Neue Geschirrspüler von Bosch und Siemens Hausgeräte sparen mit einer trickreichen Trocknung durch Zeolith-Minerale eine Menge Energie.
Trickreiche Trocknung: Die Zeolith-Kugeln saugen blitzschnell die Feuchtigkeit vom Geschirr und geben dabei Hitze ab – dadurch verbraucht der neue Spüler viel weniger Strom und Wasser.
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Die grauen Kügelchen fühlen sich an wie Puffreis. Bläst man jedoch feuchte Atemluft darüber, werden sie unerträglich heiß. „Das ist die Adsorptionswärme“, erklärt Michael Rosenbauer, Entwicklungsleiter für Geschirrspüler bei BSH Bosch und Siemens Hausgeräte in Dillingen an der Donau. Die Wärme entsteht, wenn die hochporösen Kügelchen in ihren winzigen Poren Wassermoleküle einfangen. Das kuriose Material ist ein Zeolith aus Aluminiumsilikat, das auch für Waschmittel oder Katalysatoren hergestellt wird und leicht zu recyceln ist. In einem Behälter im Boden der neuesten BSH-Geschirrspüler mit „speedMatic- Funktion“ saugen 1,15 Kilogramm der Zeolithe die Feuchtigkeit vom Geschirr. Wie schnell das geht, beweist ein Demo-Geschirrspüler im BSH-Labor in Dillingen: In einer Endlosschleife wässert er das Geschirr und trocknet es in nur zwei Minuten gleich wieder. Selbst Pfützen in den Vertiefungen von Tassen und Kunststoffbehältern, die sonst immer von Tropfen übersät sind, verschwinden in Sekundenschnelle aufgrund der warmen Luft, die von den Zeolith-Kügelchen kommt.
Der Urknall für den Zeolith-Spüler, so Rosenbauer, sei eine Präsentation des Bayerischen Zentrums für angewandte Energieforschung (ZAE) in Garching bei München gewesen. Der gemeinnützige Verein, der sich aus Kooperationen mit der Industrie und Universitäten finanziert, hatte die Eigenschaften von Zeolithen den BSH-Entwicklern aller Produktbereiche vorgestellt. 39 Ideen kamen dabei heraus, aber die Kollegen in Dillingen waren 2008 die ersten mit einem Produkt. 250 Vorseriengeräte wurden damals an Tester zwischen Helgoland und Mallorca geschickt, ohne Hinweis auf die besonderen Eigenschaften. „Sofort kamen Rückmeldungen, weil sich die Tester über das besonders trockene Geschirr wunderten“, erinnert sich Rosenbauer.
Energierecycling. Dem Zeolithsystem haben Wettbewerber weltweit derzeit nichts entgegenzusetzen – und das dürfte auch erstmal so bleiben. Es sind rund 30 Schutzrechte angemeldet, die allesamt BSH gehören; das ZAE hat die Forschungsarbeiten unterstützt.
Geschützt haben die Ingenieure in Dillingen neben der Idee der Zeolith-Trocknung auch die technische Umsetzung. Das geschlossene System besteht aus dem erwähnten Behälter, einem Heizsystem und einem Ventilator, der die feuchte Luft durchs Zeolith und die heiße, getrocknete Luft wieder zum Geschirr pustet. Von 100 Prozent sinkt die Luftfeuchtigkeit so auf zehn Prozent, bis zu 200 Gramm Wasser werden gespeichert – genug, um den Wasserfilm auf dem Geschirr zu entfernen. Um das Wasser wieder loszuwerden, wird das Zeolith mit Heizschlangen auf 240 Grad Celsius erhitzt.
Das alles kostet Energie – und doch verbrauchen Geschirrspüler der speedMatic-Serie etwa 20 Prozent weniger Strom als herkömmliche Spüler der besten Energieeffizienzklasse, wie die Stiftung Warentest bestätigt hat. Der Trick: Das gespeicherte Wasser wird erst bei der nächsten Spülladung aus dem Zeolith getrieben. So wird die heiße, feuchte Luft gleich wieder zum Befeuchten und Erhitzen des schmutzigen Geschirrs benutzt. Ein Teil der Heizenergie wird danach beim Trocknen freigesetzt, wenn die Wassermoleküle in die Mineralporen kriechen – der Kreislauf beginnt erneut. Auch der geringe Wasserverbrauch – 10 statt 14 Liter pro Spülgang – ist Rekord. Für das clevere Energierecycling erhielten die Entwickler im Februar 2010 den Innovationspreis Klima und Umwelt aus der Hand des deutschen Bundesumweltministers.
Für die Umwelt ist diese Innovation ein enormer Gewinn: Würde man heute in deutschen Haushalten alle Geschirrspüler mit mehr als 1,3 Kilowattstunden (kWh) Stromverbrauch pro Spülvorgang durch speedMatic-Spüler mit 0,83 kWh ersetzen, würden pro Jahr 1,2 Millionen Tonnen CO2 weniger emittiert.
Details zeigt die Lebenszyklusanalyse von BSH: Zwar liegen die Umweltauswirkungen wie der Energieverbrauch bei der Produktion zwischen vier und sechs Prozent höher, doch die fallen kaum ins Gewicht. Denn während der Nutzungsphase verbraucht ein Zeolith-Spüler ein Fünftel weniger Energie, und auf diese Phase entfallen 95 Prozent der Umweltbelastungen. Das spürt auch der Geldbeutel: Bei einem Strompreis von 0,19 Euro pro kWh rechnen sich die Anschaffungsmehrkosten schon bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 13 Jahren – erst recht, wenn die Strompreise weiter steigen.