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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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Mit gutem Beispiel voran: „The Crystal“ in London beherbergt die weltweit größte Ausstellung über nachhaltige Städteplanung
und ist dank moderner Gebäudetechnologien auch selbst eines der umweltfreundlichsten Gebäude der Welt.

Musterschüler aus Glas

In London entsteht eines der nachhaltigsten Gebäude der Welt. In Mexiko feiert das grünste Bürogebäude des Landes seine Eröffnung. Und in New York wird eine 120 Jahre alte Konzerthalle zum Vorzeigeobjekt modernster Gebäudetechnologien. Was sie gemeinsam haben, ist "Siemens inside".

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Carnegie Hall

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Neubauten ermöglichen es Architekten und Planern, vom Reißbrett nachhaltige Gebäude zu planen und hocheffiziente Technologien zu integrieren. Doch was, wenn ein 120 Jahre altes Konzerthaus zu einem grünen Gebäude werden soll? Die Carnegie Hall, eines der Wahrzeichen von New York, wird derzeit im Rahmen des „Studio Towers Renovation Project“ für fast 220 Millionen US-Dollar von Grund auf renoviert. Fast 15.000 Quadratmeter sollen modernisiert und dabei Energieverbrauch und CO2-Emissionen eingedämmt werden. Siemens steuert ein ausgeklügeltes Gebäudemanagementsystem bei. Wie bei einem Orchester kommt es auch hinter den Kulissen auf das perfekte Zusammenspiel aller Beteiligten an. Deswegen ist das System mit Heizung, Lüftung und Klimaanlage, aber auch mit der Beleuchtungssteuerung, der Brandmeldeanlage und dem Sicherheitssystem verbunden. Dadurch können die Mitarbeiter den Stromverbrauch des Gebäudes besser im Blick behalten. Die aktuellen Werte kann sich der Gebäudemanager auf einem Monitor anzeigen und sich per Email oder SMS informieren lassen, wenn etwas im Gebäude nicht in Ordnung ist, zum Beispiel bei einem Feueralarm oder wenn Heizung, Lüftung und Klimaanlage nicht plangemäß funktionieren. Diese Maßnahmen machen die Carnegie Hall nicht nur sicherer, sondern sie helfen auch, Energie zu sparen. Ist das System komplett installiert, soll das Gebäude die LEED-Zertifizierung „Silber“ erhalten – dann wäre die altehrwürdige Carnegie Hall eines der ältesten Gebäude mit einer solchen Auszeichnung. Und ein Genuss für Ohren und Umwelt.

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Landeszentrale Mexiko

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Das Gebäude als Aushängeschild – dieser Grundsatz trieb Siemens auch in Mexiko an, als es darum ging, eine neue Landeszentrale zu errichten. In nur 14 Monaten wurde das Bauwerk fertig gestellt und strebt jetzt nach einem LEED-Zertifikat in Gold in den Kategorien „Gewerbliche Innenräume“ und „Rohbau“. Damit wäre es das grünste Bürogebäude Mexikos. Rund 30 Prozent weniger Energie als vergleichbare Gebäude verbraucht die neue Zentrale. Dazu trägt ein modernes Gebäudemanagementsystem von Siemens bei, das alle Daten, wie Raumtemperatur und Lüftung im Blick behält. 105.000 Leuchtdioden von Osram sorgen für energieeffiziente Beleuchtung der insgesamt 17.000 Quadratmeter. Gleichzeitig ermöglicht das architektonische Design, Sonnenlicht so lange wie möglich zu nutzen. Und dank einer modernen Wasseraufbereitungsanlage konnte der Verbrauch um 20 Prozent reduziert werden.

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Ein Sommertag in London: Die Sonne vertreibt die hartnäckigen Wolken und taucht die noch regennassen Royal Victoria Docks in ein warmes Licht. Zwischen Wohnblocks, Hotels, Lagerhallen, Kränen und Hafenbecken erhebt sich ein bizarrer Kristall – ein ausladendes Gebäude aus Glas und Stahl, das an Werke der Kubisten erinnert. Auf seiner glatten, in spitzen Winkeln geformten Oberfläche spiegelt sich die Umgebung in ihren zahlreichen Facetten: das silbrig glitzernde Wasser, die grünen Parkanlagen und die vorbeischwebenden rot-weißen Waggons der Seilbahn, die zur nahegelegenen O2-Arena führt. Auf dem Dach des wunderlichen Gebäudes sammeln Photovoltaikanlagen die Sonnenstrahlen auf und erzeugen daraus Strom. Gleichzeitig schützt der obere Teil des Bauwerks durch seine ausladende Form die unteren Ebenen vor der Sonneneinstrahlung und verhindert, dass das Gebäude zu stark aufgeheizt wird.

Im „Crystal“ wird nichts dem Zufall überlassen. Hier, im neuen Siemens-Nachhaltigkeitszentrum für Städte, sollen modernste Technologien und durchdachtes Design Hand in Hand gehen – und der Konstruktion noch das letzte Quäntchen ungenutzte Energie abringen. „Das Crystal ist eines der nachhaltigsten Gebäude der Welt“, sagt Projektleiter Dr. Werner Kruckow vom Siemens Global Center of Competence (CoC) Cities. „Wir haben hier ein voll-elektrisches Gebäude, in dem keinerlei fossile Brennstoffe verbrannt werden. Zugleich wird das gesamte Brauchwasser wiederverwendet und jeder Tropfen Regenwasser genutzt. Und wir messen sämtliche Gebäudedaten, um das Bauwerk möglichst effizient steuern zu können.“

Auch im Inneren des Londoner Kristalls dreht sich alles um Nachhaltigkeit und um die Zukunft der Städte mit all ihren Herausforderungen. Das Crystal beherbergt die weltweit größte Ausstellung zum Thema nachhaltige Städteplanung. Sie beleuchtet alle Facetten des Lebens in Städten: Gebäude sind beispielsweise derzeit für rund 40 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich – was sind ihre größten Schwachstellen und wie können sie beseitigt werden? Wie können wir der Umweltverschmutzung Einhalt gebieten, die Ressourcen der Erde schonen und wie verhindern, dass unsere Städte in Zukunft im Verkehrschaos ersticken? Das Crystal, so Kruckow, soll seinen Besuchern die passenden Antworten liefern und zeigen, was mit heute verfügbaren Technologien bereits möglich ist.

