In Johannesburg leben acht Millionen Menschen - und schon in fünf Jahren könnte die Metropole mit Südafrikas Hauptstadt Pretoria zu einer Megacity verwachsen. Die Fußballweltmeisterschaft 2010 ist nun Anlass für erhebliche Infrastrukturinvestitionen,
bei denen oft auch Siemens-
Technologie zum Einsatz kommt.
Feiner Zug: Neue Infrastruktur in Bahnhöfen und Leitzentralen soll den Schienenverkehr attraktiver machen.
- Text Größe
- Share
Tshepo Maseko schlürft seinen Cocktail im News Café Sandton, derzeit seine Lieblingsbar; der Schlüssel zu seinem BMW liegt vor ihm auf dem Tisch. Tatsächlich kommt Tshepo mit dem flinken Gefährt ein wenig schneller durch die endlosen Staus in der 8-Millionen-Stadt Johannesburg als andere Autofahrer. „Der Trick ist nicht der stärkere Motor“, erklärt der Schauspieler aus der populären Seifenoper Isidingo. „Der Trick ist es, zur richtigen Tageszeit immer die richtige Abkürzung zu wählen.“
Doch manchmal erscheint auch Maseko Johannesburg allzu voll: zu viele Menschen, zu wenig Bäume, zu viel Luftverschmutzung. Seine Begeisterung für Südafrikas größte Stadt schmälert das dennoch nicht. „Ich würde nirgendwo sonst leben wollen. Die unterschiedlichen Menschen, die Musik, der Vibe – die Stadt hat ihr eigenes Feuer. Ich liebe Jo‘burg“, sagt er. Jo‘burg, wie es viele Südafrikaner nennen, ist seine Heimatstadt. Maseko wuchs im Township Soweto auf, besuchte die Schauspielschule – und machte seinen Weg. Die Seifenoper, in der Maseko auftritt, ist ein Kaleidoskop der südafrikanischen Gesellschaft, des Miteinanders trotz des schweren Erbes der Apartheid, trotz der unkontrollierten AIDS-Epidemie und trotz enormer wirtschaftlicher Ungleichgewichte. Manch einer der Zuschauer in weit weniger begünstigten Lebensumständen mag davon träumen, es Maseko gleich zu tun.
Tatsächlich streben viele junge, gut ausgebildete Südafrikaner nach Johannesburg. Wie einst die Goldsucher im 19. Jahrhundert, hoffen sie hier auf Arbeit und eine goldene Zukunft. Nachdem die Produktion des Edelmetalls, einst Südafrikas wichtigstes Exportgut, seit Jahren sinkt – viele Lagerstätten sind leergeräumt –, heißt die Ressource der Zukunft für immer mehr Menschen: Bildung. Für gute Jobs lassen sie selbst die Strände der anderen südafrikanischen Metropole, Kapstadt, links liegen.
Doch der Zuzug hat seinen Preis: Johannesburg scheint ins Uferlose zu wachsen, bereits in fünf Jahren könnte die Stadt mit Pretoria im Norden, der südafrikanischen Hauptstadt, zu einer Agglomeration von rund 15 Millionen Einwohnern verschmolzen sein. Öffentliche Massenverkehrsmittel existieren kaum, und wer sie vermeiden kann, tat das bisher – aus Bequemlichkeit und wegen der hohen Kriminalität. Das könnte sich langsam ändern: Denn die Fußballweltmeisterschaft 2010 bringt erhebliche Infrastrukturinvestitionen für Südafrika, die langfristig die Lebensqualität steigern werden.
Verkehr auf die Schiene. Davon ist auch Kevin Pillay überzeugt. Für Siemens betreut er Metrorail, den Betreiber des Schienennahverkehrssystems in Johannesburg. Bis Sommer 2010 wird die Informationstechnik wichtiger Stationen komplett überholt. Siemens ist für Design, Ausführung und Integration der Systeme zuständig: „Wir erhöhen durch moderne Signaltechnik, aber auch Lautsprecher- und Informationssysteme nicht nur die Effizienz des Systems, das während der Weltmeisterschaft voll ausgelastet sein wird. Auch die Verlässlichkeit, die Sicherheit und die Attraktivität werden steigen“, sagt Pillay und fügt hinzu: „Nach der Weltmeisterschaft fahren hoffentlich mehr Menschen mit der Bahn – wir müssen mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen.“
Während Schienen und Züge beim Metrorail-Projekt die alten bleiben, entsteht – oft auf Betonstelen hoch über der Erde – eine Pendlerstrecke, wie sie der afrikanische Kontinent noch nicht gesehen hat: In Normalspurweite, statt der in Südafrika üblichen Schmalspur, wird der „Gautrain“ Pretoria und Johannesburg verbinden.