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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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Überblick: Das Siemens City Cockpit in Singapur zeigt, wie sich mit modernen Informationssystemen viele Bereiche des städtischen Lebens besser überblicken lassen. Die Stadtverantwortlichen sollen alle nötigen Informationen schnell und einfach abrufen können.

Überblick: Das Siemens City Cockpit in Singapur zeigt, wie sich mit modernen Informationssystemen viele Bereiche des städtischen Lebens besser überblicken lassen. Die Stadtverantwortlichen sollen alle nötigen Informationen schnell und einfach abrufen können.

Überblick: Das Siemens City Cockpit in Singapur zeigt, wie sich mit modernen Informationssystemen viele Bereiche des städtischen Lebens besser überblicken lassen. Die Stadtverantwortlichen sollen alle nötigen Informationen schnell und einfach abrufen können.

Überblick: Das Siemens City Cockpit in Singapur zeigt, wie sich mit modernen Informationssystemen viele Bereiche des städtischen Lebens besser überblicken lassen. Die Stadtverantwortlichen sollen alle nötigen Informationen schnell und einfach abrufen können.

Regieren in Echtzeit

Bürgermeister könnten die Prozesse in ihrer Stadt künftig unmittelbar verfolgen. Das City Cockpit von Siemens bündelt die Informationen diverser Verwaltungssysteme, um bessere und schnellere Entscheidungen zu ermöglichen.

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Image Überblick: Das Siemens City Cockpit in Singapur zeigt, wie sich mit modernen Informationssystemen viele Bereiche des städtischen Lebens besser überblicken lassen. Die Stadtverantwortlichen sollen alle nötigen Informationen schnell und einfach abrufen können.
"Das City Cockpit macht Informationen verfügbar, für die man bisher einen Stab von Assistenten brauchte."

Für Bürgermeister S. ist die Fahrt ins Büro an diesem Morgen ein Genuss. Wie immer nimmt er den Bus – das ist Teil einer Kampagne, die Bürger zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu bewegen. So sieht es Bürgermeister S. mit Freude, dass der Bus voller ist als noch zu Jahresbeginn, als für Autos eine Innenstadtmaut eingeführt wurde, um die Staus in Stoßzeiten zu reduzieren.

An seinem Schreibtisch angekommen, überprüft der Bürgermeister, ob ihn sein Eindruck nicht getrogen hat: In seinem City Cockpit lässt er sich anzeigen, wie viele Menschen an diesem Morgen mit Bus und Bahn zur Arbeit gefahren sind und wie flüssig der Autoverkehr war. Neben aktuellen Statistiken und Graphiken sieht er ein gelbes Licht, das ihm anzeigt, dass sein neues Verkehrskonzept doch noch nicht überall in der Stadt reibungslos funktioniert. Er wird seine Verkehrsplaner auf das Problem ansprechen müssen.

Mit dem City Cockpit kann sich Bürgermeister S. nicht nur über die aktuelle Verkehrslage informieren, sondern auch über viele andere Bereiche des Stadtlebens: Bei Wasser- und Stromversorgung, aber auch bei Polizei, Feuerwehr und Stadtreinigungsamt sieht er grüne Lichter – alles läuft bestens. Bei den Bürgerbüros ist das Signal gelb und bei der Finanzabteilung rot. Nicht umsonst ist der ganze Morgen für Budgetverhandlungen reserviert.

Lebendes Labor in Singapur. Die Vision könnte schon bald Realität werden, denn einen Prototyp des City Cockpits gibt es bereits – von Siemens. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) macht es möglich, dass Bürgermeister oder andere Entscheidungsträger die Prozesse in ihrer Stadt live verfolgen und analysieren können. Alle wichtigen Informationen münden in ein zentrales System, das die Daten übersichtlich aufbereitet und anzeigt, wie gut die Umsetzung von Zielvorgaben funktioniert.

Der Computer, auf dessen Benutzeroberfläche alle Daten einer fiktiven Stadt zusammenlaufen und dargestellt werden, steht in der „Siemens City of the Future“, einem Demonstrationszentrum für Zukunftslösungen, das Siemens vor zwei Jahren mit Unterstützung der Regierung des Stadtstaates gegründet hat. „Die City of the Future” zeigt, wie IKT helfen kann, die Herausforderungen von Städten zu bewältigen“, sagt Klaus Heidinger, bei Siemens Corporate Technology (CT) für Smart Eco Cities verantwortlich. „Singapur ist für dieses Kompetenzzentrum ein hervorragender Standort, weil die Regierung sich als ‚lebendes Labor’ für neue Verwaltungsmethoden profiliert.“ (Pictures of the Future, Herbst 2010, Smarte Innovation)

Stadtregierungen aus aller Welt schicken Delegationen nach Singapur, um von den dortigen Erfahrungen zu lernen. Über 200 Gruppen haben die City of the Future bereits besucht, um durch Multimedia-Darstellungen und interaktive Konsolen zu lernen, wie die geschickte Vernetzung von Informationen die Grundlage für bessere und schnellere Entscheidungen bilden kann. „Die IKT-Revolution eröffnet ganz neue Möglichkeiten, um Probleme etwa im Bereich Kommunikation, Transport oder Infrastruktur zu bewältigen“, ist Andrew Tan, Geschäftsführer von Singapurs National Environment Agency, überzeugt. „Dadurch verändert sich die Art und Weise, wie Regierungen arbeiten, denken und mit ihren Bürgern interagieren.“ So verweist man in Singapur stolz darauf, dass die Anmeldung eines Gewerbes nicht länger als 15 Minuten benötigt – eine von vielen Prozessoptimierungen, die der Stadt ihren Status als südostasiatische Wirtschaftsdrehscheibe und den damit verbundenen Wohlstand beschert haben.

