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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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Nachholbedarf: Die südchinesische Millionen-Metropole Guangzhou lockt mit hohen Löhnen,
doch in Sachen Nachhaltigkeit gibt es noch viel zu tun. Ob U-Bahn, umweltfreundliche Energieversorgung oder effiziente Beleuchtung – erste Lösungen zeigen den Weg.

Sauber unterwegs: Ein effizienter Öffentlicher Nahverkehr hilft Guangzhou…

… und Bangkok

In Tokio stehen elektrisch unterstützte Leihräder bereit.

Wachsen statt
wuchern in Asien

Asiens Megastädte galten lange als überbevölkert, dreckig und chaotisch. Doch inzwischen sind viele Metropolen Vorreiter in moderner Stadtplanung, wie der Asian Green City Index belegt. Besonders gut schnitt Singapur ab. Technologie von Siemens trägt dort zu höherer Nachhaltigkeit bei.

Image Nachholbedarf: Die südchinesische Millionen-Metropole Guangzhou lockt mit hohen Löhnen, doch in Sachen Nachhaltigkeit gibt es noch viel zu tun. Ob U-Bahn, umweltfreundliche Energieversorgung oder effiziente Beleuchtung – erste Lösungen zeigen den Weg.
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Image Sauber unterwegs: Ein effizienter Öffentlicher Nahverkehr hilft Guangzhou (oben) und Bangkok (Mitte). In Tokio stehen elektrisch unterstützte Leihräder bereit (unten).
"Ein höheres Einkommen bedeutet nicht zwangsläufig einen höheren Ressourcenverbrauch."

Grüne Städte in Lateinamerika

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Seit 2007 leben weltweit erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land – in Lateinamerika wurde dieser Wendepunkt schon in den 1960er-Jahren erreicht: Über vier Fünftel der Bevölkerung leben heute dort in urbanen Räumen. Mit den Herausforderungen und Chancen, die das bedeutet, beschäftigt sich der Latin American Green City Index. Die Studie wurde von der Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag von Siemens angefertigt und im November 2010 in Mexico City vorgestellt. Sie untersucht 17 Millionenmetropolen in acht lateinamerikanischen Ländern im Hinblick auf ihre ökologische Nachhaltigkeit. Es zeigt sich vor allem, dass Städte ohne integrierte, langfristige Strategie unterdurchschnittlich abschneiden. Ein beeindruckendes Positivbeispiel ist die brasilianische Stadt Curitiba, die auch deshalb als „grünste“ Stadt Lateinamerikas ausgezeichnet wurde, weil sie einen langen Atem bewies. Seit über 40 Jahren verfolgt sie eine Strategie zur Steuerung des städtischen Wachstums und der Verkehrsplanung. „Dass die Einwohner von Curitiba an politischen Prozessen besonders aktiv teilhaben, hat zusätzlich eine wichtige Rolle gespielt“, erklärte der Bürgermeister von Curitiba, Luciano Ducci, in Mexico City, wo er mit 137 anderen Bürgermeistern aus aller Welt den „Mexico City Pact“ unterzeichnete. Mit dieser Erklärung verpflichteten sich die Städte im Rahmen des „World Mayors Summit on Climate“, ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken. Ein gut gewählter Ort: Denn auch Mexico City nimmt durch konsequente umweltpolitische Maßnahmen eine Vorbildrolle ein.
„Der Kampf um das Klima der Erde muss in den Städten dieser Welt gewonnen werden, denn sie sind für rund 80 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen verantwortlich“, sagte am Tag der Unterzeichnung Pedro Miranda, der Leiter von Siemens One, einem Konzernprojekt, das Aktivitäten zur nachhaltigen Stadtentwicklung zusammenführt. Doch um den CO2-Ausstoß von Städten zu senken, ist moderne Technologie unverzichtbar. Das zeigt sich auch in Lateinamerika: Siemens hilft beispielsweise derzeit Buenos Aires und Lima beim Ausbau ihrer Bahnnetze mit modernster Technologie. In Brasilien unterstützt Siemens den nationalen Netzbetreiber dabei, ein neues Energy Management System unter anderem für die Städte Rio de Janeiro und Brasilia aufzubauen – ein erster Baustein auf dem Weg zu einem brasilianischen Smart Grid.
Die Beispiele zeigen: Elemente aus dem Umweltportfolio von Siemens kommen nicht nur in hochentwickelten Industrieländern zum Einsatz, sondern zunehmend auch in Schwellenländern Lateinamerikas. Und deren wirtschaftliche Bedeutung wird in den kommenden Jahren erheblich wachsen – so wie die Einwohnerzahl ihrer Städte.
Andreas Kleinschmidt

