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Dr. Ulrich Eberl
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2025

Im Eis der Inselgruppe Svalbard haben Forscher des Institutes ReLife Millionen Jahre alte Organismen mit bisher unbekannten Genen entdeckt, die die biotechnische Industrie revolutionieren könnten. Die Konkurrenz ist alarmiert. Aus diesem Grund sollen der Biologe Magnus Caspersen und sein Bruder, der IT-Spezialist Ole, Mittel und Wege finden, in das Forschungszentrum oder zumindest an die Ergebnisse zu gelangen.

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Eiskalt durchdacht

Svalbard, 2025. Auf der Inselgruppe oberhalb des nördlichen Polarkreises erforschen Wissenschaftler der Forschungsstation ReLife Millionen Jahre alte, unbekannte Mikroorganismen aus dem ewigen Eis. Doch sind sie auch sicher vor Spionen?

„Magnus, in dem Berg verbirgt sich ja ein riesiges unterirdisches Areal.” Ole ist überrascht, als er das E-Paper mit dem Querschnitt einer gigantischen Laboranlage nach einigen mühsamen Versuchen mit seinen dicken Handschuhen endlich aufgerollt hat und gegen den Höhenzug hält. Zwar wusste der IT-Sicherheitsexperte, dass seine Heimat Svalbard als größtes Labor der Welt für Arktisforschung bezeichnet wird. Dass hier aber eine derart große Forschungsstation existiert, hat er nicht geahnt. „Schon beeindruckend, nicht wahr?”, entgegnet ihm sein Bruder, der Biologe Magnus Caspersen. „In dieser Station werden unter anderem Algen erforscht, die aus einer Zeit stammen, als hier noch subtropische Temperaturen herrschten und die dann Millionen von Jahren eingefroren waren. Die Wissenschaftler beleben diese wieder, wie der Name ReLife schon sagt. In den reaktivierten Organismen haben die Forscher bisher unbekannte Gene entdeckt, die die gesamte biotechnische Industrie revolutionieren könnten und sogar für eine saubere Energieerzeugung von Nutzen sind. Jetzt weißt Du auch, warum unser Auftraggeber unbedingt wissen möchte, ob und wie man an die Forschungsergebnisse gelangen kann.”

Während Oles Blick über die vor ihm hängende Skizze wandert, ermahnt Magnus die Huskies mit einem Handbefehl zur absoluten Ruhe. „Beginnen wir mit dem Eingang. Kommen wir da irgendwie rein?”, fragt er. Ole kann sich ein leises Kichern nicht verkneifen. „Ich glaube kaum”, antwortet er, „wie Du siehst, wird das Außenareal mit Videokameras akribisch überwacht. Die registrieren nicht nur, wenn sich ihnen etwas nähert, sondern auch was – egal ob Vogel, Eisbär oder Mensch. Bei letzterem schlagen sie Alarm, da kannst du dir sicher sein.” Nach einem prüfenden Blick auf die liegenden Hunde stapft Magnus zu Ole, um mit ihm den Grundriss der Station genauer unter die Lupe zu nehmen. „Selbst wenn wir in den Berg eindringen könnten”, fährt dieser fort, „wäre laut diesem Plan vor jeder Labortür Schluss. Handscanner, die dank Infrarot-Technologie die Struktur der Hände bis auf die kleinsten Hautrillen samt Venen automatisch mit einer Datenbank abgleichen, gepaart mit einer biometrischen Spracherkennung sind wohl kaum zu knacken.”

