Prof. Frank Piller(40) ist
seit 2007 Lehrstuhlinhaber für Technologie- und Innovations-
management der RWTH Aachen. Er promovierte in Würzburg in Betriebswirtschaft und leitete an der Technischen Universität München die Forschungsgruppe „Customer Driven Value Creation“. Bis zum Ruf nach Aachen war er Research Fellow an der Sloan School of Management am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA.
- Text Größe
- Share
Was steckt hinter dem Begriff „Open Innovation“?
Piller: OI steht für eine ganz neue Art, einen Innovationsprozess zu gestalten. Statt sich nur auf die Fähigkeiten der eigenen Forscher zu verlassen, werden externe Problemlöser in den Innovationsprozess integriert. Der Entwickler nutzt also die Außenwelt, um sein Innovationspotenzial zu vergrößern. So gelangen Unternehmen ohne großen Aufwand an Fachwissen und Problemlösungen. Das gilt für B2B-, aber auch für Consumer-Produkte: Hier versuchen Firmen, mit OI ihre Produkte nach den Wünschen der Kunden auszurichten und dadurch ihre Flopraten zu senken. Sie fragen also gezielt nach, was die Kunden wollen, oder beziehen sie gar selbst in die Entwicklung eines Produktes aktiv ein – etwa mit klassischen Ideenwettbewerben.
Gefährdet OI nicht das geistige Eigentum des Entwicklers?
Piller: OI funktioniert innerhalb des bestehenden Patentregimes, wenn man die Spielregeln richtig definiert, etwa mit Vertraulichkeitserklärungen oder Rechtsverzichten. Aber diese Bedenken liegen nicht nur auf Seite der Unternehmen: Heute freuen sich noch die meisten Hobby-Tüftler, dass sie zwar aktiv, dafür aber ohne Rechte an einem Produkt mitwirken dürfen. Aber mit der Zeit wird ihr Selbstbewusstsein wachsen, so dass man sie am Erfolg des Produktes teilhaben lassen muss.
Wer betreibt Open Innovation?
Piller: Oft sind es Firmen, die nicht die Entwicklungskapazität eines Großunternehmens haben. Aber auch große Firmen haben OI für sich entdeckt. So betreibt etwa Hewlett Packard (HP) mit seinem webbasierten „Idea Lab“ eine eigene OI-Plattform. Auch Osram hat mit dem Ideen-Wettbewerb „Emotionalize your light“ neue Design-Ideen für Lampen generiert und in Deutschland ein „Best practice“-Beispiel geschaffen. Aber auch intern angewandt kann OI eine große Chance sein, vor allem für weltweit tätige Firmen mit viel eigenem Wissen – etwa Siemens. In diesem Fall gibt es keine Geheimhaltungs- oder Patentprobleme, weil alles im Konzern bleibt. Forscher aus unterschiedlichsten Abteilungen, die einander sonst vielleicht nie treffen, können mit OI ihr Wissen bündeln und sehr einfach Synergien schaffen. Dieses OI-Potenzial nutzen erst wenige Konzerne konsequent.
Wird OI den klassischen „lokalen“ Entwicklungsansatz ablösen?
Piller: Nein, OI wird den klassischen Ansatz ergänzen, indem es sehr effiziente Entwicklungsalternativen anbietet. Bis OI überhaupt fest in Innovationsprozessen verankert ist, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Das ist wie bei vielen neuen Managementansätzen: Sie werden heiß diskutiert, und erst fünf bis zehn Jahre später beginnt die breite Umsetzung.