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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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Mit der Modulation von weißem LED-Licht gelingt Siemens-Forschern in Berlin ein Rekord digitaler Datenübertragung – 500 Megabit pro Sekunde auf bis zu fünf Meter Entfernung.

Mit der Modulation von weißem LED-Licht gelingt Siemens-Forschern in Berlin ein Rekord digitaler Datenübertragung – 500 Megabit pro Sekunde auf bis zu fünf Meter Entfernung.

Siegeszug der Digitalisierung

Die internationale Delphi-Studie 2030 belegt die herausragende Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechno-
logien (IKT). 550 internationale Experten bewerten darin zentrale Entwicklungen, Herausforderungen, Trends und Chancen der IKT.

Image Abhörsicher ohne Funk: Mit der Modulation von weißem LED-Licht gelingt Siemens-Forschern in Berlin ein Rekord digitaler Datenübertragung – 500 Megabit pro Sekunde auf bis zu fünf Meter Entfernung.

Weltweit sind sich die Experten der Delphi-Studie 2030 „Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Medien“ einig: Der Siegeszug der IKT wird weiterhin anhalten. Er beruht unter anderem auf der zunehmenden Anzahl der Bausteine pro Mikrochip, den ständig wachsenden Speichergrößen sowie der weiteren Verbesserung der Rechenleistung von Mikroprozessoren und der entsprechenden Software, wobei gleichzeitig die Preise für dieselbe Leistung sinken.

In zehn Jahren, so die Prognose der Delphi- Experten, wird IKT unser ganzes Leben prägen. Die Digitalisierung aller privaten und beruflichen Lebensbereiche wird weiter voranschreiten, weil vor allem das Internet eine Fülle neuer Anwendungen, Funktionalitäten und Dienste bietet. Zusätzlich stimulieren der zunehmende globale Wettbewerb, weltweite Herausforderungen wie der Klimawandel oder die demographische Entwicklung Innovationen aus dem Bereich der IKT. Für die vom deutschen Bundeswirtschaftsministerium geförderte Untersuchung wurden im Jahr 2009 weltweit rund 550 IKT-Experten zu den wichtigsten Trends ihrer Branchen bis zum Jahr 2030 befragt.

Einige Kernergebnisse:

➔ Leistungsfähige Kommunikationsnetze haben auf die gesamte Wirtschaft positive Auswirkungen. Flächendeckendes stationäres Breitband mit Glasfaseranschlüssen und Übertragungsraten von 100 Megabit pro Sekunde und mehr soll weltweit Standard werden. Je nach Region dürfte dies unterschiedlich schnell gehen – Vorreiter sind einige asiatische Länder, USA, Großbritannien und Frankreich, gefolgt von Deutschland.

➔ Zu den künftigen IKT-Trends gehört das „Internet der Dinge“, in dem Gegenstände des Alltags digital vernetzt sind und selbstständig Informationen austauschen. Auch eingebettete Systeme (Embedded Systems) zählen dazu, die als vernetzte, intelligente Prozessoren in Systemen wie Flugzeugen oder Maschinen eingesetzt werden sowie eigenständig von anderen intelligenten Systemen lernen und mit diesen kommunizieren.

➔ Ebenfalls notwendig sind leistungsfähige Kommunikationsnetze für die permanente Internetverbindung von stationären Rechnern und mobilen Endgeräten zu dezentralen, weltweit verteilten Ressourcen im Netz (Cloud Computing). Anstelle leistungsstarker stationärer PCs halten Anbieter im Netz Rechenleistung, Speicherplatz, Programme oder Netzwerkbandbreite für Nutzer je nach Bedarf bereit. Rund 70 Prozent der befragten Experten rechnen damit, dass der Zugriff auf Rechenleistung in der Wolke (Cloud) bis 2024 zur Gewohnheit wird.