Sein Bruder verliert langsam die Geduld: „Irgendwie müssen wir doch da rein kommen.” Er niest. „Mit deiner Erkältung wird das noch schwieriger”, nimmt Ole die Lage mit Humor. „Vor jeder Labortür steht zusätzlich ein Biochip-Detektor, der deinen Atem in wenigen Sekunden auf DNA-Bausteine bestimmter Bakterien und andere Organismen untersucht, die in den Labors nichts zu suchen haben.” „Apropos Atem, dank ihm sehen wir gleich nichts mehr”, bemerkt Magnus und wischt über das beschlagene E-Paper. „Wenn wir schon physisch nicht reinkommen”, denkt er nach, „dann vielleicht virtuell, etwa mit einem speziell programmierten Trojanischen Pferd, mit dem wir die Computer ausspionieren und…”

„Keine Chance”, unterbricht ihn Ole, ohne den Blick von der Karte zu lassen, „auf deren IT-System passt ein völlig neues Virenschutzprogramm auf. Es wird von einem Quantencomputer in der Zentrale auf dem Festland koordiniert, der mit seiner gigantischen Rechenleistung alle erdenklichen Virenkombinationen simuliert und bei einem Angriff erkennt.”

Der Computerexperte schaut nachdenklich zum Polarlicht: „Aber die Station hier und die Zentrale müssen doch miteinander kommunizieren. Mit einem Hochleistungsrechner könnten wir die Datenverschlüsselung knacken und den Datenverkehr abhören.” Doch hier widerspricht nun Magnus. „Kannst Du vergessen”, sagt er, „selbst ich als Biologe erkenne auf dem E-Paper, dass das hier bei der Satellitenverbindung eine quantenkryptographische Verschlüsselung ist. Somit sind alle Datenflüsse physikalisch nicht zu knacken – sie würden jeden Abhörversuch bemerken."

Ole ist genervt: „Dann haben wir wohl keine Möglichkeit, an die Ergebnisse zu gelangen. Wenn das so ist, sagt unser Auftraggeber, dann sollen wir prüfen, wie wir die ReLife-Forschungsarbeiten zumindest stoppen können.” Der Biologe überlegt: „Wir könnten mit Hilfe einer Drohne Gas-Kartuschen in die Nähe der Luftschächte abwerfen und so die hochsensiblen Mikroorganismen zerstören.” „Das bringt nichts”, widerspricht ihm Ole. „Wie ich auf dem Plan erkennen kann, sind im gesamten Komplex und auch im Lüftungssystem Brandmelder mit Gassensoren installiert, die laut unserem Informanten wahre Messwunder sind. Jedes dieser Geräte kann aus der Luft gefährliche Gase herausschnüffeln und bei Unregelmäßigkeiten Alarm schlagen. Gleiches gilt anscheinend auch für die Organismen-Behälter in den Lagerräumen. Auf denen steckt ein Funksensorchip, der nicht nur die Umgebungsdaten und die Temperatur misst, sondern über ein Automationssystem auch für die optimale Luftzusammensetzung sorgt – je nach Lagerkammer und Organismen-Art eine andere. Sobald diese Messzwerge nur den Hauch einer Abweichung bemerken, riegeln sie die Luftzufuhr ab und mixen sich ihre eigene Luft via Reservetanks.”

„Somit steht es fest”, resigniert Magnus, steigt auf den Schlitten und schnippt mit den Fingern. Sofort springen die Hunde auf und formieren sich. „Was steht fest?”, fragt Ole. „Dass die Station eine uneinnehmbare Festung ist. Was meinst Du?” Ole nickt, grinst, setzt ein Häkchen auf das E-Paper und steckt es weg. „Prüfung bestanden”, sagt er und steigt ebenfalls auf das Gefährt. „Das wird Deinen Auftrag- und meinen Arbeitgeber ReLife freuen”, zeigt sich Magnus zufrieden. „Ich glaub nicht, dass irgendjemand eine Chance hätte, hier einzudringen. Lass uns gleich den Bericht schreiben und dann Feierabend machen. Du bleibst doch noch zum Essen, Bruderherz? Emma macht heute ihren berühmten Rentier-Braten." „Ich lasse mir doch nicht die Kochkünste meiner Schwägerin entgehen”, lacht Ole, bevor er den Huskies beherzt den Befehl zum Loslaufen zuruft: "Ready – let's go!”

Sebastian Webel