In China entstehen zahlreiche neue Millionenstädte, die vor allem eines brauchen: Effiziente Infrastrukturen, die auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Umwelt abgestimmt sind. Dass China sich dieser Aufgabe stellt, möchte es 2010 während der Asian Games und vor allem während der Weltausstellung Expo im eigenen Land unter Beweis stellen - nicht zuletzt auch mit Unterstützung und Technik von Siemens.
Siemens - ein starker Partner für die Expo
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Effiziente Superlative: Shanghai (links) und Guangzhou (im Bild: Metro, Westtower) haben 2010 mit den Mega- Events der Expo und der Asian Games die Welt zu Gast.
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China sieht sich mit einer gigantischen Urbanisierungswelle konfrontiert. Allein in den vergangenen Jahrzehnten zogen hunderte Millionen Menschen vom Land in die Städte, in denen heute weit mehr als eine halbe Milliarde Menschen leben. Bis 2030 könnte sich die Bevölkerung der Städte Chinas sogar auf mehr als eine Milliarde Menschen verdoppeln – in nur 20 Jahren. All diese neuen Stadtbewohner brauchen Wohnraum, Strom und Wasser. Darüber hinaus treibt die stets wachsende Mittelschicht den Energieverbrauch des Landes weiter in die Höhe: Fernseher und Haushaltsgeräte wie Staubsauger oder Mikrowelle stehen auf der Einkaufsliste. Oder Autos: Der öffentliche Nahverkehr ist in den Städten völlig überlastet. Staus und tagelang anhaltender Smog sind die Regel. Das Resultat: Schon heute ist China der größte Schadstoff-Emittent der Welt.
Damit die Städte nicht kollabieren, ist die Regierung stets auf der Suche nach effektiven Infrastrukturlösungen, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden. Unter anderem mit Hilfe von Siemens, das im Laufe seiner 130-jährigen Geschichte in China schon vielerorts effiziente Technologien implementiert hat. Etwa bei der Siemens-Zentrale in Peking – ein im August 2008 eröffnetes, 123 Meter hohes, rundum verglastes Hochhaus. Es verbraucht dank eines intelligenten Gebäudemanagementsystems, einer eigenen Aufbereitungsanlage für gering verschmutztes Abwasser und einem System zur Abwärmerückgewinnung rund 30 Prozent weniger Energie und Wasser als ein vergleichbares Gebäude ohne derartige Technologien. Von Peking aus koordiniert das Unternehmen, das mit 43.000 Mitarbeitern einer der größten ausländischen Arbeitgeber des Landes ist, seine Aktivitäten in China.
Im Jahr 2010 ist das öffentliche Leben im Reich der Mitte vor allem durch zwei Großevents geprägt: ab Mai mit der Weltausstellung Expo in Shanghai (siehe Kasten links) und im November mit den Asian Games in der 10-Millionen-Stadt Guangzhou, der Hauptstadt der südlichen Provinz Guangdong. Mit beiden möchte China der Welt zeigen, dass es die Herausforderungen der Urbanisierung meistern wird. Nicht nur für die Expo, auch für die Asian Games laufen die Vorbereitungen seit Jahren auf Hochtouren: Es wird rund um die Uhr gehämmert, gebaut und saniert. Denn wenn die Sportwelt ihre Augen auf Guangzhou richtet, möchte sich die Stadt von ihrer besten Seite zeigen und muss zugleich für den Ansturm von Millionen Sportfans gerüstet sein.
Etwa bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. „Pünktlich zu den Asian Games wird Guangzhou sein Metro-Netz von fünf auf acht und darüber hinaus bis 2020 auf 15 Linien ausweiten“, erklärt Liu Hao von der Siemens-Division Mobility. Sein Team sowie Kollegen lokaler Partner betreuen die Auslieferung von 79 Metro-Zügen an die städtischen Verkehrsbetriebe. Siemens stattet diese unter anderem mit intelligenter Steuerungstechnik und einem Antriebssystem aus, das die Bremsenergie der Züge zurück ins Netz speist. „Mit diesen Systemen erzielen die Züge signifikante Energieeinsparungen“, verrät Liu.
Welche positive Auswirkung das U-Bahn- Netz auf den Pkw-Verkehr der Stadt haben wird, lässt sich bereits erahnen: Schon heute nutzen pro Tag 3,6 Millionen Menschen das noch kleine Netz der Metro, die künftig auch den neuen Bahnhof Guangzhous anfahren wird. Pünktlich zur Eröffnung der Asian Games wird die Guangzhou New Railway Station mit rund 200.000 Menschen pro Tag der größte Bahnhof Asiens sein. Siemens-Schaltsysteme sorgen dann hier für eine zuverlässige Verteilung des Stroms. Dieser kommt in Guangzhou zu einem großen Teil aus 1.400 Kilometer Entfernung: von Wasserkraftwerken der Provinz Yunnan. Möglich macht das die derzeit leistungsfähigste und längste Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung der Welt von Siemens, die den sauberen Strom mit einer Rekordspannung von 800.000 Volt und einer Leistung von 5.000 Megawatt in die Megacities an der Südostküste transportiert. Sie versorgt bis zu fünf Millionen Haushalte mit Strom und erspart im Vergleich zu einer Stromversorgung mit Kohle jährlich 33 Millionen Tonnen CO2 (siehe Artikel „Die Spannung steigt“, Pictures of the Future 2/2009).
