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Geld für die Umwelt: Ob beim russischen Hochgeschwindigkeitszug Sapsan
oder bei großen Offshore-Windparks – Siemens hilft bei der Finanzierung komplexer grüner Infrastrukturprojekte.

Geld für die Umwelt: Ob beim russischen Hochgeschwindigkeitszug Sapsan
oder bei großen Offshore-Windparks – Siemens hilft bei der Finanzierung komplexer grüner Infrastrukturprojekte.

Grüne Finanzierung

Umweltschutz-Investitionen benötigen häufig eine komplexe Finanzierung. Siemens Financial Services ist hierfür bestens aufgestellt: um die Machbarkeit einzuschätzen, sich mit Kapital zu beteiligen und die richtigen Partner an einen Tisch zu bringen.

Image Geld für die Umwelt: Ob beim russischen Hochgeschwindigkeitszug Sapsan oder bei großen Offshore-Windparks – Siemens hilft bei der Finanzierung komplexer grüner Infrastrukturprojekte.

Effiziente, umweltfreundliche Technologien haben Hochkonjunktur: In den kommenden 25 Jahren müssten laut der Beratungsgesellschaft Booz Allan Hamilton weltweit rund 27 Billionen Euro in den Ausbau von Wasser, Elektrizitäts- und Transportsystemen investiert werden. Siemens ist mit seinem Umweltportfolio als technischer Partner an vielen Vorhaben beteiligt. Die Rolle des Unternehmens geht aber über den Einsatz von Technologie hinaus: Die konzerneigene Finanzsparte Siemens Financial Services (SFS) treibt Projekte voran, übernimmt die Finanzierungsplanung, bringt die richtigen Partner zusammen und beteiligt sich über ihre Tochtergesellschaft Siemens Project Ventures (SPV) selbst mit Eigenkapital an großen Vorhaben.

Letzteres war der Fall beim Einstieg von Siemens in die israelische Firma Arava Power (siehe Artikel „Zurück in die Zukunft“). Die 2006 gegründete Entwicklungsgesellschaft will erstmals Solarenergie in Israel kommerziell nutzen und suchte dafür einen internationalen Partner. Der ersten Gespräche mit SPV fanden im Februar 2009 statt. Bereits sechs Monate später unterzeichneten die Unternehmen den Vertrag über die Beteiligung von Siemens mit 15 Millionen US-Dollar. „Zwischen den Eigentümern von Arava und Siemens stimmte die Chemie auf Anhieb“, erklärt Klaus Kolof, bei SPV verantwortlich für Erneuerbare Energien. Doch mit dem Vertrag war nur die erste Hürde genommen. Arava musste dann mit der zuständigen Behörde in Israel eine Einigung über den Tarif für den künftigen grünen Strom erzielen, weil bisher kein Solarstrom ins israelische Netz eingespeist wird. Diesen Tarif legte die Behörde Ende 2009 fest. „Das war die Voraussetzung, um weitere Meilensteine zu erreichen“, sagt Kolof. Die Partner gründen jetzt eine Projektgesellschaft, die die erste Anlage mit bis zu 4,9 Megawatt Leistung im Kibbuz Ketura zwischen dem Toten und dem Roten Meer bauen wird. Siemens liefert nicht nur das technische Know-how und Bauteile, sondern übernimmt auch als Generalunternehmer das Projektmanagement.

Vier Gigawatt Windstrom. Für viele Auftraggeber von großen Infrastrukturprojekten ist es gerade in Zeiten der Finanzkrise wichtig, dass Siemens eigenes Kapital investiert. Derzeit ist SFS mit rund sieben Milliarden Euro an Investitionen beteiligt. Davon entfallen etwa 1,4 Milliarden Euro auf Technologien aus dem Siemens-Umweltportfolio. Auch Großbritannien will seine CO2-Emissionen spürbar senken: Rund ein Viertel des Strombedarfs soll bis 2020 aus neun Offshore-Windparks gedeckt werden, die zurzeit geplant werden. Siemens ist an mehreren Projekten beteiligt, das größte ist ein Windpark mit einer geplanten Leistung von vier Gigawatt im Gebiet Hornsea vor der Grafschaft Yorkshire. Zusammen mit dem Unternehmen Mainstream Renewable Power hat Siemens die Projektgesellschaft Smart Wind gegründet, die den Windpark entwickeln soll.

