Bereits seit den 1980er Jahren gewinnen internationale Forschungsnetzwerke zwischen Universitäten, Forschungsinstituten und Unternehmen an Bedeutung – unabhängig davon, ob die Forscher in Peking, Mumbai, Princeton oder München beheimatet sind. Zunächst ging es meist darum, Produkte an lokale Anforderungen von Schwellenländern anzupassen. Inzwischen gibt es allerdings auch einen technologischen Transfer aus Schwellenländern zurück zu Industrieländern. So sind nach Berechnungen der Deutschen Bank Research die Importe von F&E-Dienstleistungen aus Indien in die EU seit 2004 um den Faktor 2,5 gestiegen, aus China sogar um den Faktor drei.
Fast zwei Drittel der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) von 1.000 weltweit führenden Firmen in Höhe von insgesamt 503 Milliarden US-Dollar (2009) konzentrierten sich gemäß der Strategieberatung Booz & Company auf die drei Branchen Elektronik/Computer (28%), Gesundheit/Pharma (21%) sowie Automobil (16%). Weltweit gingen im Krisenjahr 2009 die F&E-Investitionen um 1,9 Prozent zurück, in vielen Industrienationen sogar um mehr als drei Prozent, wie das von der Europäischen Kommission 2010 veröffentlichte Investment Scoreboard zeigt. Dieses erfasst weltweit 1.400 Unternehmen – gemessen wird der Gesamtwert ihrer weltweiten F&E-Investitionen, unabhängig vom Ort der Forschungstätigkeit.
Ganz anders die Entwicklung in China und Indien. Die beiden Länder zusammen erhöhten ihre F&E-Budgets im Krisenjahr 2009 um 41,8 Prozent, berichtet Booz & Company. Wie sehr sich die globale F&E-Verteilung verändert hat, zeigt auch der UNESCO Science Report 2010. Wurden im Jahr 1990 rund 92 Prozent der gesamten weltweiten F&E-Aktivitäten in nur sieben OECD-Staaten getätigt, so entfielen 2007 nur noch 76 Prozent überhaupt auf Industriestaaten: Etwa ein Drittel der weltweiten F&E-Aufwendungen entfällt auf die USA, knapp ein Viertel auf die Europäische Union – darunter 6,3 Prozent auf Deutschland. Allerdings gewinnen auch China und Indien zunehmend als Forschungsstandorte an Bedeutung. So investierten internationale Konzerne nach Berechnungen der DB Research dort in 2007 fast 40 Milliarden US-Dollar für F&E-Einheiten.
Die Industriestaaten halten mit Förderprogrammen dagegen. So belaufen sich die Fördergelder der EU zwischen 2007 und 2013 auf 50,5 Milliarden Euro. Die Gelder sollen beispielsweise in Projekte zur Bekämpfung des Klimawandels, in Erneuerbare Energien, Gesundheit oder Nahrungsmittelsicherheit fließen. In den USA sollen die zivilen staatlichen F&E-Leistungen in 2011 um 5,9 Prozent auf 65,8 Milliarden US-Dollar steigen. Dies betrifft vor allem den Gesundheitssektor, die Grundlagenforschung, die Luft- und Raumfahrt, Rohstoffe und Umwelt sowie Energie- und Verkehrsprojekte. Die USA und Japan setzen auch auf eine steuerliche Förderung von F&E, etwa bei den Personalausgaben für Forscher oder bei Abschreibungen auf Geräte und Gebäude.
Rund ein Drittel aller weltweiten Forschungsgelder wurden laut dem UNESCO-Bericht 2010 in den USA ausgegeben, 23 Prozent in Europa und knapp neun Prozent in China. Aber „die Welt, in der Wissenschaft und Technologie von der Triade USA, EU und Japan dominiert wurden, weicht allmählich einem multipolaren Bild“, erklärt UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa.
Neben China und Indien geben auch Länder wie Brasilien, Mexiko und Südafrika zunehmend mehr Geld für Forschung und Entwicklung aus. Chinas F&E-Ausgaben werden sich nach Angaben des US Battelle Memorial Instituts von 141,4 Milliarden US-Dollar in 2010 auf 153,7 Milliarden im Jahr 2011 erhöhen – dann liegen sie sogar über den Ausgaben Japans von 144,1 Milliarden Dollar. Viele Länder planen auch steigende Investitionen in die Hochschulbildung: So will Indien 30 neue Universitäten errichten und seine Studentenzahlen bereits 2012 auf 21 Millionen erhöhen.
Auch der Wissenschaftsaustausch mit China hat mittlerweile stark zugenommen. So hat sich nach einer Analyse der DB Research die Zahl ausländischer Wissenschaftler, die nach China reisen oder mit chinesischen Forschern zusammenarbeiten, von 2001 bis 2008 auf fast 100.000 verdreifacht. Bis 2050 soll China nach dem Willen der Regierung zu einer führenden Wissenschaftsmacht werden. Erklärtes Ziel ist es, die F&E-Ausgaben bis 2020 von heute knapp 1,6 auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu steigern und dabei Technologie- Cluster, unter anderem für Energie, IT, Biotechnologie und Raumfahrt gezielt zu fördern.
In den USA liegen die F&E-Ausgaben nach Angaben der OECD derzeit bei etwa 2,8 Prozent des BIP, in den 27 EU-Ländern durchschnittlich bei 1,8 Prozent und in Japan bei 3,4 Prozent. Insgesamt wurden 2007 weltweit 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung ausgegeben – 45 Prozent mehr als in 2002. Dies zeigt, dass die Länder erkannt haben, dass Investitionen in Wissen und Know-how entscheidend für ihre künftige Wettbewerbsfähigkeit sind.