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Licht als Köder: Schon seit Generationen locken die Fischer am Viktoriasee Omena-Sardinen mit Laternen an
– neuerdings auch mit umweltschonenden Energiesparlampen von Osram

Energie für Alle: Bei den Osram Energy Hubs können Menschen ohne Zugang zum Stromnetz Energiesparlampen leasen und Trinkwasser zapfen.

Energie für Alle: Bei den Osram Energy Hubs können Menschen ohne Zugang zum Stromnetz Energiesparlampen leasen und Trinkwasser zapfen.

Energie für Alle: Bei den Osram Energy Hubs können Menschen ohne Zugang zum Stromnetz Energiesparlampen leasen und Trinkwasser zapfen.

Energie für Alle: Bei den Osram Energy Hubs können Menschen ohne Zugang zum Stromnetz Energiesparlampen leasen und Trinkwasser zapfen.

Solarzellen auf dem Dach liefern den nötigen Strom.

Hoffnungsschimmer auf dem Viktoriasee

Seit Generationen benützen die Menschen am Viktoriasee Kerosinlampen zum Fischen und für ihre Hausbeleuchtung. Der schmutzige Brennstoff hat jedoch ernste Folgen für Gesundheit und Umwelt. In einem Pilotprojekt will Osram den Einheimischen eine Alternative bieten: Energiesparlampen sollen fern von jedem Stromnetz sauberes und sicheres Licht liefern – und dabei den Geldbeutel der Menschen schonen.

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Energie für Alle: Bei den Osram Energy Hubs können Menschen ohne Zugang zum Stromnetz Energiesparlampen leasen und Trinkwasser zapfen. Solarzellen auf dem Dach liefern den nötigen Strom.

Einmal aufladen reicht für zwölf Stunden Licht – und ist 30 Prozent billiger als das bisher genutzte Kerosin.

Wenn um sechs Uhr abends die Nacht über den Viktoriasee hereinbricht und die riesige Wasserfläche in Dunkelheit versinkt, beginnt der Arbeitstag von Pottas Aboy und seinen drei Kollegen. Mit kräftigen Schlägen paddeln sie hinaus auf Afrikas größtes Binnengewässer und halten erst inne, wenn das Ufer nur noch als schmaler Streifen zu erkennen ist. Vorsichtig lassen die kenianischen Fischer ein kleines Floß zu Wasser. Auf der schwankenden Plattform steht ein blauer Akku, darüber baumelt an einem Gestell aus Ästen eine Osram-Energiesparlampe. In ihrem Licht schimmert das Wasser dunkelgrün. "Damit locken wir vor allem Omena an, eine Sardinenart", sagt Pottas Aboy und versetzt der selbstgezimmerten Konstruktion einen leichten Stoß. Langsam treibt das Floß ab und verschwindet. "Jetzt warten wir, bis sich genügend Fische unter dem Lampenschein gesammelt haben", erklärt er. "Dann werfen wir rund um das Floß unser Netz aus und ziehen es blitzschnell ein." Pottas Aboy starrt in die Dunkelheit. Zu sehen ist nur noch ein kleines tanzendes Licht – auf einem See so groß wie Irland.
Unter den 175.000 Fischern am Viktoriasee sind Pottas Aboy und seine Kollegen mit ihren neuen Elektrolampen Pioniere. Zwar benutzen die Einheimischen schon seit Generationen Licht als Köder, doch bislang lockten sie ihre Beute mit Kerosinleuchten an. Eine Tradition mit fatalen Folgen, urteilt die deutsche Entwicklungsorganisation Global Nature Fund (GNF) mit Sitz in Radolfzell am Bodensee, denn das hoch entzündliche Kerosin habe bei vielen Fischern schwere Verletzungen hinterlassen. Zudem würde es oftmals auslaufen und das ohnehin belastete Gewässer noch weiter verschmutzen. Hinzu kommt der Ausstoß von Treibhausgasen: Etwa 50.000 t CO2 würden die Kerosinleuchten pro Jahr rund um den See in die Atmosphäre blasen.
Mit der Tradition zu brechen fällt den Leuten trotz allem schwer – das Gros der 30 Millionen Menschen am Viktoriasee hat keinen Zugang zum Stromnetz und ist deshalb auf das Kerosin angewiesen. Den giftigen Brennstoff verwenden sie dabei nicht nur zum Fischen, sondern auch um ihre Hütten zu beleuchten. Seit April 2008 haben die Menschen allerdings eine Alternative: Das von Osram und GNF initiierte Pilotprojekt "Umeme Kwa Wote" – Energie für alle – soll den Anrainer des Sees sauberes und sicheres Licht zu günstigen Preisen liefern.