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In Guangzhou will man arbeiten, aber nicht leben“, sagen Chinesen, wenn sie von ihrer wichtigsten Industriemetropole sprechen. Die Hauptstadt der südchinesischen Provinz Guangdong, von der vor dreißig Jahren Chinas Wirtschaftswunder ausging, steht im Ruf hoher Gehälter und niedriger Lebensqualität. Auf den Straßen der 7,9-Millionen-Einwohner-Stadt herrschen Staus, die Luft ist häufig versmogt, und im Sommer kommt es regelmäßig zu Stromknappheit. Kein Wunder, dass Guangzhou nicht zu den schönsten chinesischen Städten zählt.

Doch Redewendungen bleiben oft auch dann bestehen, wenn sich die Wirklichkeit längst geändert hat. Als Guangzhou im November 2010 rund 9.700 Athleten zu den Asien- Spiele willkommen hieß, erlebten Sportler und Fernsehzuschauer zu ihrer Überraschung eine Stadt, in der man sich offenbar auch nach der Arbeit gerne aufhält. So ist in den vergangenen Jahren im Stadtzentrum ein neues Viertel entstanden: mit funkelnden Hochhäusern, grünen Parks, einer Flusspromenade und kulturellen Einrichtungen. Ein öffentliches Bahnsystem bietet Hunderttausenden eine Alternative zu Bus und Auto. Das Symbol des neuen Guangzhou ist der 432 Meter hohe West Tower, dessen elegante Stahlkonstruktion nachts ein strahlender Fixpunkt ist.

Guangzhous Stadtväter haben nicht gezaubert, sondern die Bedürfnisse ihrer Bewohner ins Zentrum ihrer Planungen gestellt. Sie haben auf modernste Technologie gesetzt, um ihre Stadt umweltfreundlicher, effizienter und lebenswerter zu machen. Viele dieser Lösungen kommen von Siemens (Pictures of the Future, Frühjahr 2010, Reifeprüfung für Chinas Städte). So hat das Unternehmen die Technik für die Hochspannungsgleichstromübertragung geliefert, die Guangzhou heute sehr effizient mit Strom aus Wasserkraftwerken in der 1.400 Kilometer entfernten Provinz Yunnan versorgt. Dies dient nicht nur der Stabilisierung des Stromnetzes, sondern auch dem Umwelt- und Klimaschutz, weil Guangzhou nun Zugang zu regenerativer Energie hat. Von Siemens stammen auch die Leitsysteme für mehrere Metrolinien sowie die S-Bahn zwischen Guangzhou und der Nachbarstadt Foshan. Und das nächtliche Strahlen des West Tower ist ebenfalls „engineered by Siemens“: Die 10.000 LED-Armaturen, die den Turm zum Leuchten bringen, sind von Osram.

Die Entwicklung von Guangzhou ist symptomatisch für asiatische Metropolen. In Asien findet derzeit der größte Umbruch der Weltwirtschaft statt – und seine Städte spielen dabei die Schlüsselrolle. Inzwischen sind viele asiatische Megacitys zu Vorreitern moderner Stadtentwicklung geworden, wie der erste Asian Green City Index zeigt. Die Studie, die die Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag von Siemens bereits für Europa und Lateinamerika erstellt hat, ist eine objektive Datengrundlage, die den Städten hilft, durch Wissensaustausch ihre ökologische Nachhaltigkeit zu verbessern.

