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Durst löschen ohne Angst: Vor Verunreinigungen und vielen Krankheitserregern schützt der SkyHydrant. Er produziert gefiltertes, klares Wasser.

Der himmlische Wasserspender

"Wasser, Wasser überall, und nirgends ein Tropfen zu trinken", schrieb der Dichter Coleridge Ende des 18. Jahrhunderts – noch heute ein wichtiges Thema: Rund 900 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser. Abhilfe schafft vielerorts das SkyHydrant-System mit Filtermembranen von Siemens.

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Image 25.000 Liter pro Tag: Der hohe Durchsatz des AquaVendors macht noch mehr Menschen frisches, sauberes Wasser zugänglich.

Zwar ist die Erde zu fast drei Vierteln mit blauem Gold bedeckt, doch nur 0,3 Prozent aller Wasservorräte sind als Trinkwasser verfügbar. Schlimmer noch: Laut Weltgesundheitsorganisation sterben weltweit jedes Jahr rund 1,8 Millionen Menschen an Durchfallerkrankungen, die auf verunreinigtes Wasser zurückgehen.

Mercy Nyambura, Schülerin in dem 60 Kilometer von Kenias Hauptstadt Nairobi entfernten Dorf Kilimambogo, kennt das Problem nur zu gut. Noch vor ein paar Jahren musste sie sich mit dem verschmutzten Wasser des Flusses Thika begnügen. Die Folge: unzählige Krankenhausaufenthalte und verpasste Schulstunden – eine unzumutbare Situation und symptomatisch für Entwicklungsländer. Das dachte sich auch Rhett Butler bei Siemens Water Technologies in Sydney. Er entwickelte den „SkyHydrant“: ein kleines, mobiles Wasseraufbereitungsgerät mit großer Wirkung (Pictures of the Future, Herbst 2008, Himmlischer Wasserhahn). Beflügelt on der Idee, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern, gründete Butler 2005 den gemeinnützigen Verein SkyJuice. Das Ziel: Mithilfe von lokalen Partnerschaften den Sky- Hydranten so bekannt wie möglich machen – egal, ob auf dem Land oder in Städten. Inzwischen sind 900 Einheiten in 42 Ländern in Betrieb, wobei ein SkyHydrant bis zu 1.000 Einwohner versorgen kann.

In Mercys Heimat hat die Siemens Stiftung seit 2010 zusammen mit SkyJuice, dem Global Nature Fund und dem lokalen Partner Pure- Flow zwei „Safe Water Kioske“ aufgebaut. An diesen kleinen Wassertankstellen verwandeln SkyHydranten schmutziges Flusswasser in reines Nass – zu Kosten, die pro Kanister bei drei Cent liegen. „Mangelnde Wasserversorgung kann Menschen aus ihren Dörfern in Städte treiben. Mit unserem Projekt in Kenia wollen wir auch einer Landflucht vorbeugen“, sagt Ulrike Wahl, Geschäftsführender Vorstand der Siemens Stiftung. Langfristiges Ziel sei es, aus den Wasserstationen Mikrounternehmen zu machen. „Das Trinkwasser muss nicht verschenkt werden. PureFlow schult Wasserkomitees, die die Kioske warten und betreiben“, erläutert Wahl. Aus dem Erlös würde ein kleines Einkommen für die Angestellten entstehen, was den Erhalt der Kioske sichert und eine wirtschaftliche Perspektive für das Dorf bietet.

Das Herzstück der Safe Water Kioske sind vier anderthalb Meter lange und 16 Kilogramm schwere SkyHydranten, die mittelgroßen Orgelpfeifen ähneln. Ein Filter besteht aus 10.000 haarfeinen Membranfasern mit winzigen Poren, die wie ein Sieb funktionieren. „Das Wasser fließt mithilfe natürlichen Wasserdrucks aus einem Tank, der mit Flusswasser gespeist wird, durch die Membranfilter – ohne Einsatz elektrischer Energie“, erläutert Christine Weyrich, Projektleiterin der Siemens Stiftung. „Dabei werden alle Schwebstoffe, Bakterien und Viren entfernt. Falls nötig, werden die Geräte mit Zitronensäure desinfiziert, chemische Reinigungsmittel sind nicht nötig.“

