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Dr. Ulrich Eberl
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Vertikaler Bauernhof: In Zukunft könnten Wolkenkratzer als Farmen dienen und Megacities ernähren.
Schon heute würden Treibhäuser auf Hausdächern ausreichen, um etwa New York City zu versorgen.

Visionäre Idee: In Hochhäusern von Megacities produzierte Nahrungsmittel würden nicht nur
beachtliche Mengen an CO2-Emissionen sparen, sondern auch Transport- und Kühlkosten.

Visionäre Idee: In Hochhäusern von Megacities produzierte Nahrungsmittel würden nicht nur
beachtliche Mengen an CO2-Emissionen sparen, sondern auch Transport- und Kühlkosten.

Visionäre Idee: In Hochhäusern von Megacities produzierte Nahrungsmittel würden nicht nur
beachtliche Mengen an CO2-Emissionen sparen, sondern auch Transport- und Kühlkosten.

Der Bauernhof
im Turm

Mehrstöckige Treibhäuser in Städten könnten künftig die wachsende Weltbevölkerung mit Nahrung versorgen - und helfen, die Klimaerwärmung zu bremsen.

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Image Visionäre Idee: In Hochhäusern von Megacities produzierte Nahrungsmittel würden nicht nur beachtliche Mengen an CO2-Emissionen sparen, sondern auch Transport- und Kühlkosten.

Das Büro des Parasitologen Dickson Despommier an der Columbia University in New York City liegt im zweiten Stock eines fünfzehnstöckigen Gebäudes. Der Blick geht über den in der Sonne glitzernden Hudson River, man sieht die George Washington Bridge und am anderen Flussufer die bewaldeten Hänge New Jerseys. Und doch, so schön es der 70-jährige Wissenschaftlerin der Denkerstube hat, träumt er von einem ganz anderen Hochhaus.

Despommiers Vision sieht so aus: Ein dreißig Stockwerke hoher Wolkenkratzer, lichtdurchlässige Fassaden, hinter denen es pastell- bis smaragdgrün schimmert. Auf jeder Etage keine Innenwände, sondern nur Hydrokulturfelder von Weizen, Gerste oder Mais, Regale, in denen Gemüse allerlei Art gedeiht, bunte Blumenbeete, freilaufende Hühner sowie Wassertanks, in denen Fische oder Garnelen gezüchtet werden. Wärme und Licht kommen von Solarzellen, Erdwärme, Windenergie oder Wasserkraft, der Dünger aus der Kanalisation und dem Stallmist des Kleinviehs.

Was wie ein Phantasiegebilde wirken mag, ist Despommiers Idee einer „vertikalen Farm“, die tausende Menschen mit Frischprodukten versorgen soll. Der Bauernhof im Turm soll mitten in Ballungszentren stehen. Das Vorhaben klingt verwegen, doch fügt es sich nahtlos in die Welle modernen grünen Städtebaus ein. Die Hochhäuser wären mit den Parks Teil der grünen Lunge einer Stadt. Und statt den täglichen Nahrungsbedarf aus der Ferne oder gar von der anderen Seite des Globus herbeizuschaffen, ließen sich Gemüse, Obst, Getreide und Geflügel frisch vom Farmhochhaus um die Ecke holen. „Viele umweltbewusste Menschen propagieren, man solle lokal produzierte Nahrungsmittel kaufen – nun, lokaler als im selben Viertel geht nicht“, sagt Despommier.

Seine beiden Hauptargumente für die vertikalen Bauernhöfe: Zum einen das globale Bevölkerungswachstum – bis 2050 werden voraussichtlich über neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, die große Mehrheit in den Städten. Das bedeutet einen zusätzlichen Bedarf von fast einer Milliarde Hektar Agrarland – einer Fläche so groß wie Brasilien. Zum anderen würden die Bauernhöfe im Turm den Klimawandel auf zweierlei Weise bekämpfen, erklärt Despommier:„Einmal, indem die ganzjährig vor Ort produzierten Nahrungsmittel immense Transport- und Kühlkosten und CO2-Emissionen sparen. Außerdem könnten landwirtschaftliche Nutzflächen wieder der Natur überlassen werden und so riesige CO2-Senken bilden.“

Despommier will zweifellos hoch hinaus. Doch das Konzept, das der Forscher vor zehn Jahren mit Studenten ersann, mag in der Tat reif sein, realisiert zu werden. So gibt es längst hocheffiziente Treibhäuser an Orten, wo man sie nicht vermutet. Etwa eine Gewächshausanlage namens „Eurofresh“ in der Wüste des US-Bundesstaats Arizona. Mit 128 Hektar ist sie das größte, auf Hydrokultur basierende Gewächshaus der USA, das zu jeder Jahreszeit Gemüse liefert – unter anderem 80.000 Tonnen Tomaten jährlich. Das Treibhaus verbraucht rund 70 Prozent weniger Wasser als herkömmlicher Ackerbau – und das auf einem Bruchteil der Fläche. Der Grund: In Hydrokultur wird mit Nährstoffen angereichertes Wasser nicht von herkömmlicher Erde aufgesaugt, sondern direkt an die Pflanzen geleitet, die in erdelosem Material wurzeln. Keine Erde bedeutet auch weniger Schädlinge. Deshalb sind gefährliche Krankheiten und Parasiten kein so drängendes Problem wie auf freiem Feld. Folglich ist der Bedarf an Pestiziden geringer.

Eurofresh beweist laut Despommier, was sich heute mit moderner Technik in Innenräumen anbauen lässt. Doch bemängelt er, dass Eurofresh zu weit von Ballungszentren entfernt liegt und zu viel Gemüse in die gesamten USA ausliefere: „Von den Transport- und Energiekosten ganz abgesehen, verdirbt dabei jede Menge Gemüse.“ Aber eine vertikale Farm stellt sich Despommier dennoch wie Eurofresh vor, nur mehrere Stockwerke aufeinander gestapelt – im Stadtgebiet.