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Am Puls der Zeit: Das Shisong Krankenhaus in Kamerun könnte die medizinsche Versorgung Zentralafrikas revolutionieren.
Ausgerüstet ist es mit einem hochmodernen Herzkatheterlabor.

Am Puls der Zeit: Das Shisong Krankenhaus in Kamerun könnte die medizinsche Versorgung Zentralafrikas revolutionieren.
Ausgerüstet ist es mit einem hochmodernen Herzkatheterlabor.

Am Puls der Zeit: Das Shisong Krankenhaus in Kamerun könnte die medizinsche Versorgung Zentralafrikas revolutionieren.
Ausgerüstet ist es mit einem hochmodernen Herzkatheterlabor.

Am Puls der Zeit: Das Shisong Krankenhaus in Kamerun könnte die medizinsche Versorgung Zentralafrikas revolutionieren.
Ausgerüstet ist es mit einem hochmodernen Herzkatheterlabor.

Bestens versorgt im Herzen Afrikas

In Kamerun mussten Patienten mit Herzerkrankungen für eine lebensrettende Operation bisher weit reisen. Vor Ort unterstützt Siemens nun das Shisong Krankenhaus dabei, mit dem ersten Katheterlabor Zentralafrikas die Gesundheitsversorgung dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird.

Image Image Am Puls der Zeit: Das Shisong Krankenhaus in Kamerun könnte die medizinsche Versorgung Zentralafrikas revolutionieren. Ausgerüstet ist es mit einem hochmodernen Herzkatheterlabor.

Der Weg nach Kumbo, einer Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern im Nordwesten Kameruns, ist beschwerlich: Die Straße, die Kumbo mit der 100 Kilometer entfernten Distrikthauptstadt Bamenda verbindet, ist staubig und voller Schlaglöcher. In der Trockenzeit braucht man für diese Distanz fünf Stunden, in der Regenzeit kann es auch schon mal drei bis fünf Tage dauern. Trotzdem ist Kumbo ein geschäftiger Ort. Motortaxis brausen die rot-sandigen Straßen entlang, Händler bieten ihre Waren auf Decken oder in Holzhütten feil.

Am Stadtrand liegt das Shisong Krankenhaus, das 1935 von Schwestern des Franziskanerordens aus Südtirol gegründet wurde. We- gen der damals hohen Säuglings- und Müttersterblichkeit stand dort am Anfang eine kleine Entbindungsstation. Dem jahrzehntelangen Einsatz der Ordensschwestern und Spenden aus Europa ist es zu verdanken, dass die Klinik heute über 350 Betten verfügt und zusätzlich etwa 100 ambulante Patienten versorgt. Als ein Priester aus Mailand vor elf Jahren eine afrikanische Einrichtung suchte, der er ein Herzzentrum spenden wollte, fiel die Wahl wegen seines guten Rufs auf das Shisong Krankenhaus.

Für Ordensschwester Appolonia Budzee, die gute Seele des Hauses, ist dies der richtige Weg: „Wir wollen Dezentralisierung. Nicht alle modernen Einrichtungen müssen in Yaoundé oder Douala stehen“, sagt sie in Bezug auf die politischen und wirtschaftlichen Zentren Kameruns. „Kumbo kann bald die Hauptstadt für die medizinische Versorgung des Landes sein.“ Schon jetzt ist das neue Herzzentrum, das 2009 eröffnet wurde, in der Region etwas Besonderes. „Shisong ist die einzige Einrichtung ihrer Art in ganz Zentralafrika“, freut sich Schwester Appolonia. „Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen kommen aus ganz Kamerun und aus benachbarten Ländern wie Nigeria oder Gabun, manchmal sogar aus dem 5.000 Kilometer entfernten Äthiopien.“

Mit dem hochmodernen Herzzentrum mit zwei Operationssälen und einer Intensivstation könnten die Ärzte von Kumbo die medizinische Versorgung Zentralafrikas revolutionieren. Wo Patienten für schwierige Eingriffe am Herzen früher nach Europa fahren mussten, können sie nun in Kamerun behandelt werden. Leider können mehr als die Hälfte der Kameruner Herzpatienten ihre Behandlung nicht aus eigener Tasche bezahlen. Deswegen betreibt das Herzzentrum des Shisong Krankenhauses eine Herzstiftung, um mit deren Spendengeldern allen die Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, die sie brauchen.

Das Flaggschiff des Herzzentrums ist ein nach neuestem Stand der Technik eingerichtetes Katheterlabor, ein Hightech-Raum, in dem Herz- und Gefäßerkrankungen erkannt und behandelt werden. Zentrales Element dieses Katheterlabors ist ein neues Angiographiegerät von Siemens. Muss ein Patient am Herzen operiert werden, geschieht das nun nicht mehr am offenen Herzen, sondern durch einen kleinen Schnitt in der Leiste oder dem Ellenbogen – ein minimal-invasives Vorgehen, bei dem ein schmaler Schlauch, der Katheter, bis zum Herzen geführt wird. Damit der Arzt weiß, wo sich der Katheter gerade befindet, kann er mit dem Angiographiegerät während des Eingriffs digitale Röntgenbilder des Körpers aus sehr vielen Perspektiven in Echtzeit aufnehmen und sie vor sich auf drei Flachbildschirmen betrachten.