Je zwei Filter stehen in den eigens für sie gebauten Steinhäuschen. „Hierdurch schützen wir sie und das gereinigte Wasser vor Sonne und Schmutz“, sagt Weyrich. Pro Tag können aus einer Wasserfabrik mit zwei Einheiten etwa 20.000 Liter klares Trinkwasser sprudeln. So profitieren von den vier SkyHydranten über 2.000 Bewohner. Je nach Bedarf kommen die Einwohner mit ihren 20-Liter-Kanistern und zapfen das Wasser für nur drei Cent. „Letztlich sparen wir mit dem SkyHydrant sogar Geld“, freut sich Mercy. „Denn mit dem Geld, das meine Mutter früher für Medikamente ausgab, kann ich nun zur Schule gehen und, wenn ich groß bin, Krankenschwester werden.“

Das Beispiel Kenia verdeutlicht, wie eng die gesellschaftliche Entwicklung an die Wasserversorgung geknüpft ist. „Mangelnde Wasserqualität hat Auswirkungen auf Bildungschancen von Menschen, zerstört das Ökosystem und ist Grund für Wasserflüchtlinge“, sagt Butler. In Städten sorgen im Allgemeinen Kläranlagen für die Wasseraufbereitung, doch ihr Betrieb erfordert einen hohen technischen Aufwand, der in Entwicklungs- und Schwellenländern nicht immer geleistet werden kann. Zudem sind städtische Infrastrukturen wegen des starken Bevölkerungswachstums zunehmend überlastet.

Dezentrale und autonome Technologien sind daher auch hier eine gute Alternative. Deshalb will SkyJuice zusammen mit Partnern wie Rotary International, Oxfam und anderen den SkyHydranten auch in die Städte der Welt tragen – bereits mit Erfolg: „Die kleine Orgelpfeife“ kommt heute in Kliniken, Schulen oder Slums zum Einsatz. „Ich denke, steter Tropfen höhlt den Stein“, betont Butler. „Auch wenn der SkyHydrant in Großstädten von Bangladesh, Haiti, Indien, Kambodscha oder Nepal bereits im Einsatz ist, gibt es noch viel zu tun.“

Automatische Filtration. Butler hält, was er verspricht: In den letzten neun Monaten haben er und sein Team den SkyHydranten weiterentwickelt. Das Ergebnis: Der AquaVendor, dessen Herz aus denselben Membranfasern besteht und dem Prinzip seines raffinierten Vorgängers folgt. Der Unterschied: Eine manuelle Bedienung ist nicht mehr nötig, da ein kleines Kontrollgerät die Steuerung übernimmt und sowohl Filtrationsprozess als auch Reinigung automatisiert. So findet alle 20 bis 30 Minuten eine vollautomatische Reinigung statt, bei der ein kleiner Lüfter am Gerät Luft in den Filter presst, um Verschmutzungen an den Membranen zu entfernen. Mit geringem Platzbedarf kann das Gerät pro Tag bis zu 25.000 Liter trinkfertiges Wasser produzieren – weit mehr als der SkyHydrant.

Der AquaVendor benötigt lediglich eine Steckdose, der Rest läuft von allein – mit minimalem Wartungsaufwand. Laut Butler kann diese tragbare Trinkwasseraufbereitungsanlage in Wohngebäuden, bei kleinen städtischen Wassergenossenschaften oder auch für kleine industrielle Zwecke eingesetzt werden. „So kann er in jedem indischen und chinesischem Hotel oder Mehrfamilienhaus stehen“, malt Butler die Möglichkeiten aus. „Man könnte das auf den Dächern gesammelte Regenwasser zu wertvollem Trinkwasser aufbereiten.“ Mit einem Preis von 7.000 US-Dollar wäre er zudem erschwinglich, glaubt der Ingenieur. Noch steht der neue Wasserspender aber in Sydney und wartet auf seinen ersten Einsatz in der großen weiten Welt.

Hülya Dagli