in Paris
Paris hat eines der dichtesten U-Bahn-Netze der Welt. Durch Automatisierungstechnik von Siemens wird es effizienter
und hilft der 12-Millionen-Stadt beim Energiesparen. Darüber hinaus reduziert moderne Gebäudetechnik den Energieverbrauch.
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In Paris brennt die Luft – buchstäblich. Wer durch die Stadt schlendert, kann sie nicht übersehen: die vielen kleinen Heizpilze auf den Terrassen und in den schlecht isolierten Wintergärten der Brasserien und Bistros. Jeder von ihnen verursacht, wenn er im Winter nur wenige Stunden am Tag brennt, pro Jahr denselben CO2-Ausstoß wie ein Mittelklassewagen. Doch wer wollte so kleinlich sein und den Parisern die Heizstrahler verbieten? Denn so lässt sich der petit noir, der schnelle Kaffee, auf der Straße trinken.
Energie sparen, so denken viele Pariser, ist wichtig, sollte aber nicht die französische Lebensart beschädigen. Wie dies gehen kann, zeigt der Nahverkehr. Auch hier regiert Bequemlichkeit, wenngleich aus gutem Grund: Nur 20 Prozent der Pariser kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit – zum Vergleich: In Stockholm sind es 68 Prozent. Dies überrascht erst einmal, gibt es in der Innenstadt von Paris doch ein weit verzweigtes Netz von Fahrradwegen; 2007 richtete die Stadtverwaltung zudem ein Fahrradverleihsystem ein. 20.000 Räder an 1.450 automatischen Stationen stehen die erste halbe Stunde sogar kostenlos zur Verfügung.
Dass die Pariser trotzdem nicht so sehr auf die eigene Muskelkraft setzen, hat vor allem mit dem hervorragend ausgebauten U-Bahn-Netz zu tun, eines der dichtesten und mit 214 Kilometern auch eines der längsten der Welt. Zur Weltausstellung im Juli 1900 wurde die erste Station eröffnet. Viele Bahnhöfe sind entsprechend in die Jahre gekommen und bewältigen in der Stoßzeit kaum die Menschenmassen.
Eine Möglichkeit, den Durchsatz zu erhöhen, besteht darin, den Abstand zwischen zwei Zügen zu reduzieren. Bei der Linie 1, der ältesten und mit täglich 750.000 Passagieren einer der am meisten genutzten, geschieht dies derzeit: im Rahmen eines Projektes von RATP, so heißen die Pariser Verkehrsbetriebe, und Siemens. Seit 30 Jahren stattet das Unternehmen die Pariser Metrolinien mit Signalanlagen und Fahrerassistenzsystemen aus.
Die Linie 1 soll künftig dank Siemens sogar ganz ohne Fahrer auskommen. Aktuell werden alle Stationen mit Glaswänden ausgestattet, die den Gleisbereich vom Bahnsteig trennen. Durch Türen, die sich automatisch öffnen, können die Fahrgäste dann noch sicherer in die Züge einsteigen. Dies trägt dazu bei, die Zugfolge von bisher 105 auf 85 Sekunden zu reduzieren und zugleich Flexibilität und Zuverlässigkeit zu erhöhen. Darüber hinaus sinken die Wartungskosten. Seit zwölf Jahren fahren auf der Linie 14 bereits solche vollautomatische Metros mit Siemens-Technik – mit 40 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit deutlich schneller als die anderen Linien, die mit etwa 25 km/h unterwegs sind.
70 Prozent weniger Strom. Nach der morgendlichen Metrofahrt zur Arbeit geht es dort mit dem Energiesparen weiter, jedenfalls für die Angestellten am Pariser Hauptsitz der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Dieses in Teilen 50 Jahre alte Gebäude richtet sich neuerdings selbstständig nach dem Wetter. Das hat mit dem Beleuchtungssystem Dali Multi von Osram zu tun, das im Zuge einer Generalsanierung und Erweiterung eingebaut wurde. Rund 1000 Leuchtkörper wurden installiert, die mit Hilfe von Sensoren ihre Leistung dynamisch an den Bedarf anpassen. Sie ersetzen die herkömmliche Deckenbeleuchtung, die jeden Platz den ganzen Tag über gleich ausleuchtete. Verlässt ein Mitarbeiter nun länger sein Büro, schalten sich die Leuchten von alleine aus. Zieht Bewölkung auf, sodass weniger natürliches Licht in die Räume dringt, steigern die einzelnen Leuchtkörper automatisch ihre Leistung.
Eine unabhängige Messung ergab, dass der Stromverbrauch für die Beleuchtung dadurch um bis zu 70 Prozent niedriger liegt als vor dem Umbau. Bernard Balia war als Leiter des Gebäudemanagements bei der OECD für das Projekt verantwortlich: „Mit diesem System haben wir eine größere Anpassungsfähigkeit. Statt Einheitslicht für alle haben wir jetzt das für jeden geeignete Maß an Beleuchtung, das die Mitarbeiter selbst beeinflussen können. Darüber hinaus ist das System sehr sparsam: Das Licht ist nur dann eingeschaltet, wenn es tatsächlich gebraucht wird.“
Die Wärmestrahler der Pariser Cafés indes heizen weiter die Pariser Luft. Vielleicht könnten all die Strahler ja eines Tages, mit einem Bewegungssensor ausgestattet, nur noch dann wärmen, wenn es wirklich gebraucht wird. Sonst gilt hier weiterhin der Satz: Kleine Sünden müssen manchmal sein, große lassen sich vermeiden.