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CO2-Sparer: Oslo stößt nur zwei Tonnen CO2 pro Kopf aus. Möglich machen das neben Wasserkraftwerken energieeffiziente Technologien

Smart City Trondheim

Hocheffiziente Beleuchtung in der Oper

Die neue Metro

Grünes Pflaster

Oslo zählt zu den nachhaltigsten Städten Europas, hat die Studie zum European Green City Index ergeben. Möglich macht das eine Vielzahl umweltfreundlicher Technologien - unter anderem auch von Siemens: von der sparsamen Metro bis zur hocheffizienten Beleuchtung im Opernhaus.

Smart City Trondheim

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Auch 500 Kilometer nördlich von Oslo wird Norwegen immer grüner: In Trondheim, der drittgrößten Stadt des Landes, haben die Behörden schon 2001 dem CO2 den Kampf angesagt und seitdem viele umweltfreundliche Ideen auf den Weg gebracht – dafür wurde die 170.000-Einwohner Stadt 2008 vom norwegischen Umweltministerium ausgezeichnet. Ein Ziel: Bis 2012 soll der CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1991 um 20 Prozent sinken, unter anderem über den Ausbau des Nahverkehrs und mit energieeffizienteren Gebäuden. Der Fokus auf Energieeffizienz lohnt sich, zeigt eine Studie von Siemens, der Stadtverwaltung und der Umweltorganisation Bellona im Rahmen des Pilotprojekts „Energy Smart City“. Untersucht wurden Einsparmöglichkeiten bei Wohn- und Gewerbe-Immobilien, bei der Straßenbeleuchtung, dem Stromnetz und der Industrie. Demnach kann Trondheim seinen Energieverbrauch von derzeit fünf Terawattstunden pro Jahr mit effizienten, heute bereits verfügbaren Technologien um 22 Prozent verringern – ohne die Lebensqualität der Bürger zu beeinträchtigen. „In den nächsten ein bis zwei Jahren werden wir einen Großteil dieses Potenzials ausschöpfen“, sagt Bürgermeisterin Rita Ottervik. Den Watts zu Leibe rücken könnte man mit Gebäudemanagementsystemen, die Beleuchtung, Heizung und Belüftung intelligent steuern. Damit ließe sich allein in Trondheims Bürogebäuden soviel Strom sparen wie 4.000 Haushalte im gleichen Zeitraum verbrauchen. Ähnlich bei der Straßenbeleuchtung: Würde man die 22.000 Straßenlaternen, die bereits recht effizient sind, um 50 Prozent dimmen, würden sie pro Jahr über fünf Gigawattstunden (GWh) weniger verbrauchen – und der Stadtverwaltung 700.000 Euro sparen. Noch größer das Potenzial beim Stromnetz, denn in Trondheims Verteilnetz lösen sich pro Jahr fünf Prozent der Elektrizität in warme Luft auf, ehe der Strom beim Endverbraucher ankommt. Effiziente Hochspannungssysteme könnten die Verluste um bis zu 50 GWh reduzieren und so weitere drei Millionen Euro sparen. Bevor die Technologien Einzug halten, müssen aber vor allem noch die Einwohner mit ins Boot geholt werden, ist sich Ottervik sicher. „Wir müssen unsere Bürger teilhaben lassen und sie zum Energiesparen ermutigen.“ Auch hier ist Trondheim auf einem guten Weg: Seit Herbst 2009 wird das Projekt in einer breit angelegten Kampagne dem Verbraucher näher gebracht. Energiesparen wird dabei nicht nur in Medien, auf Symposien, bei Schulwettbewerben oder auf Bussen beworben, sondern auch in Botschaften, die auf den Straßenbelag gedruckt sind.

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Mit der Unterseite einer U-Bahn in Kontakt zu kommen, ist gemeinhin wenig erstrebenswert. Für Tor Hasselknippe ist es eine willkommene Herausforderung. Im Wartungszentrum des Osloers Nahverkehrsbetreibers Vognselskap inspiziert der Ingenieur tagtäglich die Siemens-Züge, die seit 2006 die über 30 Jahre alten Metros in Norwegens Hauptstadt sukzessive ersetzen. In der weitläufigen Halle stehen die Wagen wie in einer überdimensionierten Kfz-Werkstatt aufgebockt auf Schienenplattformen. Techniker geben ihnen einen letzten Feinschliff, bevor sie ins rund 84 Kilometer große Metro-Netz entlassen werden. „Das ist einer der Elektromotoren“, erklärt Hasselknippe und deutet auf den großen Quader auf der Unterseite eines Waggons. „Der komplette Antriebsstrang eines Zuges leistet 1.680 Kilowatt und ist dabei sehr energieeffizient. Bremst der Fahrer, schaltet der Motor in den Generatorbetrieb um und speist den Strom zurück ins Netz.“