Beide Partner statten Smart Wind zu je 50 Prozent mit Eigenkapital aus. „Wir finanzieren damit die Hälfte der notwendigen Vorbereitungen“, erklärte Kolof. Vor dem Baustart, der für 2014 geplant ist, muss etwa untersucht werden, wie sich der Bau auf Umwelt, Meeresboden und Fischbestand auswirkt. Die Entwickler werden messen, wann wie viel Wind aus welcher Richtung weht und den optimalen Standort für den Park ermitteln. Dann müssen sie klären, welche Schifffahrtsrouten gegebenenfalls umgeleitet werden müssen. Die Kosten für die Errichtung des Windparks selbst schätzt Kolof auf rund 19 Milliarden Euro. Der Auftragsanteil für Siemens wird voraussichtlich sechs Milliarden Euro sein. Nach seiner Fertigstellung wird der Windpark, der Strom für etwa drei Millionen Haushalte liefern soll, an Energieversorger verkauft.

Siemens beteiligt sich auch an der Finanzierung des Offshore-Windparkprojekts Lincs, das ab Sommer 2010 vor der Ostküste Englands gebaut werden soll. Dazu ist die SPV zusammen mit dem dänischen Energieversorger DONG Energy beim britischen Energieunternehmen Centrica eingestiegen. Das Joint Venture hat die Hälfte der bisher angefallenen Entwicklungskosten von 55 Millionen Euro übernommen und erhält dafür die Hälfte am Lincs-Projekt. „Jetzt sind wir dabei, Lincs auf dem Projektfinanzierungsmarkt umzusetzen“, erklärt Roger C. Ernst, Direktor der SPV in der Projektgesellschaft. Das bedeutet, dass Banken und Investoren gesucht werden, die sich an der Finanzierung der Baukosten von 830 Millionen Euro beteiligen. Da auch Siemens selbst einen erheblichen Anteil an Eigenkapital zu Lincs betragen wird, ist die Suche nach Finanzierungspartnern leichter. „Die Lage auf dem Kreditmarkt ist nicht mehr so frostig wie zu Beginn der Finanzkrise“, sagt Ernst. In gut zwei Jahren soll der Lincs-Windpark in Betrieb gehen und mit einer Leistung von bis zu 270 Megawatt den jährlichen Strombedarf von rund 200.000 Haushalten decken.

Neben der Beteiligung mit Eigenkapital steht SFS eine Palette weiterer Finanzwerkzeuge zur Verfügung. So hat Siemens für den Windpark Windy Point im US-Bundesstaat Washington 130 Windturbinen errichtet, die etwa 90.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgen. Für dieses Projekt von Cannon Power Corporation, einem der größten US-Unternehmen für Windenergie, hat SFS einen 178-Millionen-Dollar-Kreditrahmen zur Verfügung gestellt. Leasingangebote oder Energy Contracting, bei dem die Investitionen in Raten über die Energiekosten-Einsparungen finanziert werden, sind weitere Möglichkeiten, grüne Investitionsprojekte zu verwirklichen.

Auch die Finanzierung von Verkehrsprojekten wie der neue Hochgeschwindigkeitszug Sapsan fällt in die Kategorie nachhaltiges Investment. Seit Dezember 2009 ist der Siemens-Zug, ein den russischen Klimaverhältnissen angepasster Velaro, auf der Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg unterwegs. Reisende sparen sich auf dieser Fahrt bei Geschwindigkeiten bis zu 250 Stundenkilometern etwa eine dreiviertel Stunde Zeit. Dadurch wird der Umstieg von Flugzeug auf den Zug sinnvoll. Die 318 Millionen Euro umfassende Finanzierung der neuen Flotte, die acht Hochgeschwindigkeitszüge umfasst, sowie die 30-jährige Instandhaltung durch Siemens hat SFS in jahrelangen Verhandlungen sichergestellt.

Katrin Nikolaus