Die Region Madrid ist eine der am stärksten wachsenden Gegenden Europas. Allein in
den vergangenen zehn Jahren
stieg die Einwohnerzahl um knapp 20 Prozent. Um die Lebensqualität und die Ressourcen von Spaniens
Mitte in Zukunft nicht zu gefährden, setzt die Metropol-
regierung auf effiziente Versorgungslösungen - unter anderem von Siemens.
So fahren Müllabfuhr und Stadtbus zum Teil schon auf alternativer Basis.
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Wer während des Anflugs auf Madrid aus dem Fenster schaut, wähnt sich in einer anderen Zeit. Kleine kastilische Dörfer zieren die karge Hochebene vor den Toren der spanischen Hauptstadt und wirken wie in Stein gehauene Überbleibsel der vergangenen Jahrhunderte. Der Betrachter bekommt eine Ahnung davon, wie Madrid nach seiner Gründung im Mittelalter ausgesehen haben könnte, als neben einer kargen maurischen Burg, dem Alcázar, die ersten Siedlungen entstanden.
Heute ist Madrid geografisch, politisch und kulturell das Zentrum Spaniens und mit rund 3,3 Millionen Einwohnern und 6,3 Millionen in der Region die drittgrößte Stadt der EU. Und sie wächst noch immer: im Vergleich zu 2001 nennen sich heute rund 400.000 mehr Menschen Madrilenen. Effiziente Versorgungssysteme sind daher gefragt, damit in der Stadt und ihrem Umland ein reibungsloser Alltag gewährleistet ist.
Dies gilt bereits für den Flughafen Barajas, der mit rund 50 Millionen Passagieren pro Jahr derzeit der zehntgrößte Airport der Welt ist. 60 Prozent der Passagiere nutzen das futuristisch gestaltete Terminal 4, das im Jahr 2006 seine Pforten öffnete. Damit hier kein Chaos ausbricht, ist eine enorme logistische Leistung gefragt, die der staatliche und größte Flughafenbetreiber der Welt AENA unter anderem mit Beleuchtungs- und Sicherheitssystemen und vor allem einer Gepäckförderanlage von Siemens sicherstellt.
Es ist das größte und modernste Fördersystem Europas, das in den Katakomben des Flughafens pro Stunde bis zu 16.500 Gepäckstücke von 172 Check-in-Schaltern und unzähligen Anschlussflügen sammelt, sortiert und auf Förderbändern mit einer Gesamtlänge von 104 Kilometer zum Gate oder zur Gepäckausgabe transportiert – mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Metern pro Sekunde. Dabei soll jeder Koffer innerhalb von 25 Minuten an seinem Gate angekommen sein, auch wenn dieses im fast drei Kilometer entfernten Abfluggebäude für interkontinentale Flüge liegt. „Siemens war zu dieser Zeit der einzige Anbieter, der diesen Wettlauf mit der Zeit technisch lösen konnte“, erinnert sich Nerea Torres, Leiter der Airport-Aktivitäten bei Siemens Mobility in Madrid.
Darüber hinaus hat AENA Siemens 2008 damit beauftragt, den Energieverbrauch der schon effizienten Anlage bis 2011 nochmals um 30 Prozent zu reduzieren, ohne weitere Hardware zu installieren. „Derzeit optimieren wir die Parameter in der Steuerungssoftware, um den Betrieb der Anlage der aktuellen Anzahl der zu befördernden Koffer anzupassen“, erklärt Torres. „So verhindern wir den Leerlauf ganzer Förderbandpassagen.“ Mit Erfolg: Bis heute haben die Siemens-Experten den Energieverbrauch bereits um etwa 15 Prozent heruntergeschraubt.
Airport mit Windturbinen. Allgemein spielt bei AENA, dem Betreiber sämtlicher spanischen und von rund 30 weltweiten Airports, Effizienz eine große Rolle: „Wir suchen stets nach Potenzialen, unseren Energieverbrauch an jedem unserer Flughäfen zu reduzieren“, erklärt José Manuel Hesse Martin, bei AENA verantwortlich für Nachhaltigkeit. „Unter anderem auch bei der Beleuchtung: Beispielsweise wurde Terminal 4 so konzipiert, dass möglichst viel Tageslicht ins Gebäude fällt. Oder durch den Einsatz erneuerbarer Energien. So erzeugen wir am Airport Las Palmas auf Gran Canaria mit Windturbinen bereits mehr Energie, als der Flughafen verbraucht – den Rest speisen wir ins öffentliche Netz."
Noch 2010 möchte AENA an einem kleinen, noch nicht ausgewählten Flughafen die verschiedensten Möglichkeiten der Energieoptimierung austesten, auch mit Hilfe von Siemens. Hesse lächelt: „Das wird unser grünes Versuchslabor. Ob LED-Beleuchtung, intelligente Gebäudetechnik oder die Erzeugung und Nutzung verschiedener erneuerbarer Energien: Aus den Ergebnissen wollen wir Standards entwickeln, um diese dann auf unsere Flughäfen zu übertragen – die Optimierung der Gepäckförderanlage in Barajas ist daher nur der Anfang.“
Wer seinen Koffer bei der Gepäckausgabe abgeholt hat, kann sich direkt zur U-Bahn-Station im Airport begeben, um schnell und bequem in die Innenstadt zu gelangen. Madrids Metro verfügt nach London und New York über das weltweit drittlängste Streckennetz. Sie gilt als eine der am schnellsten expandierenden U-Bahnen – allein seit 1994 hat sich die Länge des Streckennetzes mehr als verdoppelt. Auf einen Zug muss der Fahrgast hier nicht lange warten. Die Taktzeiten von rund fünf Minuten machen die Metro zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten des Autos. Insgesamt bringen die 13 Linien täglich 2,5 Millionen Menschen zu insgesamt 318 Stationen – unter anderem dank moderner Signaltechnik von Siemens.