200 Millionenstädte in China. Die Herausforderungen asiatischer Städte sind gewaltig. Allein in den letzten fünf Jahren wuchs ihre Bevölkerung jeden Tag um rund 100.000 Menschen. In China wird es laut Experten bis 2025 weit über 200 Millionen-Metropolen geben. 2011 sind es erst 90. Zum Vergleich: In Europa haben 25 Städte mehr als eine Million Einwohner. Nachhaltigkeit ist für Stadtplaner dabei längst keine neue Mode mehr, sondern eine Minimalanforderung. Schätzungen der Asian Development Bank zufolge müssen die asiatischen Städte heute täglich 20.000 neue Wohnungen, 250 Kilometer Straßen sowie Infrastruktur für den Transport von zusätzlich sechs Millionen Litern Trinkwasser errichten, um den Bevölkerungszustrom aufzufangen.

Besonders gut gemeistert hat diese Herausforderungen Singapur. Beim Asian Green City Index schneidet der Stadtstaat am besten ab. Ebenfalls überdurchschnittliche Ergebnisse zeigen Hongkong, Osaka, Seoul, Taipeh, Tokio und Yokohama. „Die Städteanalyse in Asien zeigt eines ganz deutlich: Ein höheres Einkommen bedeutet nicht zwangsläufig höheren Ressourcenverbrauch“, sagt Jan Friederich, Forschungsleiter für die Studie bei der EIU. Der Ressourcenverbrauch steige zwar bis zu einem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von rund 15.000 Euro pro Kopf deutlich an, bei weiter darüber hinaus steigendem Einkommen sinke er aber wieder.

Zu den erfreulichsten Resultaten der Studie gehört, dass der durchschnittliche jährliche CO2-Ausstoß pro Kopf in den 22 untersuchten asiatischen Städten mit 4,6 Tonnen geringer ist als in Europa (5,2 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr). Außerdem produzierten die asiatischen Städte im Schnitt jährlich pro Person 375 Kilogramm Müll, deutlich weniger als Städte in Lateinamerika (465 kg) und Europa (511 kg). Auffälligen Nachholbedarf gab es dagegen bei der Luftverschmutzung und beim Einsatz erneuerbarer Energien, deren Anteil an der Gesamtstromerzeugung bei nur elf Prozent lag, weit unter dem Wert in Lateinamerika, wo es aufgrund der intensiven Nutzung von Wasserkraft immerhin 64 Prozent sind.

Im Stadtstaat Singapur ist man stolz darauf, innerhalb eines halben Jahrhunderts den Sprung von der Dritten Welt in die erste geschafft zu haben (Pictures of the Future, Frühjahr 2010, Lebendes Labor). Dahinter standen klarsichtige Grundsatzentscheidungen. Einerseits hat Singapur systematisch in Bildung und Forschung investiert. Heute ist das Land unter anderem der führende Standort für Wasseraufbereitungstechnologie (Siehe Artikel "Eine ideale Süßwasserquelle"). Dazu hat Singapur eines der besten öffentlichen Verkehrssysteme der Welt und hat sich als Pionier bei Entwicklung und Einsatz neuer Verwaltungsmethoden profiliert (siehe Artikel "Regieren in Echtzeit").

Eine der neuesten Initiativen zur weiteren Verbesserung von Umwelt- und Klimafreundlichkeit sowie zur Reduzierung des Energieverbrauchs ist die Forderung, dass Gebäude künftig noch höhere Standards von Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit einhalten müssen. Als Referenzprojekt in Singapur gilt dabei die „City Square Mall“, ein Einkaufszentrum, das demonstriert, dass weitläufige und großzügig gebaute Gebäude auch effizient sein können. Durch ausgeklügelte Sensorsteuerung von Licht, Ventilatoren und Klimaanlagen spart die 65.000 Quadratmeter große Mall jährlich elf Millionen Kilowattstunden, was dem Verbrauch von rund 2.000 Vierzimmer-Wohnungen entspricht. Damit dies nicht nur bloße Behauptungen sind, informieren Bildschirme in der Mall über den aktuellen Strom- und Wasserverbrauch und andere Indikatoren. Transparenz ist Trumpf.

