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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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Greentech in der Stadt: ein enormer Wachstumsmarkt

Das Tempo des weltweiten Städtewachstums ist atemberaubend: Schon heute lebt mehr als die Hälfte aller Menschen in Städten, 2050 sollen es 70 Prozent sein. Die rasante Urbanisierung bringt gewaltige Herausforderungen mit sich. Die Stadtmanager müssen ihre Infrastrukturen kräftig ausbauen, denn 2050 benötigen statt der jetzt 3,3 Milliarden Stadtbewohner voraussichtlich 6,4 Milliarden Menschen in den Städten Strom, Wasser und Mobilität. Gleichzeitig sollen die Städte ihren Energiebedarf und CO2-Ausstoß reduzieren. Denn schon jetzt verbrauchen sie 75 Prozent der weltweit eingesetzten Energie und verursachen 80 Prozent der Treibhausgasemissionen. Klimaschutzmaßnahmen in Städten bieten daher ein großes Wirkungspotenzial – und eröffnen gute Marktchancen für umweltschonende urbane Infrastrukturlösungen.

Das Potenzial ist enorm: In Schwellen- und Entwicklungsländern muss ein Großteil der Infrastruktur neu aufgebaut werden. Denn diese Nationen tragen zu 95 Prozent zum weltweiten Bevölkerungswachstum bei. Auch in vielen Industriestaaten bedarf das System dringend einer Modernisierung. Weltweit rechnet die Beratungsfirma Booz Allen Hamilton damit, dass Städte in den kommenden 25 Jahren rund 27 Billionen Euro für die Modernisierung und den Ausbau der Infrastruktur ausgeben müssen: 15 Billionen Euro für den Wassersektor, gefolgt von sechs Billionen für Elektrizitätssysteme und fünf Billionen für das Straßen- und Schienennetz.

Um ihren Infrastrukturbedarf klimaverträglich zu decken, benötigen die Städte vor allem energieeffiziente Technologien. So zeigt eine vom Wuppertal-Institut und von Siemens erstellte Studie am Beispiel München, dass sich eine Millionenstadt durch energieeffiziente Lösungen in wenigen Jahrzehnten in einen fast CO2-freien Ballungsraum verwandeln kann (siehe Artikel „Die kohlendioxidfreie Metropole“ Pictures of the Future 1/2009). Dabei können vor allem Technologien wie moderne Gebäudetechniken, Verkehrsleitsysteme, das Elektroauto oder auch ein Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs den CO2-Ausstoß deutlich senken. Auch der wachsende Stromhunger lässt sich mit energieeffizienten Lösungen umweltverträglich stillen – das reicht von Kraft-Wärme-Kopplung bis hin zu verlustarmer Stromübertragung und intelligenten Stromnetzen.

Der weltweite Markt für Umwelttechnologien wird sich bis 2020 auf über drei Billionen Euro mehr als verdoppeln, glaubt das deutsche Bundesumweltministerium (BMU). Dabei wird die Wirtschaftskrise entscheidende Impulse geben. Die Londoner Investmentfirma HSBC etwa schätzt, dass rund 15 Prozent der derzeit aufgelegten weltweiten Konjunkturprogramme – rund 300 Milliarden Euro – in grüne Infrastruktur fließen. 68 Prozent davon dürften die Regierungen in energieeffiziente Technologien investieren.

Ein enormes Energiesparpotenzial bieten vor allem Gebäude: Auf sie entfallen etwa 40 Prozent des weltweiten Energiebedarfs, doch lassen sich schon allein rund 30 Prozent der benötigten Energie durch bessere Dämmung, kontrolliertes Klimatisieren und effiziente Heizsysteme einsparen. Das dürfte laut BMU den Weltmarkt für Gebäudetechniken ankurbeln und bis 2030 für ein zusätzliches Volumen von gut 400 Milliarden Euro sorgen. Für die Kraftwerkstechnik rechnet der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) damit, dass der weltweite Markt um jährlich fünf bis zehn Prozent steigen wird. Dabei sind vor allem effizientere und CO2-ärmere Anlagen gefragt. Zugleich dürfte sich der globale Markt für erneuerbare Energien in den nächsten 15 Jahren verdrei- bis versechsfachen – von heute 45 Milliarden Euro auf dann bis zu 250 Milliarden Euro.

Um „grüne“ Städte zu realisieren, müssen die Stadtmanager komplexe Projekte mit enormen Investitionssummen in die Tat umsetzen. Die öffentlichen Budgets werden dafür oft nicht ausreichen – die Zusammenarbeit mit privaten Investoren ist gefragt. Schon jetzt stammen bis zu 15 Prozent der weltweiten jährlichen Infrastrukturinvestitionen aus privater Hand, häufig im Modell einer Public-Private-Partnership (PPP): Dabei liefern Unternehmen nicht nur Produkte und Dienstleistungen, sondern bieten auch eine langfristige Teilfinanzierung und das Projektmanagement an. Ein besonderes PPP-Modell stellt etwa das Energiespar-Contracting bei Siemens dar: Der Einsatz von Umwelttechnologien finanziert sich hierbei allein aus den eingesparten Energiekosten. Siemens hat bisher weltweit 1.900 derartige Projekte für Gebäude durchgeführt – mit garantierten Energiekosten-Einsparungen von zwei Milliarden Euro und 2,4 Millionen Tonnen CO2. Für Städte heißt das konkret: Grüne Gebäudesanierung gibt es sogar zum Nulltarif.

Anette Freise