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Grüne Stadtplanung: Termiten sind bereits seit Jahrmillionen Meister im nachhaltigen Städtebau.
Metropolen der Zukunft nähern sich dem Vorbild der Natur an, hier eine Vision für Hongkongs grüne Türme.

Grüne Metropolen: Energieeffiziente Gebäude sparen in Städten die meisten Treibhausgase ein (Wolkenkratzer in Singapur).

Grüne Metropolen: Energieeffiziente Gebäude sparen in Städten die meisten Treibhausgase ein (Torre de Cristal in Madrid).

Städte auf dem
grünen Pfad

Der Großteil der Menschen
lebt in Städten, die 80 Prozent der Treibhausgasemissionen verursachen. Um die
rasante Urbanisierung in grüne Bahnen zu lenken, setzen die Metropolen zunehmend auf energieeffiziente Technologien und neue Konzepte.

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Image Grüne Metropolen: Energieeffiziente Gebäude sparen in Städten die meisten Treibhausgase ein - Siemens-Zentrale in Peking (zweites Bild), Wolkenkratzer in Singapur (erstes Bild).

Eine grünere Millionenmetropole gibt es wohl kaum: Ihre Bewohner residieren in einem gigantischem Wolkenkratzer, der sich harmonisch in die Umwelt einfügt. Das Baumaterial wird lokal erzeugt und ist biologisch komplett abbaubar. Eine ausgeklügelte Struktur von Gängen, Luftschächten und dämmenden Isolationsschichten sorgt selbst bei extremen Temperaturschwankungen stets für ein angenehmes Klima – ohne dass auch nur eine Kilowattstunde elektrische Energie verbraucht wird. Dazu ist der Wohnturm in Nord-Süd-Richtung angelegt, sodass in der Mittagshitze nur die schmalere Seite zur Sonne zeigt und sich das Gebäude weniger aufheizt. Tief im Inneren kultivieren die Bewohner riesige Gärten, die die gesamte Stadt ernähren. Und der Ausstoß der Bevölkerung an schädlichen Klimagasen reduziert sich auf ihren Verdauungsprozess.

Was nach Sciencefiction klingt, ist schon seit Urzeiten Realität, zumindest bei Insektenkolonien wie den Termiten. Die kleinen Tüftler sind wahre Meister in grüner Stadtplanung. Ihre bis zu sieben Meter hohen Nester beherbergen Millionen Individuen, sind enorm energieeffizient und völlig im Einklang mit der Natur gebaut. Darin haben uns die nur zentimetergroßen Tiere einiges voraus. „Wir müssen lernen, dass sich Nachhaltigkeit und Leben auf engstem Raum nicht ausschließen“, sagt der US-amerikanische Architekt und Stadtplaner Daniel Libeskind. „Beides zu vereinbaren ist heute die größte Herausforderung der Stadtentwicklung.“

In der Tat gleichen heute viele Millionenstädte endlosen Betonwüsten, die sich immer weiter ausdehnen. Bereits 2015 dürfte allein die Anzahl der Megacities – Metropolen mit mindestens 10 Millionen Einwohnern – von derzeit 22 auf 26 steigen. Der Großteil dieser Riesenstädte liegt in Schwellen- und Entwicklungsländern, und gerade dort genießt Nachhaltigkeit bislang nicht immer die höchste Priorität – unter anderem, weil den Behörden oft nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um den dringendsten Umweltproblemen zu begegnen. Das reicht vom Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs über die Sanierung von Gebäuden bis hin zur Erneuerung der Energie- und Wasserinfrastruktur.

Dabei ließe sich speziell in den großen Ballungszentren der Klimawandel am wirksamsten bekämpfen. Denn schon heute verbrauchen Städte 75 Prozent der weltweit eingesetzten Energie und verursachen 80 Prozent der Treibhausgas-Emissionen. Architekten wie Daniel Libeskind sehen allerdings langsam ein Umdenken. „Wir befinden uns momentan in einer Zeit des Wandels“, glaubt er. „Stadtverwaltungen versuchen die rasante Urbanisierung zunehmend nachhaltig zu gestalten – das birgt ein großes Potential für Innovationen.“ So schätzt etwa die Londoner Bank HSBC, dass rund 15 Prozent der derzeit aufgelegten weltweiten Konjunkturprogramme in grüne Infrastruktur wie energieeffiziente Gebäudetechnologien fließen (siehe Artikel „Greentech in der Stadt: ein enormer Wachstumsmarkt“). Und auch die Erkenntnisse der Klimaforschung dürften dazu beigetragen haben, dass Nachhaltigkeit in Städten einen immer höheren Stellenwert genießt. Denn die Folgen des Klimawandels – Dürren, der Anstieg des Meeresspiegels und Wasserknappheit – würden gerade die Entwicklungs- und Schwellenländer am härtesten treffen.

Wie sich Nachhaltigkeit, Stadtplanung und Leben auf engstem Raum in Einklang bringen lassen, macht Singapur bereits seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1965 vor (siehe Artikel „Lebendes Labor“). Auf einer Fläche kleiner als Hamburg drängen sich dort rund fünf Millionen Menschen. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist der Stadtstaat eine der grünsten Metropolen Asiens: „Wir haben wie andere Großstädte ein hohes Bevölkerungswachstum, zugleich aber kaum Rohstoffe und nur sehr begrenzt Platz zur Verfügung“, erklärt Richard Hoo, Leiter der Strategieabteilung in der Stadtentwicklungsbehörde Singapurs. „Deshalb war es für uns schon immer lebenswichtig, nachhaltig zu wachsen.“ Seit 1986 ist die Bevölkerung des kleinen Inselstaates um 70 Prozent angestiegen.

Gleichzeitig, so Hoo, haben auch die Grünflächen um 50 Prozent zugenommen. Neben den zahlreichen Parks, die der Millionenmetropole als Erholungsgebiet und natürliche Klimaanlage dienen, setzt Singapur auf energieeffiziente Technologien und fördert deren Entwicklung.