➔ Die Europäische Union hat sich bis 2020 das Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energien von derzeit etwa sieben auf 20 Prozent zu erhöhen. Ohne die Modernisierung der Energiesysteme mit innovativer IKT – Stichwort „Smart Grid“ – kann aber erneuerbare Energie nicht effizient genutzt und die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet werden. Nach Meinung der Experten ist daher der Einsatz von IKT bis spätestens 2020 in Energiesystemen unabdingbar. Bis 2020 werden auch durch die Nutzung von IKT in Branchen wie Verkehr, Telematik, Energie und intelligente Gebäudetechnik die CO2-Emissionen deutlich gesenkt werden können.

➔ Die dynamische Entwicklung der IKT-Technologien wird vor allem in den zentralen deutschen Branchen Automobilindustrie, Automatisierung, Maschinenbau, Energie oder im Gesundheitssektor als Wachstumsbeschleuniger und Innovationstreiber wirken. So halten knapp zwei Drittel der befragten Deutschlandexperten einen Zuwachs der Wertschöpfung von ITK im Auto von derzeit 20 bis 30 Prozent auf 50 Prozent bis zum Jahr 2024 für wahrscheinlich. Dazu zählen etwa Internet im Fahrzeug oder Car-2-Car-Vernetzung zum Datenaustausch. Auch bei der Elektromobilität kommt der IKT eine Schlüsselrolle zu, etwa bei der Anbindung an intelligente Strom-Verteilnetze.

Herausgeber der Studie sind der Münchner Kreis, ein renommierter Zusammenschluss von IKT-Experten in Deutschland, das European Center for Information and Communication Technologies (EICT), die Deutsche Telekom AG und TNS Infratest. Auch Siemens hat sich intensiv an den Arbeiten beteiligt. Für das Unternehmen ist die Studie von besonderem Interesse. „Informations- und Kommunikationstechnologien sind die Basis für die meisten unserer Produkte, Systeme und Lösungen, unter anderem in der Automatisierung, im Gesundheitssektor und in der Energie“, sagt Prof. Dr. Hartmut Raffler, der bei Siemens die Studie maßgeblich betreut hat. Besonders wichtig sei künftig die Entwicklung von „grüner“ IKT, die helfen soll, Energie einzusparen – etwa bei energieeffizienten Gebäuden, die intelligent durch IKT kontrolliert und gesteuert werden und überschüssige Energie ans Netz abgeben, ohne dessen Stabilität zu gefährden.

Internet der Energie. In Zukunft werde es zudem eine Art „Internet der Energie“ mit vielen Netzknoten geben, das die Teilnehmer am Energiesystem wie etwa Haushalte, industrielle Verbraucher, Energieerzeuger und -speicher, Elektroautos und elektronische Marktplätze intelligent miteinander verknüpft, prognostiziert Raffler. IKT und das Energiesystem bilden dabei eine Einheit, und die Energie kann in beliebige Richtungen fließen. Corporate Technology arbeitet intensiv an solchen Lösungen für das „Internet der Energie“ (siehe Artikel „Neue Stromnetze knüpfen“, Pictures of the Future 2/2009). Insgesamt sei die internationale Studie durch die Bewertung vieler Schlüsseltechnologien von hohem Wert: „Man kann durch die weltweite Sicht der Experten besser einschätzen, zu welchem Zeitpunkt welche Innovationen auf welchen Märkten erfolgreich sein können“, ist Raffler überzeugt. Um gegenüber den USA und Ostasien bei Innovationen wettbewerbsfähig zu sein, ist laut den Delphi-Experten vor allem das Konzept der „Open Innovation“ unerlässlich. „Wir müssen die Unternehmen öffnen und externes Expertenwissen hereinlassen“, sagt Raffler. „Bei Siemens ist Open Innovation bereits im vollen Gange. Wir sind auf dem Weg vom bisherigen ‚The Lab is our World’ hin zu ‚The World is our Lab’“.

Nikola Wohllaib