Der Ingenieur klopft an die weiß lackierte Außenwand. „Zudem ist die komplette Hülle aus Aluminium, das macht den Zug extrem leicht.“ Dadurch verbrauche die neue Metro 30 Prozent weniger Energie als die alten Züge. „Und das ist noch nicht alles“, freut sich der U-Bahn-Experte und klettert in einen Waggon. In der Fahrgastkabine streicht Hasselknippe behutsam über die Sitzbezüge. „Die Stoffe sind aus einem besonders ausgeklügelten Material gefertigt“, erklärt er. „Sie erfüllen nicht nur alle Brandvorschriften, sondern sind auch wieder verwertbar – wie übrigens 95 Prozent aller Bauteile. Das macht unsere Metro zu einer der nachhaltigsten U-Bahnen der Welt.“

Heizen nach Bedarf. Nachhaltigkeit und Betriebsbedingungen der neuen Metro unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach. In Norwegens Metropole verlaufen rund 80 Prozent des U-Bahnnetzes an der Oberfläche – vor allem im Winter schmälert das die Energiebilanz. „Die Heizung frisst nahezu 20 Prozent der Energie“, gibt Hasselknippe zu bedenken. „Daran müssen wir noch arbeiten.“ Bei Siemens Mobility in Wien tüfteln Ingenieure bereits an Lösungen, wie der Energiebedarf von Heizungs- und Klimatisierungssystemen reduziert werden kann. „Wir haben eine bedarfsabhängige Heizungssteuerung entwickelt“, sagt Projektmanager Dr. Walter Struckl. „Dabei misst ein CO2-Sensor, wie viele Passagiere sich im Fahrgastraum aufhalten – je mehr Kohlendioxid, desto mehr Menschen befinden sich im Zug.“ Dank des Sensors, erklärt Struckl, könne die Steuerung nun nach Bedarf die kalte Frischluft von außen aufheizen. Herkömmliche Systeme produzieren dagegen durchgehend wohlige Wärme – auch wenn gar kein Passagier im Waggon ist. „Mit unserer Technologie wären bis zu 30 Prozent Energieeinsparung beim Heizungssystem möglich“, freut sich Struckl.

Vorfahrt für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz hat in Oslo Tradition. Bereits 2002 hat die 550.000-Einwohner-Stadt das ambitionierte „Urban Ecology Program“ auf den Weg gebracht, das den Schadstoffausstoß senken und die Lebensqualität erhöhen soll. Demnach will Oslo bis 2030 etwa seine Klimagas-Emissionen um 50 Prozent gegenüber 1990 verringern. Der grüne Plan trägt bereits Früchte. Laut der Studie zum European Green City Index (siehe Artikel „Die grünsten Städte Europas“) über die Nachhaltigkeit von 30 europäischen Metropolen belegt Oslo nach Stockholm und Kopenhagen den dritten Platz, in Punkto CO2-Emissionen ist Norwegens Hauptstadt sogar Spitzenreiter: Nur knapp über zwei Tonnen des Klimagases verursacht die Stadt pro Kopf, vor allem weil Oslo über 60 Prozent seines Stroms aus Norwegens großen Wasserkraftwerken bezieht.

Doch noch gibt es einiges zu tun: Ein Schwerpunkt des bis 2014 laufenden Umweltprogramms ist der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Nach den Berechnungen der Stadtverwaltung ist der Straßenverkehr für den Großteil des CO2-Ausstoßes von Oslo verantwortlich. Trotz hoher Mautgebühren sind täglich rund 360.000 Autos in der Stadt unterwegs. Mit einem besseren Angebot bei Bus und Bahn ließen sich mehr Pendler bewegen, auf das Auto zu verzichten, so das Kalkül der Verwaltung. Dass diese Rechnung aufgehen könnte, hat die neue Metro bereits bewiesen. „Umfragen haben gezeigt, dass die Fahrgäste äußerst zufrieden sind“, sagt Tor Hasselknippe. „Seit Einführung der neuen Züge haben sich die Passagierzahlen im Jahr 2008 um rund zehn Prozent auf 73 Millionen Fahrgäste erhöht.“ Und in Zukunft könnten es noch mehr werden, vor allem weil auch die Taktzeiten verdoppelt wurden. „Seit einem Jahr kommt 20 Stunden am Tag alle sieben Minuten eine U-Bahn – das macht viele Autofahrten überflüssig.“