Autarke Stromtankstellen. Möglich machen das sogenannte Energy Hubs, kleine Stromtankstellen, die ihre Energie über Solarzellen auf dem Dach gewinnen und völlig unabhängig vom Netz sind. "Dort können die Leute unsere Energiesparlampen samt Akkus leasen und wiederaufladen", sagt Jochen Berner, Osram-Projektleiter vor Ort. "Neben Licht bieten wir darüber hinaus auch frisch aufbereitetes Trinkwasser und einen Ladeservice für Handys an." Bislang hat Osram vier Hubs aufgebaut, drei in Kenia und einen im Nachbarland Uganda. Betrieben werden sie vom kenianischen Partnerunternehmen Thames Electrical und von Dembe Trading in Uganda. Geht es nach Wolfgang Gregor, dem Chief Sustainability Officer bei Osram, ist damit das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. "Derzeit verhandeln wir mit der Weltbank und Industriepartnern über eine Erweiterung des Projekts", erklärt er. "Unser Ziel sind circa 100 weitere Energy Hubs in Afrika und 20 in Asien."
Einer der Energie-Kioske steht in dem knapp 15.000 Einwohner zählenden Ort Mbita am Ostufer des Sees. Rund um das orange-weiß getünchte Backsteingebäude reihen sich Wellblechhütten, dazwischen scharren ein paar Hühner im Staub. In der drückenden Mittagshitze scheint die Welt eingeschlafen zu sein – doch hinter den Mauern des Hubs herrscht nun Hochbetrieb: Unermüdlich pumpen die 42 Solarpanels auf dem Dach die Energie der Tropensonne in die Akkus, bis zu 10 kW können sie dabei leisten. Nach etwa drei Stunden sind die 5 kg schweren Stromspeicher aufgeladen. Komplett vollgetankt bringen sie die 11-W-Energiesparlampen von Osram bis zu zwölf Stunden lang zum Leuchten. "Das ist mehr als genug für einen nächtlichen Fischzug", erklärt Jochen Berner. "Der entscheidende Vorteil unserer Lampe ist allerdings ihr Preis." Auf den ersten Blick scheint dieser noch recht hoch: 2.000 kenianische Schilling, etwa 20 €, müssen Interessenten für die Osram-Leuchte als Pfand hinterlegen – bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 35 € eine erkleckliche Summe. Hinzu kommt eine Gebühr von 100 Schilling, wenn der Kunde seinen Akku am Hub neu aufladen oder austauschen will. "Damit sich die Leute das Pfand leisten können, arbeiten wir mit lokalen Institutionen zusammen, die spezielle Mikro-Kredite anbieten", sagt Berner. "Die Kaution kostet dabei ähnlich viel wie eine neue Kerosinlampe – mit eben dem Unterschied, dass die Leute ihr Geld bei uns wieder zurückbekommen, wenn sie die Leuchte nicht mehr benötigen." Auch die "Ladung Licht" sei beim Energy Hub vergleichsweise günstig, sagt der Osram-Experte. Denn ein Fischer verbraucht pro Nacht etwa 1,5 l Kerosin – hierfür muss er etwa 150 Schilling berappen. "Bei uns zahlt er pro Nacht nur 100 Schilling, spart also 30 %", rechnet Berner vor. Zudem könne der Kunde mit dem Akku noch andere Elektrogeräte wie Handys oder Radios betreiben.
Obwohl das Konzept überzeugend klingt, stieß es zu Beginn wie so viele Entwicklungsprojekte auf nur mäßiges Interesse. "Die Leute hängen an ihren Traditionen, zudem sind die Gesellschafts- und Entscheidungsstrukturen komplett anders als in Industrieländern", erklärt der studierte Handelskaufmann. "Interessiert sich beispielsweise ein Mann für unsere Lampe, kann es schon mal passieren, dass ihm seine Ehefrau plötzlich einen Strich durch die Rechnung macht. Denn in Afrika verwalten oftmals die Frauen das Geld." Das Osram-Team musste daher viel Überzeugungsarbeit leisten und geduldig Beziehungen aufbauen – mit Erfolg. "Mittlerweile nutzen in unseren drei kenianischen Hubs etwa 600 Kunden unsere Lampen; davon sind 150 Fischer", freut sich Berner.