Am Shisong Krankenhaus werden die klinischen Bilder dann in einem Siemens-IT-System gespeichert, damit sie mit Bildern aus früheren oder späteren Krankheitsstadien verglichen wer-den können und so der Erfolg eines Eingriffs beurteilt werden kann. Dr. Jean-Claude Ambassa, einer der Kardiologen im Shisong Krankenhaus, urteilt: „Die Mikrochirurgie hilft uns, schneller und akkurater zu operieren als zuvor, und die Patienten erholen sich schneller von der Operation.“ „Wir haben uns bewusst für das neueste Gerät entschieden“, sagt Schwester Appolonia. „Älteres Equipment scheint anfangs billiger, aber später hat man Ärger damit.“

Von Forchheim nach Kumbo. Das High-Tech-Gerät nach Kumbo zu bringen, war eine besondere Herausforderung für die beiden Service-Techniker von Siemens Healthcare, Benjamin Wallon und Bruno Peynshaert. 9.000 Kilogramm Technik mussten am Produktionsstandort Forchheim in ihre Einzelteile zerlegt und für die Reise nach Kumbo stoßsicher verpackt werden – für den Transport des Schwergewichts per Schiff und Lkw ein Muss. Vor Ort arbeiteten Wallon und Peynshaert mit Technikern des Shisong Krankenhauses drei Wochen lang von früh morgens bis in den Abend, um das Hightech-Puzzle wieder zusammenzubauen und in Betrieb zu nehmen: Die Einzelteile mussten verschraubt, die Mechanik, die Verkabelung und die elektronischen Funktionen eingestellt werden. Eine ganze Woche verwendeten die Ingenieure dazu, die Techniker und Ärzte in die Bedienung des Gerätes einzuweisen, so dass sie auf so wenig Hilfe von Außen wie möglich angewiesen sind.

Peynshaert ist zuversichtlich, dass das neue Katheterlabor gute Dienste leisten wird: „In entwickelten Ländern würde ein solches Labor etwa neun Jahre im Einsatz sein, bis die Geräte den dortigen Standard überholt haben. Bei pfleglicher Bedienung können die Ärzte in Kumbo aber gut und gerne zwölf Jahre damit arbeiten.“ Sollte in Zukunft trotzdem ein Software-Fehler auftreten, können die Service-Techniker von Belgien aus per Internet auf das Gerät zugreifen und den Fehler beheben. Möglich machen dies die relativ stabile Internetverbindung des Krankenhauses und das Programm Siemens Remote Service, welches das Service Center in Deutschland alarmiert, noch bevor das Gerät überhaupt ausfällt.

Trotz der Erfolgsgeschichte des Krankenhauses haben die Verantwortlichen mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Schwierig gestaltet sich etwa die Suche nach qualifiziertem Personal; ein Herzchirurg in Vollzeit wurde erst kürzlich nach langer Suche gefunden. Gut ausgebildete Kameruner gehen lieber ins Ausland. Das Krankenhaus sucht bis heute noch einen Anästhesisten. Der Kardiologe Ambassa ist einer der wenigen Ärzte in Kumbo, die nach ihrem Studium im Ausland nach Kamerun zu- rückgekehrt sind. Ihm macht noch etwas anderes Sorgen: „Kardiovaskuläre Erkrankungen entwickeln sich zur Todesursache Nummer eins in Kamerun“, sagt Ambassa.

Tatsächlich entfielen im Jahr 2010 nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation 14 Prozent der Todesfälle in Kamerun auf eine Herz-Kreislauf-Krankheit – Tendenz steigend. Ambassa macht dafür einerseits Armut und späte Diagnosen verantwortlich, andererseits auch einen zunehmend veränderten Lebensstil seiner Landsleute. „Viele entscheiden sich für einen europäischen Lebensstil. Sie essen mehr Fett, machen wenig Sport, arbeiten in Büros – das führt zu Herzproblemen“. Seitdem das Herzzentrum am Shisong Krankenhaus vor drei Jahren öffnete, kamen mehr als 10.000 Patienten zur Untersuchung. „Das zeigt, wie groß das Problem wirklich ist“, fügt Ambassa hinzu. Für die nächsten Jahre plant das Krankenhaus die Anschaffung einer Blutbank, um das Herzzentrum mit dringend benötigtem Blutplasma zu versorgen. Zudem will die Regierung die Straßenverhältnisse verbessern. Im Shisong Krankenhaus weiß man, dass man buchstäblich noch einen weiten Weg vor sich hat.

Marc Engelhardt