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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
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Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
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Reise vom Reißbrett zum Wertstoffhof: Unternehmen nehmen den Lebenszyklus ihrer Produkte immer
genauer unter die Lupe – von der Entwicklung über die Fertigung und den Betrieb bis hin zum Recycling.

Reise vom Reißbrett zum Wertstoffhof: Unternehmen nehmen den Lebenszyklus ihrer Produkte immer
genauer unter die Lupe – von der Entwicklung über die Fertigung und den Betrieb bis hin zum Recycling.

Reise vom Reißbrett zum Wertstoffhof: Unternehmen nehmen den Lebenszyklus ihrer Produkte immer
genauer unter die Lupe – von der Entwicklung über die Fertigung und den Betrieb bis hin zum Recycling.

Reise vom Reißbrett zum Wertstoffhof: Unternehmen nehmen den Lebenszyklus ihrer Produkte immer
genauer unter die Lupe – von der Entwicklung über die Fertigung und den Betrieb bis hin zum Recycling.

Ökobilanz für Züge: Bei Siemens-Mobility nutzen die Ingenieure eine spezielle Datenbank,
die Primärenergieverbrauch und den CO2-Ausstoß jedes Bauteils verrät.

Ökobilanz für Züge: Bei Siemens-Mobility nutzen die Ingenieure eine spezielle Datenbank,
die Primärenergieverbrauch und den CO2-Ausstoß jedes Bauteils verrät.

Ökologische Spurensuche

Wer die Umwelt schonen und zugleich Kosten sparen will, muss den gesamten Lebenszyklus von Produkten betrachten. So untersucht Siemens mit Hilfe von Ökobilanzen, wie viel Energie und Rohstoffe die Produkte während ihres Lebens verbrauchen und welche Schadstoffe dabei anfallen. Auf Grundlage dieser Analysen entstehen neue hocheffiziente Technologien.

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Reise vom Reißbrett zum Wertstoffhof: Unternehmen nehmen den Lebenszyklus ihrer Produkte immer genauer unter die Lupe – von der Entwicklung über die Fertigung und den Betrieb bis hin zum Recycling.

Wenn Waren lebendig wären, würden sie ein bedauernswertes Dasein fristen: von Geburt an ständig überwacht, dazu ein riesiger Leistungsdruck in allen Lebensphasen und rigoros ausgeschlachtet nach ihrem Ableben. Was für Menschen wie eine Horrorvorstellung klingt, ist für Produkte aller Art ein erstrebenswertes Ziel, denn nur gründliche Analysen können aufdecken, welche Waren möglichst wenig Energie verbrauchen und kaum Schadstoffe verursachen – angesichts von Klimawandel, Umweltbewusstsein und dem Fokus auf Energieeffizienz mittlerweile eine wichtige Voraussetzung, um beim Kunden Erfolg zu haben.

Unternehmen nehmen daher die Reise ihrer Produkte vom Reißbrett zum Wertstoffhof immer genauer unter die Lupe. Welchen "ökologischen Fußabdruck" ein Produkt hinterlässt, lässt sich mit Hilfe so genannter Ökobilanzen bestimmen. Dabei werden alle Umweltbelastungen erfasst, die mit der Herstellung eines Produktes oder einer Dienstleistung verbunden sind. "Es handelt sich um einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem die ökologische Verträglichkeit aller Prozessschritte bewertet wird – von der Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen bis zur Entsorgung", erklärt Prof. Stig Irving Olsen, Nachhaltigkeitsspezialist der Technischen Universität Dänemark (siehe Artikel "Ökobilanzen dienen der Wettbewerbsfähigkeit").

Auch die Experten von Siemens Corporate Technology (CT) haben sich auf die ökologische Spurensuche begeben und im Jahr 2008 zusammen mit Prof. Olsen und weiteren Partnern zwei besonders komplexe Technologien unter die Lupe genommen: Bei den so genannten Corex/Finex-Verfahren zur Stahlherstellung wird Roheisen in einem einzigen Prozessschritt aus Feinerz erzeugt – Kokerei und Sinteranlage sind nicht mehr notwendig, der Ressourcenverbrauch und die Investitions- und Produktionskosten sinken. Wie groß der ökologische Gewinn exakt ausfällt, war allerdings bislang nicht geklärt. Die Wissenschaftler verglichen Corex/Finex deshalb mit herkömmlichen Hochöfen und erfassten die Auswirkung auf Luft, Wasser und Boden (siehe Artikel "Bilanz eines Produktlebens").

Dabei wurde jeder Schritt sorgfältig untersucht und bewertet – von der Gewinnung und Vorbereitung der Rohstoffe bis zu Prozessen wie Entstaubung, Gasreinigung oder Entschwefelung. "Wir haben herausgefunden, dass die Ökobilanz von Corex/Finex weitaus besser ist als die Hochofenroute", resümiert CT-Materialexperte Frank Walachowicz. Vor allem bei den Emissionen: Der Ausstoß von Schwefeldioxiden, Stickoxiden und Staub ist bei Corex/Finex wesentlich geringer. Auch die Abwässer werden mit deutlich weniger Schadstoffen belastet. "Mit der Ökobilanz konnten wir erstmals demonstrieren, wie umweltfreundlich das Verfahren gegenüber herkömmlichen Methoden wirklich ist", sagt Walachowicz.