Ein großer Abnehmer dieses CO2-freien Stroms wird auch der Westtower sein, der mit einer Höhe von 432 Metern derzeit das zweitgrößte Gebäude Chinas ist. Nach seiner Eröffnung im Oktober 2010 wird der gläserne Gigant seine filigrane Eleganz auch nachts kilometerweit zur Geltung bringen. Dann unterstreichen mehr als 10.000 LED-Armaturen von Osram die gesamte, rautenförmige Außenfassade mit Lichtmustern.
„Dabei steuert eine spezielle Software jede einzelne LED und deren Leuchtfarbe“, erläutert Li Gang, Projekt- Manager von Osram in Guangzhou. „Osram hat das effizienteste computergesteuerte Illuminations- System aus einer Hand angeboten. Gleichzeitig sparen unsere LEDs im Vergleich zu einer herkömmlichen Außenbeleuchtung bis zu 80 Prozent Strom und haben mit rund 50.000 Betriebsstunden eine weitaus längere Lebensdauer.“
Symbol der Urbanisierung. Guangzhou ist zwar beeindruckend, bietet jedoch nur einen Vorgeschmack auf Shanghai, die bedeutendste Industriestadt Chinas und eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Heute leben etwa 14 Millionen Menschen im Kernbereich von Shanghai, damit hat sich die Einwohnerzahl zwischen 1990 und 2008 fast verdoppelt. Dabei teilen sich hier rund 7.200 Einwohner einen Quadratkilometer – in Berlin sind es nur halb so viele. Keine andere Stadt Chinas steht so symbolisch für die Bewegung des Landes – die Aufbruchsstimmung und das kontinuierliche Wachstum ist überall zu spüren. Kein Wunder, dass die Megacity für Siemens der wichtigste Schlüsselmarkt in China ist. Bereits 1904 eröffnete der Technologieanbieter hier sein erstes permanentes Büro. Heute ist Shanghai mit 13.000 Mitarbeitern die größte Siemens-Niederlassung außerhalb Deutschlands. Das Unternehmen ist mit all seinen Sektoren in der Stadt vertreten und hat mitgeholfen, die Megacity effizienter zu machen (siehe Artikel „Stadt der Superlative“, Pictures of the Future 1/2004).
Zum Beispiel bei der Energieversorgung: Hier wächst Shanghais Bedarf pro Jahr um mehr als 1.000 Megawatt (MW). Den riesigen Stromhunger stillt unter anderem das Kohlekraftwerk Waigaoqiao, das Siemens mit mehreren 1.000- MW-Dampfturbinen und Generatoren ausgestattet hat. Heute ist Waigaoqiao eines der effizientesten Kohlekraftwerke der Welt und deckt rund 30 Prozent von Shanghais Energiebedarf.
Jedoch stößt der städtische Stromversorger trotz Waigaoqiao und vielen weiteren Kraftwerken bereits an seine Grenzen: Im Dezember 2009 lag der Elektrizitätsbedarf in der Stadt an manchen Tagen bei 19.000 MW – es drohte eine akute Stromknappheit.
Um den steigenden Bedarf von Shanghai und ganz China zu decken, möchte das Reich der Mitte in Zukunft nicht nur auf den Bau leistungsstarker Kohlekraftwerke, sondern verstärkt auch auf den Einsatz erneuerbarer und CO2-freier Energien setzen. Vor allem auf die Windkraft: Erst im Mai 2009 erklärte die nationale Energieagentur, bis 2020 Windenergie mit einer Leistung von 100 Gigawatt (GW) gewinnen zu wollen. Zum Vergleich: Weltweit sind derzeit 120 GW an Windleistung installiert. Somit könnte China schon bald der größte Windenergiemarkt der Welt sein. Aus diesem Grund weitet Siemens derzeit sein globales Fertigungsnetzwerk für Windkraftanlagen aus und baut im Industriestandort Lingang New City bei Shanghai ein neues Werk für Rotorblätter.
„Ab September 2010 fertigen hier etwa 200 Mitarbeiter zunächst Rotorblätter für eine jährliche Windturbinenleistung von 500 MW“, verrät Dr. Martin Meyer ter Vehn, General Manager Siemens Wind Power Blades.