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Meister der Effizienz: Obwohl Lovins’ Haus in den Rocky Mountains liegt, ist es dank einer Vielzahl intelligenter
Energieeffizienz-Maßnahmen sowie dank Solarzellen und -kollektoren auf dem Dach autark.

Meister der Effizienz: Obwohl Lovins’ Haus in den Rocky Mountains liegt, ist es dank einer Vielzahl intelligenter
Energieeffizienz-Maßnahmen sowie dank Solarzellen und -kollektoren auf dem Dach autark.

Meister der Effizienz: Obwohl Lovins’ Haus in den Rocky Mountains liegt, ist es dank einer Vielzahl intelligenter
Energieeffizienz-Maßnahmen sowie dank Solarzellen und -kollektoren auf dem Dach autark.

"Die Pyramide der Energieversorgung umdrehen"
Amory Lovins
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Über 100.000 Personen hat Amory Lovins bereits durch sein Niedrigenergiehaus geführt, das er in den 1980er-Jahren mit konstruierte und kürzlich modernisierte. Doch immer noch erklärt der Energieexperte – 62 Jahre alt, mit Brille, wachem Blick und Seehundschnauzer – dem Besucher die Vorzüge seines Domizils mit dem unverhohlenen Stolz eines Mannes, der seine Ideen voll und ganz verwirklicht sieht. Zumindest in den eigenen vier Wänden.

Das Gebäude liegt in den Rocky Mountains auf 2.200 Metern Höhe, nahe Aspen, Colorado, wo die Temperaturen im Winter auf minus 44 Grad Celsius sinken können. Schon die Haustür ist daher doppelt verglast, gefüllt mit isolierendem Xenongas und Wärme reflektierender Beschichtung auf beiden Seiten. Solche Fenster, die effiziente Isolierung und die Wärmerückgewinnung bei der Belüftung, die Lovins installiert hat, inspirierten auch die Konstrukteure der modernen Passivhäuser. Die Maßnahmen reduzierten den Heizbedarf von Lovins’ Haus um 99 Prozent. Diese Einsparungen wiederum finanzieren die Energie für Warmwasser und Elektrizität nahezu komplett. Zudem amortisierten sich die zusätzlichen Investitionskosten für das Haus insgesamt innerhalb von nur zehn Monaten.

Am Tag erzeugt Lovins seinen Strom mit Solarzellen auf dem Dach – wobei er dank effizienter Hausgeräte und Lampen oft noch etwas ins Netz einspeisen kann; nur nachts wird Netzstrom aus Windkraft angezapft. Darüber hinaus liefert eine Solarthermieanlage auf dem Dach Warmwasser und Wärme für die Fußbodenheizung – zwei vorsichtshalber installierte Holzöfen hat Lovins schon über ein Jahr lang nicht mehr benutzt. Es ist so warm, dass im Wintergarten seit über 20 Jahren Bananenstauden gedeihen. Die Tour bestätigt Lovins' zentrale These: die größte Energieressource ist, mit Energie produktiver umzugehen.

Der Träger des alternativen Nobelpreises (1983) studierte in Harvard und Oxford, wobei ihm die britische Universität verweigerte, über Energieprobleme zu promovieren. Doch das Thema ließ ihn nicht los. 1976 legte er seine Botschaft prominent in einem Essay in der Zeitschrift „Foreign Affairs“ dar. 1982 gründete er mit seiner damaligen Frau Hunter Lovins das Rocky Mountain Institute (RMI) in Old Snowmass, Colorado. Es hat inzwischen über 90 Mitarbeiter und finanziert sich zum Teil aus Beraterverträgen für große Firmen, von Energiekonzernen über die Autoindustrie, dem Pentagon bis zu Handelsgiganten wie Walmart. Lovins ist der Vorsitzende und Chefwissenschaftler des Instituts.

Sie sind seit den 1970er-Jahren Vorreiter, was Fragen der Energieeffizienz angeht. Wie fühlt es sich an, dass Ihre Themen in der Öffentlichkeit angekommen sind?

Lovins: Es ist sicher besser, Ideen, die man lange propagiert hat, nach langer Zeit akzeptiert zu sehen, als überhaupt nie. Aber deshalb können das RMI und ich nicht die Hände in den Schoß legen. Im Gegenteil. Wir haben gerade unser ambitioniertestes Projekt gestartet, das unter dem Motto „Die Neuerfindung des Feuers“ läuft. Es fasst unsere gesamten Erkenntnisse der letzten drei Jahrzehnte in einem Programm zusammen. Wir entwickeln einen umfassenden Fahrplan für einen profitablen Übergang der Kohle- und Ölwirtschaft zu einer Welt, in der Energieeffizienz und erneuerbare Energie dominieren. Dabei wollen wir nicht zuletzt eng mit Unternehmen zusammenarbeiten, um Best-Practice-Beispiele zu entwickeln.

Mit Öl haben Sie sich ja bereits 2004 auseinandergesetzt: „Das Endspiel ums Öl gewinnen“ hieß Ihr damaliges Buch…

Lovins: Ja, und wir sind heute weiter vorangekommen, vom Öl unabhängig zu werden, als wir selbst vor sechs Jahren erhoffen konnten. So sinkt der Benzinverbrauch in den USA seit 2007, vor allem durch sparsamere Fahrzeuge und die Beimengung von Biosprit – bis 2040 könnten die USA von importiertem Öl unabhängig sein, bis 2050 gar ganz vom Öl loskommen. Die Deutsche Bank schätzt, dass auch der globale Ölverbrauch ab 2016 fallen wird.

Aber sich von der Kohle abzunabeln, wird viel schwieriger. Die Internationale Energieagentur (IEA) nimmt an, dass der globale Stromverbrauch aufgrund von Bevölkerungswachstum und wachsendem Wohlstand bis 2030 um 76 Prozent steigt. Nach den Prognosen werden Kohlekraftwerke auch 2030 noch gut ein Drittel des Strombedarfs decken…

Lovins: Wenn kluge Entscheidungen getroffen werden, wird dieses Szenario nicht eintreffen. Aber sicher: Sich von der Kohle zu verabschieden, wird deutlich schwieriger als beim Öl. Aber das muss sein, schon allein wegen des Klimaschutzes und um die Stromversorgung sicherer und kostengünstiger zu machen. Wir haben herausgefunden, dass energieeffiziente Lösungen sowie dezentrale und erneuerbare Energiequellen in den USA pro Jahr 22-mal mehr Elektrizität produzieren können als alle US-Kohlekraftwerke.