Energiesparweltmeister. Umweltverträglichkeit ist auch das Credo für die Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH). Eine strenge Firmenrichtlinie gibt vor, dass Waschmaschinen und Co. die Umwelt in allen Phasen ihres Lebens möglichst wenig belasten sollen. Das hat auch einen geschäftlichen Hintergrund, denn sparsame Geräte sind derzeit besonders gefragt. Bis 2030 soll sich etwa das Marktvolumen für energieeffiziente Produkte wie Haushaltsgeräte in den USA fast verdoppeln, glaubt die American Solar Energy Society (siehe Artikel "Energieeffizienz lohnt sich"). Wo Entwickler ansetzen müssen, um die Ökobilanz ihrer Produkte zu verbessern, haben die BSH-Umweltexperten in Lebenszyklus-Studien für Hausgeräte untersucht. Demnach verursacht die Nutzungsphase mehr als 90 % der Umweltbelastungen, Transport und Recycling fallen dagegen kaum ins Gewicht.

Bei Wäschetrocknern sind es sogar 97 % – das Verdampfen von Wasser ist besonders energieaufwändig. Grund genug für BSH, einen Trockner zu entwickeln, der alle bisherigen Geräte in den Schatten stellt (siehe Artikel "Das Wunder im Waschkeller"). Dazu analysierten die Entwickler Wäschetrockner aller Art, zählten Schrauben, ermittelten das Gewicht von Bauteilen, testeten Stromverbrauch und Lautstärke. Im September 2008 kam das Ergebnis von zwei Jahren Tüftelei auf den Markt – der Siemens-Trockner blueTherm. Das Gerät arbeitet mit einer neuartigen Wärmepumpe und verbraucht nur halb so viel Strom wie ein durchschnittlicher Kondenstrockner der Effizienzklasse B. Selbst die Grenze der Klasse A unterbietet blueTherm um 40 %. "Damit sind wir Energiesparweltmeister", freut sich BSH-Projektleiter Kai Nitschmann. Obwohl das Sparwunder teurer ist als seine konventionellen Pendants, schont es letztlich den Geldbeutel – so verursacht blueTherm bei durchschnittlicher Nutzung und deutschen Strompreisen nur 18 € Stromkosten pro Jahr, der Betrieb eines Ablufttrockners kostet dagegen rund 50 €.

Lampen unter der Lupe. Ähnlich wie der Hausgeräte-Hersteller BSH nimmt auch Osram den Lebenszyklus der Lampen genau unter die Lupe. Das Unternehmen will dabei nur noch Lampen auf den Markt bringen, die umweltfreundlicher sind als ihre Vorgänger. Das gelingt am ehesten, wenn die Energieeffizienz verbessert wird (siehe Artikel "Lampen unter der Lupe"). "Wenn wir die Lichtausbeute unserer Lampen nur um 1 bis 2 % erhöhen können, erreichen wir mehr, als wenn Osram gar kein produktionsbedingtes Kohlendioxid mehr entweichen lassen würde", sagt Christian Merz, Osram-Experte für das Thema Nachhaltigkeit.

Deshalb sei auch das Glühlampenverbot der Europäischen Union nur folgerichtig – durch das Umsteigen auf moderne Beleuchtung lassen sich weltweit 900 Mrd. kWh pro Jahr und damit ein Drittel des heute insgesamt für Beleuchtung erforderlichen Stroms einsparen, erklärt Merz. Das würde beim heutigen Energiemix etwa 450 Mio. t CO2 pro Jahr entsprechen – fast die Hälfte der Gesamtemissionen Deutschlands. "Um die Atmosphäre durch Aufforsten im gleichen Maß zu entlasten, müsste eine Fläche so groß wie Schweden gepflanzt werden." Derzeit arbeiten die Osram-Wissenschaftler an einer Ökobilanz von Leuchtdioden, die ebenfalls ein großes grünes Potential versprechen – die stecknadelkopfkleinen Leuchtmittel sind schon heute ähnlich effizient wie sparsame Leuchtstofflampen, und neue Materialien sollen die Lichtausbeute noch deutlich erhöhen.

Eine Energiediät ist auch bei den Produkten der Division Mobility angesagt, denn Eisenbahnen hinterlassen einen deutlichen ökologischen Fußabdruck. Lokomotiven, Straßenbahnen und Metros sollen daher möglichst sparsam sein und wenig Schadstoffe ausstoßen – im Betrieb, bei der Herstellung und beim Recycling. Um die umweltschonendste Konstruktion herauszufinden, greift auch Mobility auf Ökobilanzen zurück (siehe Artikel "Zug der Zeit"). "Die Kunden wollen eine Lok, die höchste Umweltstandards erfüllt", sagt Martin Leitel, bei Mobility Experte für nachhaltige Bilanzierung. "Da ist heute eine Lebenszyklusanalyse häufig Voraussetzung, um an Ausschreibungen überhaupt teilnehmen zu können."