Derart hohe Standards lassen sich nur verwirklichen, wenn der gesamte Verwaltungsapparat darauf ausgerichtet ist, stetig effizienter und effektiver zu werden. Die Festlegung und Überprüfung von Leistungskriterien ist dabei ein Muss und wird durch IKT-Lösungen wie das City Cockpit ermöglicht. So kann sich der fiktive Bürgermeister S. mittags einen Eindruck davon verschaffen, wie die Bürgerbüros den Vormittag über gearbeitet haben. Seine Beamten haben strikte Vorgaben, wie schnell Anträge und Fragen der Bevölkerung bearbeitet werden sollen. Prompte Reaktionen sollen die Bürger ermutigen, sich stärker für ihre Stadt verantwortlich zu fühlen.

Rückmeldung in 24 Stunden. Wer mit seinem Handy Fotos von einer ramponierten Parkbank oder einer schlecht gereinigten öffentlichen Toilette macht und auf eine Webseite der Stadtverwaltung hochlädt, soll innerhalb von 24 Stunden informiert werden, wie die Verantwortlichen mit dem Problem umgehen werden. Die Beamten benutzen dafür Software, die registriert, wie viele Anfragen eingehen und ob die einzelnen Arbeitsschritte in der vorgegebenen Zeit bewältigt werden. Diese Informationen stehen nicht nur den Abteilungsleitern zur Verfügung, sondern werden auch in das City-Cockpit eingespeist. Dieses zeigt Bürgermeister S. an, dass die Fristen eingehalten werden, obwohl die Bürgerbeteiligung seit Beginn des neuen Systems stetig zugenommen hat. In den ersten Wochen unter dem neuen System sah er auf seinem Computer noch ein rotes Licht – die Beamten waren mit der Arbeitsflut überfordert. Doch Schulungen und der Einsatz zusätzlicher Mitarbeiter scheinen die Anfangsprobleme gelöst zu haben.

„Das City-Cockpit macht Informationen verfügbar, für die ein Bürgermeister bisher einen Stab von Assistenten brauchte, um sie mühsam zu beschaffen“, sagt Heidinger. „Dabei arbeiten wir mit Informationen, die ohnehin bereits existieren.“ Verkehrsmanagementsysteme optimieren beispielsweise schon heute mit Sensoren, die das Autoaufkommen messen, die Taktung von Ampeln. Diese Daten können zusammen mit den Informationen von U-Bahn- und Bus-Leitsystemen dazu dienen, ein aktuelles Bild der Verkehrssituation zu erstellen. Ähnlich lassen sich die Managementsysteme des Energienetzes, der Wasserversorgung, der öffentlichen Finanzen und der Arbeitsabläufe in Bürgerbüros bündeln.

Bessere Entscheidungen. Das City Cockpit ist freilich kein Autopilot. „Moderne Technik kann Informationen zugänglich machen und übersichtlich darstellen, aber die Entscheidungen müssen die Verantwortlichen immer noch selbst treffen“, sagt Julian Goh. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig diese Entscheidungen sind. Jahrelang arbeitete er selbst als Stadtplaner für Singapurs Regierung, bevor er vor zwei Jahren als Leiter von Smart-City-Solutions innerhalb des Kompetenzzentrums Cities zu Siemens stieß. „Viele Weichenstellungen sind politischer Natur und beruhen auf Abwägungen, wie man vorhandene Mittel einsetzt und wo Prioritäten liegen“, meint Goh. „Aber grundsätzlich gilt immer, dass bessere Informationen auch zu besseren Entscheidungen führen.“ Allerdings müsse dabei streng darauf geachtet werden, dass die Informationssammlung im Rahmen geltender Datenschutzbestimmungen bleibe.

Ashish Lall, Professor an der National University of Singapore, glaubt, dass der Einsatz von IKT helfen werde, Verwaltungen effektiver zu strukturieren, sie effizienter zu machen und ein größeres Maß an Kooperation und Transparenz zu schaffen. Wo bisher Abteilungen weitgehend abgeschlossen voneinander operierten, werden ihre Prozesse an den Schnittstellen in Zukunft systematisch miteinander verbunden. „Die Stadtverwaltung durch IKT macht organisatorische Änderungen nötig“, erklärt der Verwaltungswissenschaftler. „Widersprüchliche Verordnungen, komplizierte Verfahren und die Silo-Mentalität müssen geändert werden.“ Außerdem handle es sich bei IKT um ein interaktives Medium, das nicht nur die Abstimmung unter den Behörden verbessere, sondern auch den Kontakt mit den Bürgern fördere.

Der Kontakt kann so eng sein, dass Bürgermeister S. am Abend noch überprüfen kann, wie viele Menschen in seiner Stadt jetzt ihre Wäsche waschen. Der Bürgermeister hat die Installation von digitalen Stromzählern gefördert, die eine differenzierte Strompreisstaffelung ermöglichen. Niedrige Strompreise am Abend sollen Haushalten Anreize bieten, Geräte mit hohem Energieverbrauch wie Waschmaschinen nicht tagsüber zu benutzen, wenn der Stromverbrauch in der Stadt durch Unternehmen und Büros ohnehin hoch ist. Und in der Tat: Bürgermeister S. bekommt wieder ein gelbes Licht. Die Initiative beginnt, Erfolge zu zeigen, aber die Energieeffizienz der Stadt lässt sich noch stark verbessern. „Gut zu wissen, wo die Herausforderungen liegen“, denkt er.

Bernhard Bartsch