Die Auswirkungen solcher Projekte gehen weit über Singapur hinaus. Global gesehen liegt der Energieverbrauch von Gebäuden bei 40 Prozent. Einsparungen durch moderne Technologie haben deswegen in der Summe enorme Auswirkungen. Wie viel Verbesserungspotenzial es gibt, demonstriert Siemens beispielsweise in Indien in sieben eigenen Büros und Fabriken. In den kommenden zwei Jahren investiert das Unternehmen 1,7 Millionen Euro, um seine Gebäude auf den modernsten Stand zu bringen, was zu einer Effizienzsteigerung von 15 Prozent führen dürfte. Der Umbau ist nicht nur umwelt- und klimabewusst, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll, denn durch niedrigeren Energieverbrauch dürfte sich die Investition in weniger als vier Jahren amortisieren.

Ein Drittel weniger Strombedarf. In Seoul modernisiert Siemens in ähnlicher Weise die Gebäude der größten südkoreanischen Kaufhauskette, Shinsegae. Durch effiziente Klimaanlagen, Stromversorgung und Lichtsysteme kann Shinsegae Stromeinsparungen von einem Drittel erreichen und die Betriebskosten um ein Fünftel reduzieren. Ähnliche Projekte hat Siemens in vielen anderen asiatischen Städten verwirklicht: Das Schwimmstadion der Olympischen Spiele in Peking und der chinesische Pavillon der Expo in Shanghai sind auch mit Siemens-Gebäudetechnologie ausgestattet – ebenso wie die Petronas Twin Towers in Kuala Lumpur, der Wolkenkratzer Taipei 101 und das Pacific Place Hochhaus in Jakarta.

Der zweitgrößte Energiekonsument in Städten ist das Verkehrssystem. Asiens Mittelschicht träumt genauso vom eigenen Auto wie Menschen in den etablierten Industrienationen. In Megacitys asiatischen Ausmaßes endet der Traum allerdings regelmäßig im Verkehrskollaps. Stadtplaner stellen deshalb öffentliche Transportmittel wie S- und U-Bahnen bereit, die eine attraktive Alternative zum eigenen Auto darstellen. Doch je größer und verzweigter die Zugnetzwerke werden, umso höher sind die Ansprüche an die Leitsysteme, die den Verkehr koordinieren und eine möglichst dichte Taktung von Zügen zulassen.

Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel Bangkok. In Thailands Hauptstadt hat sich das Autoaufkommen seit 1990 verdoppelt und liegt heute bei 5,5 Millionen. Ende der 90er-Jahre bestellten die Stadtplaner deshalb bei Siemens Bangkoks erste Schnellbahn, den Skytrain BTS (Pictures of the Future, Frühjahr 2006, Ein leises Rauschen). Die 23 Kilometer lange Hochbahn transportiert täglich 400.000 Pendler und mündete in einen Folgeauftrag für Bangkoks erste U-Bahn, die jeden Tag 180.000 Passagiere transportiert.

2010 stellte Siemens seine dritte Schnellbahnstrecke für Bangkok fertig, die den neuen Flughafen Suvarnabhumi mit der Stadt verbindet. Über 600.000 Menschen, die sonst in Bussen, Taxis oder dem eigenen Wagen unterwegs wären, sind damit auf die Schiene umgestiegen und entlasten neben dem Verkehr auch die Umwelt. Ähnliche Projekte verwirklicht Siemens auch in zahlreichen anderen asiatischen Städten. Die Flughafen-Bahn in Kuala Lumpur fährt ebenso mit Siemens-Leitsystemen wie die neue West-Rail in Hongkong oder die jüngsten Anbauten an das U-Bahn- Netz in Peking und Nanjing.

All diese Beispiele demonstrieren, dass es für zeitgemäße Stadtplanung immer zweierlei braucht: einerseits politischen Willen und Weitblick, andererseits technische Innovationen, die den Bau von umweltfreundlicher, energieeffizienter und wirtschaftlicher Infrastruktur ermöglichen. Asiens Megacitys sind in dieser Hinsicht gleich doppelt auf dem richtigen Weg.

Bernhard Bartsch