CO2- arm produziert wird und Gebäude zugleich wärmetechnisch saniert sind, dann ist der Wechsel zur elektrischen Wärmeversorgung sinnvoll, so die DPG. Daher – und wegen der erhöhten Nachfrage nach Elektrogeräten in Ländern außerhalb der OECD – wird der Stromverbrauch in Gebäuden trotz Energiesparmaßnahmen bis 2035 um jährlich 1,5 Prozent wachsen. Der Stromanteil am weltweiten Gebäude-Endenergieverbrauch dürfte dann von heute 27 auf 37 Prozent steigen.

Auch bei Elektroautos ist das Potenzial groß: „Die Elektromobilität kann den Verbrauch von Erdöl mindern und klimaschädliche CO2- sowie Schadstoffemissionen vermeiden, vorausgesetzt der Strom wird nicht-fossil hergestellt“, erklärt die DPG. Bis 2020 will die deutsche Regierung eine Million, bis 2030 sogar fünf Millionen Elektroautos auf die Straße bringen (einschließlich der so genannten Plug-in-Hybride mit einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor).

Noch ehrgeiziger sind die Pläne der USA und Chinas: Beide Länder wollen schon bis 2015 jeweils eine Million E-Autos nutzen können. Bis etwa 2020 erwartet die Investmentbank HSBC nach einer Studie von 2010 ein Marktvolumen von 473 Milliarden US-Dollar, aufgeteilt auf 8,7 Millionen reine Elektroautos und 9,2 Millionen Plug-in-Hybride.

Dreh- und Angelpunkt des neuen Stromzeitalters ist, dass die Dekarbonisierung der Stromerzeugung rasch umgesetzt wird. Die IEA geht davon aus, dass bis 2035 der Gesamtanteil von Kohle, Gas und Öl an der weltweiten Stromproduktion von derzeit rund 67 auf rund 55 Prozent sinken wird. Zugleich wird danach der Stromanteil aus erneuerbaren Quellen wie Wasser, Wind oder Sonne von derzeit 19 auf 32 Prozent zulegen. Das spiegelt sich auch in den Marktaussichten wider. Siemens- Experten rechnen damit, dass 2020 bereits mehr als die Hälfte der weltweiten Investitionen auf dem Kraftwerksmarkt in die regenerativen Energien fließen werden. Und die HSBC erwartet, dass sich das weltweite Marktvolumen für die Produktion CO2-armer Energie von 422 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 bis 2020 auf 1.043 Milliarden Dollar erhöhen wird.

Unter den neuen CO2-freien Stromquellen wird neben der Wasserkraft vor allem die Windenergie – und in etwas geringerem Umfang auch die Sonnenenergie – weltweit eine Vorreiterrolle einnehmen. Hier rechnet die HSBC damit, dass die Windindustrie mit 285 Milliarden Dollar 2020 den Löwenanteil am Gesamtmarkt der erneuerbaren Energien ausmachen dürfte, gefolgt von der Solarindustrie mit 116 Milliarden Dollar.

Anette Freise