Leistungsfähige Software-Module arbeiten im Verborgenen und sind längst unentbehrlich zur Bewältigung der Informationsflut im Internet. Gemäß einer Analyse des US-Unternehmens Cisco werden bis 2020 über 50 Milliarden Geräte vernetzt sein, vom Smartphone, PC und Bankautomaten über Waren im Container bis zu Fertigungsanlagen in Fabriken. Die Marktforschung Gartner sieht das Internet der Dinge als eine der strategischen Technologien unserer Zeit. Zugleich sollen Lösungen zur Identifizierung, Analyse und Kommunikation in den nächsten fünf Jahren eine kritische Masse erreichen und damit wirtschaftlich nutzbar sein. Zu den wesentlichen Elementen des Internet der Dinge gehören nach Gartner neben integrierten Sensoren in Geräten und Objekten die Bilderkennung über Kameras in mobilen Endgeräten und das Bezahlen via Near Field Communication (NFC). Hierbei legen zum Beispiel Nutzer ihre Handys in die Nähe eines NFC-Lesegeräts und zahlen damit ihre Einkäufe.
Erste Anwendungen für das Internet der Dinge gibt es bereits – etwa bei der Mauterfassung, bei Navigationssystemen, fernauslesbaren Zählern in dezentralen Energiesystemen oder in der automatisierten Lagerhaltung. Inzwischen gibt es sogar ein niederländisches Start-up-Unternehmen, das Kühe mit Sensoren ausstattet. Die kleinen Geräte melden, wenn die Tiere krank oder trächtig sind. Gemäß dem Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme in Duisburg ermittelt ein aktives Transpondersystem, das sich im Pansen der Kuh befindet, relevante Parameter wie pH-Wert des Blutes oder Temperatur und überträgt diese Daten an externe Empfangseinheiten am Halsband der Kuh. Von dort werden sie über ein drahtloses Sensornetzwerk zu einer zentralen Datenbank weitergeleitet. Ist zum Beispiel der Blut-pH-Wert der Kuh zu niedrig, erhält der Landwirt einen Warnhinweis auf seinem PC. Auch bei Menschen könnten künftig EKG-Sensoren am Körper die Herztätigkeit überwachen und mit Smartphones verbunden werden, die dann aktuelle Daten über den Gesundheitszustand anzeigen.
Zu den aussichtsreichsten Anwendungen gehören laut dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) die Gesundheitstelematik, die Haus- und Gebäudeautomation sowie industrielle Produktion und Logistik. Auch die Marktforscher von Forrester Research sehen in der Logistikbranche erhebliches Potenzial. „Die Kosten für ein einfaches Flottenmanagementgerät haben sich in den letzten Jahren auf durchschnittlich 100 US-Dollar halbiert", erläutert Forrester-Analystin Michele Pelino. Jedes Paket, jeder Container, jeder Transportbehälter, so die Vision des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund, findet selbst den richtigen Weg zum Empfänger. Das Ziel wird einfach in die intelligenten Etiketten geschrieben. „So weiß das Paket, wo es hin muss, und bucht seinen Platz in einem Transportfahrzeug", erklärt Prof. Dr. Michael ten Hompel, Leiter dieses Fraunhofer-Instituts.
Technische Grundlage der Anbindung von Alltagsgegenständen an Netzwerke ist die Radio Frequency Identification – RFID –, bei der Daten aus dem Chip über Funk übertragen werden. Damit, so der VDI, werden „Low-cost-Artikel zu smarten Objekten.“ RFID-Systeme lassen sich überall einsetzen, wo automatisierte Kennzeichnung, Identifikation, Registrierung, Lagerung, Überwachung oder Transport erforderlich sind. Gemäß einer Studie von Frost & Sullivan von 2011 wird allein der weltweite RFID-Markt von drei bis vier Milliarden US-Dollar in 2009 bis 2016 jährlich um 12 Prozent wachsen und somit etwa gut 6,5 bis knapp 9 Milliarden Dollar erreichen. „In den nächsten Jahren wird jedes Gerät ans Netz gehen. Der Trend wird jede Branche und jeden Lebensbereich erfassen", prophezeit Dave Evans, Chief Futurist bei Cisco, einen Boom für das Internet der Dinge. Marktforscher erwarten, dass vor allem auch die Smartphones das Internet der Dinge ins Endkundengeschäft tragen und neue attraktive Anwendungen fördern werden. „Die Anbieter setzen klar erkennbar darauf, den Funktionsumfang der Geräte um die Sensorik zu ergänzen, um neue Geschäftsmodelle zu unterstützen“, erläutert Prof. Dr. Gerrit Tamm, Professor für Wissenschaftsinformatik and der SRH Hochschule Berlin.
Hinzu kommt, dass bis 2020 in der Europäischen Union 80 Prozent aller Haushalte mit intelligenten Stromzählern ausgestattet sein sollen. Werden die Stromzähler um eine intelligente Steuereinheit ergänzt, können sie Waschmaschinen, Kühlanlagen oder Wärmepumpen zu günstigen Tarifzeiten selbsttätig starten. In den „intelligenten Häusern“ werden drahtlose Sensoren Beleuchtungssysteme, Energiemanagement oder Sicherheitssysteme steuern. Nach einer Analyse der Marktforscher von Marketsandmarkets wird vor allem die Notwendigkeit, Energie einzusparen, den Markt für Smart Homes vorantreiben. Das Energiemanagement kann dann auch via Smartphone oder PC aus der Ferne kontrolliert und verwaltet werden. Die Marktexperten prognostizieren, dass dieser globale Markt von 5,3 Milliarden US-Dollar in 2010 auf 11 Milliarden in 2015 steigen wird.
Auch in China gilt das Internet der Dinge als wichtiges Zukunftsthema. Daher hat die Regierung im Februar 2012 beschlossen, dieses Thema in den nächsten fünf Jahren mit einem rund 775 Millionen US-Dollar ausgestatteten Fonds zu unterstützen. Der offizielle chinesische Markt für das Internet der Dinge umfasst allerdings ein weites Feld der Sicherheits- und Umwelttechnik und der Gesundheitsüberwachung und betrug 2010 rund 31 Milliarden US-Dollar. Bis 2015 soll dieser Bereich nach einem von der Xinhua News Agency Ende 2010 veröffentlichten Bericht auf etwa 116 Milliarden Dollar ansteigen. Im Mai 2010 wurde zwischen der EU und China eine Expertengruppe „EU-China Internet der Dinge“ gegründet. Das Ziel: die Förderung technologischer Innovationen und einheitlicher Standards von Europa bis nach Fernost rund ums Internet der Dinge. In Europa werden allerdings nicht nur die Chancen diskutiert, sondern intensiv auch die Auswirkungen auf Datenschutz und Privatsphäre. Diese Themen sollen auch auf internationaler Ebene behandelt werden.