Licht bei Mama Austin. Ursprünglich speziell für die Fischerei entwickelt, finden die hellen und sauberen Leuchten auch bei immer mehr Haushalten Verwendung. Wie in dem Dorf Nyandiwa, 50 km südlich von Mbita. Dort steht unweit vom lokalen Energy Hub der kleine Laden von Mama Austin. Die Wellblechhütte ist vollgepackt mit Waren aller Art, an der Wand hängt ein vergilbtes Poster von US-Präsident Barack Obama, dessen Großmutter nur einige Orte weiter wohnt. Daneben baumelt die Osram-Lampe von der Decke. "Früher musste ich den Laden bei Sonnenuntergang schließen", erzählt Mama Austin. "Nun schalte ich einfach die Lampe an und habe bis neun Uhr abends geöffnet – seitdem läuft das Geschäft besser." Das helle Licht gefalle nicht nur den Kunden, sondern auch den Kindern, erklärt sie. "Mit der neuen Lampe können sie abends lernen, ohne sich die Augen zu verderben und die Dämpfe einzuatmen." Neben Lungenerkrankungen sind die trüben Kerosinlaternen auch für die meisten Brände im Dorf verantwortlich, weiß Ben Otieno, der den Energy Hub in Nyandiwa leitet. "Innerhalb von nur einem Monat sind drei Häuser abgebrannt", berichtet er. "Die Leute stehen dann buchstäblich vor dem Nichts." Für den Erfolg des Projekts ist es deshalb auch wichtig, die Menschen von den Gesundheitsvorteilen des Konzepts zu überzeugen, glaubt der Techniker.

Reinstes Trinkwasser. Beim Trinkwasserservice, den die Energy Hubs ebenfalls anbieten, ist das Ben Otieno und seinen beiden Kollegen bereits gelungen. Immer mehr Leute pilgern zu dem kleinen Wasserhahn auf der Vorderseite des Hubs um sich ihre Kanister auffüllen zu lassen. Pro Liter zahlen sie dabei zwei Schilling. Eine Investition in die Gesundheit, ist sich Otieno sicher, denn viele Dorfbewohner würden ihr Trinkwasser unabgekocht aus dem See holen – und diesen zugleich als Toilette und Waschmaschine benützen. "Deshalb wütet hier jedes Jahr die Cholera, mangels medizinischer Versorgung ist das ein Riesenproblem." Osram-Wasser aber ist sicher, betont er. "Und das hat sich im Dorf rumgesprochen."
Möglich macht das eine ausgeklügelte Aufbereitungsanlage, die Regenwasser aus einem Tank neben dem Hub in hochreines Nass verwandelt. Ihre Energie bekommt die Anlage von den Solarzellen auf dem Dach. Das Regenwasser fließt dabei zunächst in einen Durchlauffilter, der grobe Schwebstoffe entfernt. Dann tritt ein Aktivkohlefilter in Aktion: dieser bindet alle chemischen Stoffe und neutralisiert Gerüche. So aufbereitet wird das Wasser durch einen Mikrogewebefilter geschickt, um auch die winzigsten Partikel herauszupicken. Zuletzt geht es noch den übriggebliebenen Bakterien und Viren an den Kragen. Die Krankheitserreger werden dabei Opfer einer 11-W-Entkeimungslampe, die das Wasser mit UV-Licht desinfiziert. "Damit können wir bis zu 3.000 l pro Tag aufbereiten", erklärt Ben Otieno. "Und die Qualität übertrifft selbst die öffentlichen Brunnen."
Dass die autarken Energie-Kioske mit ihrem bunten Angebot in Kenia eine Zukunft haben und dem Kerosin Paroli bieten können, davon ist der Techniker überzeugt. Doch am Horizont droht ein neuer Konkurrent den Energy Hubs Kunden streitig zu machen – das Stromnetz. In einigen Dörfern haben die Hochspannungsleitungen bereits Einzug erhalten und die Energie-Pioniere eingeholt. Eine Entwicklung, die Projektleiter Jochen Berner jedoch nicht aus der Ruhe bringen kann. "Allein der Stromanschluss kostet 32.000 Schilling", erklärt er. "Hinzu kommen noch die Gebühren." Das, so Berner, könne sich kaum einer leisten. Selbst Leute, die bereits einen Anschluss haben, würden die zuverlässige Osram-Lampe nebst Akku zur Sicherheit leasen. "Denn das Netz bricht hier jeden Tag für ein paar Stunden zusammen." Für Pottas Aboy draußen auf dem See ist nun die Zeit reif. Zielstrebig rudern die vier Männer zu dem kleinen Licht, das in der Ferne auf den Wellen tanzt. Als sie das Floß erreichen, umschwirren ein paar Moskitos die Laterne. Routiniert bringen die Männer ihr Netz aus, kurz darauf hieven sie die Maschen an Bord. Das Wasser beginnt zu brodeln. Im Licht der Lampe glitzern die unzähligen Fische wie ein Silberschatz. Pottas Aboys Zähne blitzen in der Dunkelheit – sein Arbeitstag hat gut begonnen.

Florian Martini