Bestes Beispiel ist das spektakuläre Gebäude selbst. Auf seinen beinahe 7.000 Quadratmetern kommen die fortschrittlichsten Technologien zum Einsatz, die es gibt. Ziel der Siemens-Planer war es von Anfang an, die höchsten Zertifizierungen nach LEED und BREEAM zu erhalten – beides strenge Umweltstandards für nachhaltiges Design und Bauweise. Damit waren hohe Anforderungen an Architekten und Designer gestellt. Der Erfolg spricht für sich: Das Crystal verbraucht etwa 50 Prozent weniger Energie und emittiert ungefähr 65 Prozent weniger CO2 als vergleichbare Bürogebäude.

Gelungen ist dies vor allem durch das Zusammenspiel der einzelnen Technologien, aber auch des Gebäudes mit seiner Umwelt. „Mit seiner speziellen Form kann das Crystal hervorragend Regenwasser auffangen“, erzählt Anokhee Shah, Ingenieurin für Umweltdienstleistungen beim Beratungsunternehmen Arup. „Auf dem Dach wird das Wasser gesammelt, passiert mehrere Filter und gelangt anschließend in einen riesigen unterirdischen Tank. Über Membran- und Kohlefilter sowie UV-Bestrahlung wird es dann gereinigt, bis es Trinkwasserqualität besitzt.“ Dank dieser ausgeklügelten Siemens-Technik und des berühmt zuverlässigen Londoner Regens können theoretisch 85 Prozent des Trinkwasserbedarfs im Gebäude durch Regenwasser gedeckt werden.

Erwärmt wird das Wasser zum Teil mit Hilfe der Solarthermieanlagen auf dem Dach, die für rund ein Fünftel des Warmwasserbedarfs des Crystals sorgen. Einmal verwendet, wird das wertvolle Nass jedoch nicht in die Kanalisation geleitet, sondern wieder gesammelt und gereinigt, um dann nochmals für Toilettenspülungen oder zur Gartenbewässerung zum Einsatz zu kommen. Hierzu verfügt das Crystal über eine eigene Kläranlage.

Doch nicht nur Trinkwasser, sondern auch Wärme für die Gebäudeheizung holt sich das Gebäude aus seiner Umgebung. „Im Sommer, wenn wir die Räume kühlen müssen, nehmen wir die Wärme aus dem Gebäude und leiten sie unter die Erde. Im Winter dagegen holen wir uns Wärme aus der Erde und heizen damit“, erklärt Arup-Mitarbeiter David Richards. 150 Meter tief reichen die Rohrleitungen in die Erde. Mit ihrer Hilfe kann die Wärmepumpe für 100 Prozent der Gebäudeheizung, sowie jeweils rund zwei Drittel des Warmwasserbedarfs und der Gebäudekühlung sorgen.

Seinen Strombedarf deckt das Crystal zu einem Fünftel mit Hilfe der Photovoltaikanlage auf dem Dach, den Rest bezieht es über das öffentliche Stromnetz. Eine Herausforderung war der schnelle Entwicklungsfortschritt der PV-Anlagen: „Bis zur letzten Minute hatten wir Module mit einer Effizienz von 17 Prozent eingeplant. Doch dann kamen neue Panels auf den Markt, die sogar 19 Prozent schaffen“, sagt Richards.

Neben der Erzeugung von Strom kommt es auch darauf an, diesen möglichst effizient zu nutzen. Hier kommt das Gebäudemanagementsystem Desigo von Siemens ins Spiel. Von einer Wetterstation auf dem Dach sowie zahlreichen Sensoren im Gebäude bekommt es ständig aktuelle Informationen über Innen- und Außentemperaturen, Raumbelegung, Luftqualität und vieles mehr. So kann es entscheiden, ob eine natürliche Lüftung über die Fenster möglich ist oder die Heizung in ungenutzten Räumen ausschalten. Dadurch werden nicht nur Kosten, sondern auch Energie eingespart – ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung LEED und BREEAM.

Auch der Beitrag der Architekten sollte nicht unterschätzt werden: Um die Sonnenenergie optimal zu nutzen, richteten sie das Gebäude geschickt aus und verteilten die Glaselemente so, dass das Innere von Tageslicht durchflutet wird, gleichzeitig aber in der Mittagshitze nicht zu stark erhitzt. Sie verwendeten viele recycelte Materialien und achteten insgesamt darauf, so wenig Material wie möglich zu verwenden.

Es wird Abend in London. Die letzten Mitarbeiter und Besucher verlassen das Gebäude und machen sich auf den Heimweg. Sobald die Temperaturen unter 20°C sinken, öffnen sich automatisch die Fenster und angenehm frische Luft strömt herein. Dabei kühlt sie eine dicke Betonplatte unter dem Boden des Crystal. Am nächsten Tag, wenn die Sonne ihre wärmenden Strahlen wieder aussendet, gibt die Platte die Kälte wieder ab und sorgt für ein angenehmes Raumklima.

Nicole Elflein