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Die Nachfrage nach Sicherheitstechnologien ist in den vergangenen Jahren immens gestiegen. Unter anderem wegen des Risikobewusstseins in allen Fragen der zivilen Sicherheit: An Bahnhöfen, Flughäfen und für gewerblich genutzte Gebäude wurden die Sicherheitsstandards erhöht. Dies zeigt der Boom bei biometrischen Lösungen in den letzten Jahren, die über die Erkennung des Fingerabdrucks, der Sprache oder des Gesichts funktionieren, und bei Zugangskontrollsystemen (siehe Artikel Pictures of the Future, Frühjahr 2008, Digitale Assistenten – Fakten und Prognosen.) Auch Sicherheitstechnik rund um Videoüberwachungssysteme in U-Bahnen (siehe Artikel Pictures of the Future, Herbst 2006, Bildverarbeitung – Fakten und Prognosen) zeigt hohe Wachstumsraten. Weltweit ist zudem ein enormer Bedarf beim Schutz der Identität durch die zunehmende Digitalisierung des Alltags und den verstärkten Schutz von sensiblen Unternehmensdaten entstanden. Sicherheitstechnologien werden bei Authentifizierungs- und Transaktionsprozessen beim Online- oder Telefonbanking eingesetzt sowie beim Schutz vor gefälschten Medikamenten.
Wegen dieser großen Vielfalt sicherheitsrelevanter Themen in modernen Informationsgesellschaften, gehen die Analysten des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts und der Berenberg Bank in ihrer gemeinsamen Studie "Sicherheitsindustrie – Strategie 2030" davon aus, dass sich der globale Markt der Sicherheitsdienstleistungen auf 231 Mrd. $ im Jahr 2015 gegenüber dem Jahr 2005 verdoppeln wird. Auch das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen IDC rechnet in den kommenden Jahren auf dem Feld der Sicherheitsprodukte mit hohen Wachstumsraten, die vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise nur leicht nach unten korrigiert wurden. Laut der IDC-Marktanalyse "Worldwide Security Products 2008 – 2012: Postcrisis" sinken voraussichtlich die Wachstumsraten von 13,2 % in 2008 auf 9,8 % in 2009 und werden dann langsam wieder auf etwa 10,3 % in 2010 ansteigen. IDC-Analyst Brian E. Burke geht davon aus, "dass Sicherheitsprodukte auch 2009 stärker nachgefragt werden als andere IT-Technologien." Dies liege an gesetzlichen Auflagen durch europäische sowie internationale Richtlinien und deren Einhaltung in Unternehmen. So prognostiziert Burke für das Jahr 2010 und darüber hinaus wegen zusätzlicher Auflagen im Bereich Datenschutz und strengerer Regeln für die Finanzberichterstattung eine starke Belebung der Ausgaben für Sicherheit in Unternehmen.Analysten des internationalen Marktforschers Celent rechnen damit, dass die Abwicklung von bankgeschaeften sowohl über das Internet als auch über das Mobiltelefon in den westeuropäischen Märkten stark ansteigen wird. Während heute erst 6 % der Westeuropäer mobiles Banking nutzen, sollen es im Jahr 2010 bereits 25 % sein. Diese Entwicklung kann einhergehen mit immer mehr geschädigten Nutzern. Für 2007 registrierte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) gegenüber dem Vorjahr allein in Deutschland einen Anstieg beim Missbrauch von Geheimzahlen um 25 % und eine Schadenssumme von 19 Mio. €.
Phishing spielt zudem beim Online-Banking eine große Rolle, indem Kriminelle per E-Mail ein Schadprogramm einschleusen, das Geheimzahlen im Hintergrund ausspäht und weiterleitet oder aber die Nutzer beim Online-Banking heimlich auf andere gefälschte Seiten leitet, um die Beträge auf ein falsches Konto zu überweisen. Weltweit registrierte die Anti-Phishing-Initiative APWG im Dezember 2007 über 25 000 Attacken pro Monat. Der US-Marktforscher Forrester prognostiziert in seiner Studienreihe "Banking IT in 2023" aus dem Jahr 2008, dass die bequeme Abwicklung von bankgeschaeften über neuartige mobile Endgeräte künftig zum Standard werde. In dieser Studienreihe sieht Forrester Vice President Jost Hoppermann eine zweifache Authentifizierung zum Beispiel per Fingerabdruck sowie Passwörtern dabei als unerlässlich an.
Ein weiteres Einsatzfeld der Digitalen Wächter ist der Plagiatschutz mit RFID-Chips für mehr Sicherheit: Weltweit wächst der Funkchip-Markt. In Deutschland wird der Umsatz mit RFID-Komponenten zwischen 2006 und 2016 jährlich um 19% steigen. Weltweit betragen die jährlichen Wachstumsraten sogar 25 %, von heute etwa 5 auf dann 16 Mrd. €. Dies geht aus der aktuellen Studie "RFID-Funkchips: Vehikel für den effizienten Informationsaustausch" von Deutsche Bank Research hervor. "Warentransport und -logistik sind die größten Anwendungsfelder, der Einsatz bei hochpreisigen Medikamenten und Lifestyle-Drugs ist im Kommen", sagt Stefan Heng, Analyst bei Deutsche Bank Research. Dabei versehen Pharmahersteller Medikamenten-Großpackungen mit RFID-Tags sowie elektronischen Echtheitszertifikaten. Mit einem Lesegerät können Apotheker schnell die Echtheit des Medikaments überprüfen. Dieser noch junge Markt wird sich stark entwickeln. So prognostiziert das Marktforschungsunternehmen IDTechEx weltweit einen Anstieg des RFID-Equipments im Bereich Gesundheit von 20 Mio. US-$ im Jahr 2008 auf über 400 Mio. $ in 2018. Hintergrund dafür ist die seit Jahren stark steigende Zahl von Medikamenten-Plagiaten. So weist die EU-Zollstatistik für 2006 noch 2,7 Millionen gefälschte Medikamente aus. Im Jahr 2007 ist die Anzahl der Beschlagnahmungen im Vergleich zum Vorjahr bereits um 51 % gestiegen. Bei einer EU-weiten Aktion der Zollbehörden wurden allein im Jahr 2008 in nur zwei Monaten 34 Millionen gefälschte Medikamente sichergestellt.
"Der Markt rund um Sicherheitstechnologien hat sich von lediglich lose in Verbindung stehenden Nischenmärkten mittlerweile zu einem vibrierenden neuen Sektor entwickelt, der geprägt ist von Hightech-Anwendungen und hohen Wachstumsraten", resümiert Chefvolkswirt Wolfgang Pflüger von der Berenberg Bank. Längst sind noch nicht alle Marktpotenziale erschlossen. "Der Einsatz neuer Materialien und Sicherheitsmechanismen sowie die Entwicklung innovativer Anwendungsszenarien für moderne Hochsicherheitstechnologien müssen einen verbesserten Identitätsschutz gewährleisten", beurteilt Ulrich Hamann, Geschäftsführer der Bundesdruckerei GmbH, den Wachstumsmarkt.