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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
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Wie Städte voneinander lernen können

Seit drei Jahren untersucht und bewertet die Forschungsreihe "Green City Index" die Umweltleistung von Städten auf der ganzen Welt. Nach mehr als 120 Städten lohnen sich ein weltweiter Vergleich und die Suche nach Erfolgsfaktoren.

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Sieben Faktoren für grünere Städte

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1. Umweltplanung auf Stadtebene Die besten Städte im Green City Index zeichnet vor allem eines aus: Sie nehmen ihre Planung selbst in die Hand. Nationale Verordnungen können zwar Anreize liefern, Umweltschutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Städte müssen jedoch genügend Eigenverantwortlichkeit besitzen, um die richtigen Prioritäten zu setzen.
2. Ganzheitlicher Ansatz Die verschiedenen Umwelt- und Infrastrukturthemen hängen in jeder Stadt eng zusammen und müssen daher von der Politik ganzheitlich angegangen werden. Die Regierung der brasilianischen Stadt Curitiba beispielsweise hat erkannt, dass ein gut funktionierender öffentlicher Nahverkehr die Luftqualität erheblich verbessert – sie beschließt daher seit vielen Jahren eine übergreifende Strategie.
3. Reichtum ist nicht alles Umweltschutz ist keine Frage des Wohlstands – das beweisen Städte wie Bogotá, Delhi, Berlin oder Vancouver, die ein relativ geringes BIP aufweisen und trotzdem im Index gut abschneiden. Sie haben kostengünstige Maßnahmen, etwa im Bildungsbereich, ergriffen und ihre Umweltleistung verbessert. Häufig bewirkt ein höheres Einkommen sogar eine Verschlechterung des Ergebnisses, wenn der Ressourcenverbrauch ansteigt oder mehr Menschen sich ein eigenes Auto leisten.
4. Bürgerbeteiligung Maßnahmen für den Umweltschutz lassen sich mit Unterstützung der Bürger leichter und erfolgreicher durchführen. Deshalb sollten sie bei wichtigen Entscheidungen einbezogen werden. Städte wie Delhi oder Porto Alegre ermuntern beispielsweise Schüler zu mehr Umweltschutz oder lassen Bürger über bestimmte Maßnahmen abstimmen.
5. Die richtigen Technologien Mit heute verfügbarer Technologie lassen sich CO2-Emissionen und Energieverbrauch deutlich verringern. Beispielsweise könnte London alleine durch effiziente Technologien seine CO2-Emissionen um 44 Prozent reduzieren, ohne dass die Menschen ihre Konsumgewohnheiten ändern müssten. Häufig scheuen sich Städte vor den höheren Anfangskosten, doch langfristig lohnt sich die Investition.
6. Mensch und Umwelt Gesundheit und Armut hängen eng mit Umweltproblemen zusammen – die Aspekte müssen daher zusammen betrachtet werden. Wer Abfall und Abwasser richtig entsorgt oder mehr Menschen mit Strom und Trinkwasser versorgt, hilft Krankheiten einzudämmen. Zudem schafft der Bau neuer Infrastrukturen Arbeitsplätze und Wohlstand.
7. Informelle Siedlungen Im African Green City Index zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Anteil der Menschen, die in informellen Siedlungen leben und dem Gesamtergebnis in der Studie. Trinkwasser, Strom, Abfallmanagement oder Kanalisation sind hier nicht ausreichend vorhanden. Nur wenn Infrastrukturen ausgebaut werden, gibt es eine Chance, Armut und Umweltverschmutzung gleichermaßen einzudämmen.

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Auf den ersten Blick haben die dänische Hauptstadt Kopenhagen und die südafrikanische Stadt Durban wenig gemeinsam. Was sie jedoch verbindet: Beide wollen CO2-neutral werden. Kopenhagen bis 2025, Durban bis 2050. Beide Städte haben erkannt, dass Umweltschutz als Teil der Stadtplanung längst kein Luxus mehr ist, sondern eine Notwendigkeit. Denn die Städte wachsen rasant. Lebt heute etwa die Hälfte aller Menschen in einer Stadt, werden es 2050 voraussichtlich zwei Drittel sein: Dann werden fast so viele Menschen in Städten leben wie heute auf der ganzen Erde. Immer mehr Bewohner müssen mit Strom und Wasser versorgt werden, das Abfallaufkommen steigt, der Verkehr wird dichter und Kanalisationssysteme stoßen an ihre Grenzen – mit negativen Folgen für Umwelt und Wirtschaft, aber auch für die Gesundheit der Menschen. Um die Probleme angehen zu können, braucht es zunächst fundiertes Wissen darüber, wo genau die Herausforderungen liegen und wie andere Städte weltweit damit umgehen. Dieses Ziel verfolgt der Green City In- dex, eine Forschungsreihe, die Siemens gemeinsam mit der Economist Intelligence Unit (EIU) seit drei Jahren durchführt. Betrachtet wird die gesamte Bandbreite ökologischer Nachhaltigkeit: CO2-Emissionen, Energie, Gebäude, Landnutzung, Verkehr, Wasser und Abwasser, Abfallmanagement, Luftqualität und Umweltpolitik. Bisher sind Studien für Europa, Lateinamerika, Asien, USA/Kanada, Deutschland und Afrika erschienen – Pictures of the Future hat ihre wesentlichen Ergebnisse in den vergangenen Heftausgaben dokumentiert. Derzeit entsteht eine weitere Studie für Australien und Neuseeland.

