Go to content

SIEMENS

Research & Development
Technology Press and Innovation Communications

Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
pictures

Leistungsschub: Auf der Formel 1-Strecke Yas Marina Circuit enden die Rennen in der Dunkelheit.

Möglich macht das ausgefeilte Siemens-Technik, die auch in Masdar künftig zum Einsatz kommen könnte.

Wüste voller Widersprüche

Abu Dhabi bereitet sich auf die Zeit nach dem Öl vor. Dabei hilft Siemens mit energieeffizienter Technik. Als möglicher Technologiepartner entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit der Masdar-Initiative Konzepte für die CO2-freie Wüstenstadt.

Image Leistungsschub: Auf der Formel 1-Strecke Yas Marina Circuit enden die Rennen in der Dunkelheit. Möglich macht das ausgefeilte Siemens-Technik, die auch in Masdar künftig zum Einsatz kommen könnte.

Die Widersprüche könnten kaum größer sein: Unter der Wüste Abu Dhabis lagern rund neun Prozent der weltweit bekannten Ölreserven, während auf dem gleichen Flecken Erde die erste CO2-neutrale Stadt der Welt entsteht, Masdar City (siehe Artikel „Nachhaltige Gebäudetechnik - Masdar City“, Pictures of the Future 2/2008 und Artikel „Gebäude als Händler am Energiemarkt“, Pictures of the Future 2/2009). In direkter Nachbarschaft, auf der Yas-Insel, jagen Rennwagen mit Getöse über die modernste Formel-1-Strecke der Welt. Und nicht weit entfernt, auf der Saadiyat-Insel, entsteht ein Freizeit- und Urlaubsparadies, in dem auch seltene Tierarten, wie die Karettschildkröte, eine Heimat finden sollen.

Abu Dhabi wächst und muss dabei allerhand gegenläufige Entwicklungen ausbalancieren. Doch eines ist klar: Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Mit dem Projekt Masdar City, das derzeit überarbeitet wird, legen die Stadtväter ein Bekenntnis für diesen Weg ab. Das ehrgeizige Projekt entsteht nahe dem internationalen Flughafen und soll dank erneuerbarer Energiequellen – wie Photovoltaik und Solarthermie – den Bedarf von rund 40.000 Einwohnern und der erwarteten 50.000 Pendler autark decken können. Dieser wird vergleichsweise gering aus fallen, auch dank moderner Gebäudetechnik. Siemens könnte in Masdar City unter anderem zum geplanten intelligenten Stromnetz, dem Transportsystem und zur Infrastruktur für die Energieerzeugung beitragen.

Neben Masdar City unterstützt Siemens zahlreiche weitere Projekte in Abu Dhabi: So baute das Unternehmen im Jahr 2008 auf der stadtnahen Insel Saadiyat Island ein Umspannwerk, das die Energieversorgung der gesamten Insel sicherstellen soll. Die Anlage ist auf den Bedarf von bis zu 150.000 Menschen ausgelegt, die eines Tages in fast 50.000 Privatwohnungen und Häusern sowie in bis zu 29 Hotels unterkommen werden.

Für den Yas Marina Circuit auf der benachbarten Insel Yas lieferte und installierte das Konsortium aus Siemens und der österreichischen PKE Electronics AG die gesamte elektrotechnische und elektronische Ausrüstung, unter anderem die für das Rennen relevanten Steuer- und Überwachungssysteme, die verschiedenen Sicherheits- und Zugangssysteme sowie die elektrische Energieversorgung: ein 22kV Mittelspannungsnetz mit 18 Umspannanlagen. Erstmals in der Geschichte der Formel 1 startete hier ein Rennen bei Tageslicht und endete in der Dunkelheit. Auch aus diesem Grund werden hier den Fahrern wichtige Informationen nicht mehr mit Hilfe von Flaggen signalisiert, die Streckenposten von Hand schwenken. Deren Funktion haben extrem lichtstarke LED-Panels am Fahrbahnrand übernommen.

Das Siemens-Engagement im Emirat geht über die Arbeit an Großprojekten hinaus. Als Investor beteiligte sich das Unternehmen mit 75 Millionen US-Dollar an den beiden Masdar Clean Tech Fonds; der letzte wurde im Januar 2010 aufgelegt. Er investiert hauptsächlich in Unternehmen in den Bereichen grüne Energien, Umweltressourcen sowie Energie- und Materialeffizienz. „Wir sehen dies als strategisches Investment, das auch die Rolle von Siemens als Technologiepartner für Masdar langfristig festigt“, sagt Joachim Kundt, CEO von Siemens in der unteren Golfregion.

Ein anderes Investment von Masdar baut ebenfalls auf Siemens-Technologie – wenngleich weit entfernt von den heimischen Wüsten, in Großbritannien: der Windpark London Array, an dem Masdar als Investor und Projektentwickler beteiligt ist. Siemens Energy hat den Auftrag erhalten, den Offshore-Windpark an der Themsemündung mit 175 Windenergieanlagen auszustatten und ihn ans Stromversorgungsnetz anzubinden. Mit einer Leistung von 630 Megawatt wird London Array nach seiner Fertigstellung 2012 der weltweit größte Windpark seiner Art sein.

Und so macht das Emirat mit seinen Investitionen deutlich, dass die Widersprüche im Hier und Heute sich eines Tages, rückblickend, doch nur als scheinbare Widersprüche entpuppen könnten: Denn auf die Zeit nach dem Öl bereitet sich Abu Dhabi konsequent vor, indem es mit seinen Partnern neue Technologien entwickelt und anwendet – bis es eines Tages teurer sein wird, das in der Erde verbliebene Öl zu fördern, statt Alternativen zu nutzen, wie die Solar- oder Windenergie. Vielleicht werden dann ja im Yas Marina Circuit, der neuen Formel-1-Strecke, Rennen mit Autos ohne Verbrennungsmotor ausgetragen; und selten nur noch, für echte Liebhaber, Oldtimer-Rennen mit altmodischen Benzinkutschen.

Andreas Kleinschmidt