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Dr. Ulrich Eberl
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Blick in die Zukunft: An einem Modell des Shanghaier Expo-Geländes erklärt Prof. Wu seinen Studenten,
wie maßgeschneiderte Infrastrukturen die Nachhaltigkeit von Städten erheblich verbessern können.

Blick in die Zukunft: An einem Modell des Shanghaier Expo-Geländes erklärt Prof. Wu seinen Studenten,
wie maßgeschneiderte Infrastrukturen die Nachhaltigkeit von Städten erheblich verbessern können.

Chinas grüne Zukunft

Die Städte Chinas wachsen:
Schon heute platzen sie aus allen Nähten, während die Umwelt leidet. Mit Eco-City-Modellen, entwickelt von der Shanghaier Tongji-Universität und Siemens, sollen Städtewachstum und Umweltschutz zukünftig Hand in Hand gehen.

Image Blick in die Zukunft: An einem Modell des Shanghaier Expo-Geländes erklärt Prof. Wu seinen Studenten, wie maßgeschneiderte Infrastrukturen die Nachhaltigkeit von Städten erheblich verbessern können.

Wer in einem der oberen Stockwerke des Wissenschafts-Gebäudes der Shanghaier Tongji-Universität aus dem Fenster schaut, bekommt eine ungefähre Ahnung davon, was Urbanisierung bedeutet: Unzählige graue Betonbauten stehen dicht gedrängt vor den Toren des Uni-Campus. Riesige Baugruben erinnern an die abgerissenen Häuser, die zu klein waren, um die Massen an Neuankömmlingen aufzunehmen. Sonnenlicht würde dieser Tristesse sicher einiges abgewinnen. Doch die Sonne ist vor lauter Smog nicht zu sehen, obwohl sie scheint. Der Blick schweift über den Yangpu-Distrikt, der mit 18.000 Einwohnern pro Quadratkilometer – fünfmal mehr als in Berlin – die höchste Populationsdichte Shanghais hat.

„Die Urbanisierung stellt für China eine große Herausforderung dar“, sagt Prof. Wu Zhiqiang, Vizepräsident der Universität und Leiter des Tongji College of Architecture and Urban Planning (CAUP). „Allein in den vergangenen 30 Jahren stieg der Anteil der Stadtbewohner in China von 19 auf rund 50 Prozent – 400 Millionen Menschen zog es seitdem in die Städte.“ Durch den steigenden Bedarf an Wohnraum, Energie und Industrialisierung ist China zum weltgrößten CO2-Emittenten aufgestiegen.

„Dabei stehen wir bei der Urbanisierung erst am Anfang“, weiß Wu. Er geht davon aus, dass sich bis 2040 die Stadtbevölkerung noch einmal verdoppeln wird. „Daher brauchen wir gänzlich neue Konzepte für Infrastrukturen, die an die Bedürfnisse der Einwohner und der Umwelt gleichermaßen angepasst sind – vor allem für die neuen Städte, die in China für 13 Millionen zusätzliche Stadtbewohner pro Jahr regelrechtaus dem Boden gestampft werden.“

Individuelle Lebensadern. Daher hat Wu 2002 das so genannte Eco-City-Projekt ins Leben gerufen, mit dem er komplette Infrastrukturmodelle für Distrikte und ganze Städte entwickeln möchte. Die Modelle sollen Antworten auf die entscheidende Frage liefern: Wie kann man den Energiehunger einer Stadt stillen und ihre Wirtschaftlichkeit und Lebensqualität steigern, aber zugleich den Energieverbrauch und die Emissionen im Vergleich zu heutigen Städten drastisch senken? „Dabei sind die Bedürfnisse jeder Stadt individuell – schon allein wegen der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, die es in unserem riesigen Land gibt“, erklärt Wu.

Während er in der ersten Phase des Projekts die Anforderungen unterschiedlicher Städtearten analysiert hat, untersucht er seit 2007, wie diese mit technologischen Mitteln gelöst werden können. Dazu hat Wu auch Siemens mit ins Boot geholt. Es ist nicht die erste Zusammenarbeit zwischen Siemens und der Tongji-Universität. Die Shanghaier Hochschule, an der rund 55.000 Studenten eingeschrieben sind, ist eines von weltweit acht „Center of Knowledge Interchange (CKI)“, mit denen das Unternehmen eine strategische Partnerschaft eingegangen ist, um gemeinsam zu forschen, Talente zu fördern und Netzwerke aufzubauen. „Mit seiner weltweit nahezu einmaligen technologischen Infrastruktur-Expertise ist Siemens für uns der ideale Partner für das Eco-City-Projekt“, betont Wu. Aber auch Siemens profitiert von dieser Kooperation, erläutert Dr. Meng Fanchen, General Manager von Siemens in Shanghai: „Während wir das Team um Prof. Wu in technologischen Fragen beratend unterstützen, lernen wir sehr viel über die zukünftigen Bedürfnisse des chinesischen Marktes und können uns auf diese gut vorbereiten.“

Der nächste Schritt beider Kooperationspartner ist die konkrete Entwicklung von Masterplänen für Eco-City-Modelle, mit deren Hilfe etwa neue Satellitenstädte von Beginn an möglichst autark, ökologisch und vor allem lebenswert gestaltet werden sollen. Unter anderem mit intelligenter Gebäudetechnik oder erneuerbaren Energien – je nach Region in Form von Windrädern, Solaranlagen oder Wasserkraftwerken. Aber auch effiziente Wasseraufbereitungsanlagen oder gut ausgebaute öffentliche Verkehrsmittel werden dazu gehören – alles Lösungen, die Siemens anbieten kann. Gleichzeitig müssen die Modelle kosteneffizient realisierbar sein und vor allem mehrfach eingesetzt werden können. Das Ziel von Tongji und Siemens ist klar definiert: die Modelle, die von Städteplanern und Vertretern der Regierung bereits mit Spannung erwartet werden, möglichst schnell fertigzustellen. Diese Aufgabe wird nicht von heute auf morgen getan sein, aber sie ist extrem wichtig, und China weiß Wus Arbeit schon heute zu schätzen: Er wurde zum Chefplaner der Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai ernannt.

Sebastian Webel