Die Städte bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit. In asiatischen Metropolen leben im Schnitt mehr als doppelt so viele Menschen wie in Europa. Auch das Einkommen variiert stark: Während die USA und Kanada über ein durchschnittliches Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 46.000 US-Dollar pro Person verfügen, müssen Menschen in den Städten Lateinamerikas mit 11.100 Dollar auskommen. Doch der weltweite Vergleich der City Indizes zeigt auch: Viele Städte haben bereits durch effiziente Infrastrukturen oder eine ambitionierte Politik ihre Umweltleistung verbessert – Beispiele, die anderen Metropolen als Vorbild dienen können. Zu beachten ist allerdings, dass jeder City Index eigene, auf die untersuchte Region zugeschnittene Indikatoren berücksichtigt. Eine weltweite Vergleichbarkeit ist daher nur für wenige Merkmale möglich.

Bevölkerungsdichte
  • ● Eine hohe Bevölkerungsdichte hilft, effiziente Infrastrukturen aufzubauen, zum Beispiel ein öffentliches Verkehrsnetz.
  • ● Am dichtesten besiedelt sind die asiatischen Städte: Ihre Bevölkerungsdichte ist im Durchschnitt etwa doppelt so hoch wie in den Städten der anderen untersuchten Regionen. In Mumbai leben sogar 27.000 Menschen auf einem Quadratkilometer – mehr als in jeder anderen untersuchten Stadt.
  • ● Städtische Zersiedelung ist insbesondere in den nordamerikanischen Städten ein weit verbreitetes Problem.


Grünflächen
  • ● Lateinamerikanische Städte sind reich an öffentlichen Parks und Erholungsgebieten: Rund 255m2 Grünflächen gibt es hier pro Person, in Asien sind es nur 39 m2.
  • ● Vorbildlich in Sachen Raumplanung sind New York und Singapur: Beide Städte vereinen umfangreiche Grünflächen mit einer gleichzeitig hohen Bevölkerungsdichte.


CO2-Emissionen
  • ● Städte in Kanada und den USA verursachen im Schnitt mehr CO2-Emissionen pro Kopf als die europäischen und asiatischen Städte zusammen.
  • ● Die beste Stadt in den industrialisierten Ländern ist Oslo mit einem Ausstoß von 2,2 Tonnen pro Person.


Abfallaufkommen
  • ● Europäer produzieren am meisten Müll. Nur zehn Prozent der untersuchten Städte erzeugen jährlich weniger als 400 kg Abfall pro Person.
  • ● Beste Stadt in der industrialisierten Welt ist Yokohama mit einem Abfallaufkommen von 300 kg pro Person und Jahr.
  • ● Den besten Wert im weltweiten Vergleich erzielt Delhi: Nur 147 kg Abfall produzieren die Menschen dort im Schnitt pro Jahr.


Recycling
  • ● Mit einer Recyclingquote von 81 Prozent ist die deutsche Stadt Leipzig zwar Weltmeister, insgesamt betrachtet sind die Städte Nordamerikas jedoch führend.
  • ● In San Francisco recyceln die Einwohner 77 Prozent ihres Abfalls, in Los Angeles sind es 62 Prozent.


Genutzte Verkehrsmittel
  • ● Für den Arbeitsweg nutzen europäische Stadtbewohner überwiegend öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad, oder sie gehen zu Fuß. In Stockholm sind es sogar 93 Prozent.
  • ● Anders in Nordamerika: Hier fahren 87 Prozent der Bevölkerung mit dem Auto zur Arbeit. Positiv fällt die Stadt New York auf: 37 Prozent der Einwohner nutzen öffentliche Verkehrsmittel für den Arbeitsweg.


Wasserverlust im Leitungssystem
  • ● Undichte Wasserleitungen sind vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern ein Problem. In Rio de Janeiro gehen ganze 58 Prozent des Wassers auf diese Weise verloren.
  • ● Anders in den USA und Kanada: 15 der 27 untersuchten Städte verlieren weniger als zehn Prozent des Wassers durch Lecks im Leitungsnetz.
  • ● Im weltweiten Vergleich schneiden Chicago, Tokio, Amsterdam und Berlin am besten ab – mit Werten von jeweils rund drei Prozent.


Wasserverbrauch
  • ● Am wenigsten Wasser wird in Afrika verbraucht, da viele Menschen nur sehr eingeschränkten Zugang zu Trinkwasser haben.
  • ● In der entwickelten Welt verbrauchen Tallinn in Estland und Amsterdam am wenigsten Wasser: rund 140 Liter pro Person und Tag.
  • ● In drei Städten in den USA und Kanada liegt der Verbrauch dagegen sogar bei mehr als 800 Litern pro Person und Tag.
Nicole Elflein / Karen Stelzner