als Erfolgsfaktor
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Bereits seit vielen Jahren setzen Unternehmen auf die enge Zusammenarbeit mit externen Partnern. So steuern gemeinsame Projekte mit Universitäten neueste Erkenntnisse aus der Grundlagen- und angewandten Forschung für die Arbeiten der internen Forschungs- und Entwicklungsabteilungenbei. Beim Konzept der Open Innovation (OI) öffnen die Firmen ihre Labor-Türen aber noch ein Stück weiter und binden externe Problemlöser direkt in den Innovationsprozess ein – so auch Siemens (siehe Artikel „Die Welt als Laboratorium“). Nicht mehr nur die F&E-Abteilungen alleine bringen Innovationen hervor, sondern die Kunden, Zulieferer, branchenfremde Unternehmen oder Netzgemeinschaften beteiligen sich aktiv an der Entwicklung.
Im Zuge des verschärften globalen Wettbewerbs werden Entwicklungs- und Produktzyklen immer kürzer und damit Innovationen riskanter und kostspieliger. Daher ist einer der Treiber von OI, dass Unternehmen damit die Einführungszeit neuer Dienste oder Produkte verkürzen sowie durch intensive Befragung der Kunden schon im Vorfeld die Produkt-Flops deutlich reduzieren können.
IBM wie auch das Konsumgüter-Unternehmen Procter & Gamble (P&G) gehörten vor einigen Jahren zu den Pionieren, die ihre bislang geschlossenen Innovationsprozesse geöffnet haben. So betreibt P&G die Internetseite „Connect + Develop“. Hier können Kunden ihre Ideen einreichen und an konkreten Problemen des Unternehmens tüfteln. Auf diese Weise entstand etwa der als Staubmagnet beworbene Staubbesen „Swiffer“. Im Jahr 2004 stammten laut Unternehmensangaben 35 Prozent der Produktentwicklungen bei P&G aus externen Quellen; diese Rate soll auf 50 Prozent gesteigert werden. 2006 hat sich die Produktivität der F&E um etwa 60 Prozent verbessert und die Produkterfolgsrate verdoppelt. Gleichzeitig wurden die Investitionen in F&E von 5,8 auf 3,4 Prozent des Umsatzes reduziert.
Kunden gehören neben den eigenen Geschäftsmanagern und den Forschern und Entwicklern für Unternehmen zu den wichtigsten Ideengebern. Dies geht aus einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Grant Thorton International hervor. Demnach nannten im asiatisch-pazifischen Raum fast die Hälfte der Befragten die Kunden als wichtige Quelle für Innovationen, verglichen mit 40 Prozent in West-Europa und 35 Prozent in den USA. Darüber hinaus bewerten die Befragten weltweit „Open Innovation“ als erfolgreich und als eine Strategie, an der sie künftig festhalten werden. Diese Einschätzung ist mit 35 Prozent am meisten in Westeuropa verbreitet. In den USA – dem Ursprungsland von Open Innovation – sind es 30 Prozent.
Einer der OI-Pioniere, die US-Firma Threadless, entwickelt sogar alle Produkte direkt aus den Anregungen der Kunden: Rund 1000 Ideen für T-Shirt-Designs reichen die Mitglieder der Threadless-Community jede Woche ein – wenn ein Entwurf gedruckt wird, erhält der Kreative 2.000 Dollar. Die beliebtesten Designs werden per Internet-Voting sogar mit bis zu 20.000 Dollar Preisgeld geehrt.
Andere Firmen lassen Lösungen über externe Dienstleister suchen, die ihre globalen Expertennetzwerke gegen hohe Geldsummen von bis zu einer Million Dollar auf ein Forschungsproblem ansetzen. Sehr prominent ist hier die webgestützte Plattform „InnoCentive Challenge“.
Der Open-Innovation-Marktplatz des amerikanischen Vermittlers InnoCentive wurde 2001 gegründet und verfügt weltweit über 180.000 Lösungsanbieter. Sie lösten 400 der rund 900 Anfragen, die von 150 Firmen bislang gestellt wurden. Forrester Research untersuchte die finanziellen Auswirkungen in einer Studie am Beispiel des schwedischen Hygienekonzerns SCA. Demnach erbrachten Anfragen an das Expertennetzwerk von InnoCentive eine durchschnittliche Rendite von 74 Prozent und amortisierten sich in weniger als drei Monaten.
Doch der Schutz des geistigen Eigentums bei OI bereitet vielen Firmen noch Kopfzerbrechen. Die 550 befragten internationalen Experten der Delphi-Studie 2030 „Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien“ sehen sowohl eine unzureichende Innovationskultur als auch Datenschutzprobleme als Hauptbarrieren für OI in Unternehmen. Gleichzeitig ist die Mehrheit der Befragten aber davon überzeugt, dass OI als neues F&E-Paradigma bis spätestens 2024 stark an Bedeutung gewinnen und die Effizienz der Innovationsprozesse erhöhen wir.