Dr.-Ing. Heinrich Hiesinger ist ehemaliger CEO des Sektors Industry und ehemaliges Mitglied des Vorstands der Siemens AG.
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Anna Kajumulo Tibaijuka, die Direktorin des Siedlungsprogramms der Vereinten Nationen, hat einen der wesentlichen Trends unserer Zeit auf den Punkt gebracht, als sie sagte: „2007 war das Jahr, in dem der Homo sapiens zum Homo urbanus wurde.“ Denn seither wohnen erstmals weltweit mehr Menschen in Städten als in ländlichen Regionen – und dies ist noch lange nicht das Ende der Urbanisierung. Allein in Asien dürfte bis 2030 die großstädtische Bevölkerung um 80 Prozent wachsen, von heute 1,6 auf dann fast 2,7 Milliarden Menschen. China hat bereits 175 Städte mit über einer Million Einwohner, und Jahr für Jahr werden im Reich der Mitte Siedlungen für zusätzliche 13 Millionen Menschen buchstäblich aus dem Boden gestampft.
Das Motto der Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai könnte daher passender nicht sein: „Better City, Better Life“. Nur eine nachhaltige Stadtentwicklung kann sicherstellen, dass das Leben in der Stadt von morgen auch lebenswert bleibt. 240 Länder, Städte und internationale Organisationen präsentieren den erwarteten 70 Millionen Besuchern der Expo von Mai bis Oktober 2010, wie energieeffiziente und umweltfreundliche Lösungen für Städte aussehen. Kein anderes Unternehmen hat hierfür eine solche Bandbreite wie Siemens anzubieten.
Rund 90 Prozent des Auftragsvolumens von über einer Milliarde Euro, das Siemens rund um die Expo erhielt, basiert auf Umwelttechnik: Das reicht von 50.000 energiesparenden Leuchtdioden auf dem Expo-Gelände über neue Metrolinien und Parkleitsysteme bis zur intelligenten Gebäudetechnik für viele Bauten innerhalb und außerhalb des Ausstellungsgeländes. Beim Kraftwerk Waigaoqiao hat Siemens zudem geholfen, eines der effizientesten Kraftwerke der Welt zu errichten, das fast ein Drittel des Strombedarfs Shanghais deckt.(siehe Artikel „Reifeprüfung für Chinas Städte“)
Wie weltweit moderne Lösungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung umgesetzt werden, belegt diese Ausgabe von Pictures of the Future. So arbeitet Siemens nicht nur mit der Tongji-Universität in Shanghai an „Eco-City-Modellen“ (siehe Artikel „Chinas grüne Zukunft“), mit denen Städtewachstum und Umweltschutz in China künftig Hand in Hand gehen sollen, sondern hat auch in Europa den European Green City Index ins Leben gerufen (siehe Artikel „Die grünsten Städte Europas“). Darin werden die Umweltverträglichkeit und die entsprechenden Maßnahmen der 30 bedeutendsten europäischen Städte verglichen – ganz oben in der Liste rangieren die skandinavischen Städte Kopenhagen (siehe Artikel „Der Umwelt-Champion“), Stockholm und Oslo (siehe Artikel „Grünes Pflaster“), aber auch eine osteuropäische Stadt wie Wilna (siehe Artikel „Barockperle in grüner Fassung“) schneidet etwa bei den Themen Luftqualität und Gebäude sehr gut ab.
Doch auch Städte außerhalb Europas und Chinas leisten Pionierarbeit auf dem Weg zu möglichst nachhaltigen Metropolen – nicht zuletzt mit Hilfe von Siemens. So begleiten wir den Stadtstaat Singapur seit vielen Jahren auf seinem Weg zur grünen Weltstadt (siehe Artikel „Lebendes Labor“), etwa mit einem Kompetenzzentrum für Stadtentwicklung und modernsten Lösungen zur Abwasser- und Trinkwasser-Aufbereitung. Hier wollen wir auch erstmals eine Pilotanlage in Betrieb nehmen, die Meerwasser mit Hilfe elektrischer Felder hocheffizient entsalzen kann – und dabei über 50 Prozent weniger Energie verbraucht als herkömmliche Technologien.
In Südafrika wiederum trägt Siemens zur Modernisierung der Infrastruktur rund um die Fußballweltmeisterschaft bei (siehe Artikel „Kap voller Hoffnung“): von der Kommunikationstechnik für Verkehrs- und Sicherheitssysteme über Turbinen für die Stromversorgung bis zu Tausenden von Leuchtdioden für den 350 Meter langen beeindruckenden Bogen hoch über dem Moses Mabhida Stadion in Durban. Dies ist eines der schönsten Beispiele dafür, dass „verbesserte Energieeffizienz nicht im Widerspruch zu architektonischer Schönheit“ stehen muss, wie der Stararchitekt Daniel Libeskind betont (siehe Artikel „Große Architektur muss nachhaltig sein“) – und wie es auch viele der grandiosen Pavillons auf der Expo in Shanghai belegen.
Der Themen-Pavillon, das Expo-Center und das Culture-Center sowie der riesige China-Pavillon haben alle eines gemeinsam: Dank modernster Gebäudetechnik von Siemens sparen sie bis zu 25 Prozent Energie und bis zu 50 Prozent Betriebskosten verglichen mit herkömmlichen Gebäuden. Diese Bauten werden auch nach der Ausstellung eines der Wahrzeichen Shanghais bilden. Ein Wahrzeichen für die Bedeutung dieser Stadt und dieses Landes – und ein Sinnbild für Nachhaltigkeit.