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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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Säuberungs-Oase: Am Siemens-Standort im indischen Kalwa,
wo 3000 Mitarbeiter Schaltanlagen und Trafos herstellen, werden die Abwässer rein pflanzlich wiederaufbereitet.

Säuberungs-Oase: Am Siemens-Standort im indischen Kalwa,
wo 3000 Mitarbeiter Schaltanlagen und Trafos herstellen, werden die Abwässer rein pflanzlich wiederaufbereitet.

Säuberungs-Oase: Am Siemens-Standort im indischen Kalwa,
wo 3000 Mitarbeiter Schaltanlagen und Trafos herstellen, werden die Abwässer rein pflanzlich wiederaufbereitet.

Oase im Betonbecken

Wasser ist wertvoll, vor allem in Schwellenländern. Bei Siemens im indischen Kalwa recycelt eine Pflanzenkläranlage die Betriebs-Abwässer. Sie wurde zusammen mit anderen Umweltinitiativen mit dem Umweltpreis Vasundara Award 2011 ausgezeichnet.

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Image Säuberungs-Oase: Am Siemens-Standort im indischen Kalwa, wo 3000 Mitarbeiter Schaltanlagen und Trafos herstellen, werden die Abwässer rein pflanzlich wiederaufbereitet.

Wasser Recycling nach Maß

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Abwasser ist nie gleich Abwasser. Es kann trübe sein oder klar, organischen Schmutz enthalten, Krankheitserreger oder Schwermetalle. Siemens Water Technologies hält eine ganze Palette an maßgeschneiderten Produkten und Lösungen bereit, um die schädlichen Stoffe zu entfernen – und das möglichst energiesparend. Neben den herkömmlichen Methoden sind bei Kommunen und Industrie zunehmend die besonders kompakten und energieeffizienten Technologien gefragt, zum Beispiel das Membran-Bioreaktor-System MemPulse MBR. Durch die winzigen Poren der Membranen schlüpfen nur die kleinen Wassermoleküle – Biomasse, Bakterien und selbst Viren bleiben an den Porenwänden haften. Um zu verhindern, dass die Membranporen verstopfen, arbeitet das Siemens-System mit Luftstößen. Im Vergleich zu gängigen Reaktoren, die ihre Membranen kontinuierlich mit Luft durchpusten, senkt das den Strombedarf um mehr als ein Drittel. Das EcoRight MBR System, das derzeit entwickelt wird, ist auf die strengsten Abwasseraufbereitungsrichtlinien ausgerichtet. Das Abwasser aus dem MBR wird in einer Umkehrosmoseanlage weiter gereinigt und schließlich etwa als Kühl- oder Brauchwasser wieder genutzt. Das EcoRight-System wurde schon mit Erfolg in einer Raffinerie der weltgrößten Erdölfördergesellschaft Saudi Aramco bei der Reinigung von Abwasser aus einem Öl-Wassertrenner getestet. Auch die Anforderungen an die Qualität des recycelten Nass können sehr unterschiedlich sein. Einige Industrieanlagen setzen es als Kühlwasser ein, andere als Brauchwasser. Für zusätzliche Reinigung des Wassers, etwa für die Getränke- oder die Halbleiterproduktion, sorgen moderne Kohlenstofffilter, Ionenaustausch-, Destillations- und elektrochemische Technologien, sowie Chlorungsanlagen und UV-Desinfektionssysteme. Eine weitere Neuentwicklung ist das Siemens-System Micro Media Column MMC, das Wasser von Schwermetallen wie Quecksilber und Kupfer befreit. Das belastete Wasser strömt hier von oben nach unten durch eine Säule voller Mikrometer kleiner Teilchen, die die Schwermetalle chemisch binden. Eine Reinigung mit einem solch hohen Durchsatz ist in der Industrie bisher einzigartig – zumal das Aufbereitungsergebnis weit über den Vorgaben der derzeitigen Umweltanforderungen liegt. Zu den Anwendungen des Micro Media Column gehören die Abwasserreinigung in der Energieerzeugung sowie die Reinstwasserreinigung in der Öl- und Gasindustrie.

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Wer die neue Kläranlage am Siemens-Produktionsstandort Kalwa nahe Mumbai besichtigt, glaubt in eine Oase geraten zu sein. Zwischen Werkhallen und Asphaltflächen schimmert ein Wassersammelbecken wie ein See: türkis und glasklar. Daneben wächst in kiesgefüllten Becken meterhohes Schilfgras neben rot blühenden Pflanzen. „Hier recyceln wir auf rund 1.000 Quadratmetern das gesamte Abwasser aus unseren vier Teilwerken sowie dem Verwaltungsgebäude“, berichtet Jeevan Rao, Leiter der Sicherheits- und Umweltabteilung des Siemens-Clusters Südasien. Die neue Pflanzenkläranlage ist ein wichtiger Teil der Siemens-Umweltinitiative, die im Juni mit dem Vasundara Award 2011 ausgezeichnet wurde. Es ist der bedeutendste Umweltpreis des südindischen Staates Maharashtra.

Das Wasserrecycling in Kalwa funktioniert wie ein Sumpfgebiet. Statt Hightech befreit ein Team aus Pflanzen und Mikroorganismen das Abwasser von schädlichen Substanzen. Eine Kaskade aus 32 Becken wirkt mechanisch und biologisch zugleich. So halten Kiesel Schwebeteilchen im Wasser zurück wie ein Kaffeefilter das Pulver, während die Pflanzen Sauerstoff produzieren und mit ihren Wurzeln für eine gute Durchlüftung im Kiesgrund sorgen. Hier zerlegen Bakterien organische Substanzen, zum Beispiel Essensreste oder Schmutz vom Händewaschen, zu Kohlendioxid und Wasser. Stickstoffhaltige Verbindungen, etwa Eiweiße oder Harnstoff, werden letztlich in unschädliches Stickstoffgas verwandelt. Am Ende der mehr als 90 Meter langen Waschstraße lagert Wasser, so sauber, dass nicht einmal Mücken Interesse zeigen. Ein Rohrsystem schleust es zum Verwaltungsgebäude von Siemens, in Gartenanlagen und in Toilettenspülungen. Hier beginnt der Kreislauf von neuem.

Vorteile der Natur. „Die Anlage ist effektiv, kostengünstig und einfach zu warten – und sieht auch noch idyllisch aus“, betont Rajiv Agaskar, Nachhaltigkeits-Beauftragter bei Siemens Real Estate in Indien. „Wir können auf diese Weise im Jahr bis zu 12 Millionen Liter Wasser und damit wertvolle Ressourcen sparen.“ Mit dem natürlichen Wasserrecycling entfallen zudem Frischwasserkosten von bis zu 4.500 Euro jährlich. Und das aus gutem Grund: Der Bau der Anlage hat Agaskar zufolge weniger gekostet als ein vergleichbares technisches Pendant. Weil sich die Technik auf einige wenige Pumpen und Durchflussmesser beschränkt, entfällt darüber hinaus eine kontinuierliche Kontrolle wie in klassischen Kläranlagen. Bei all den Vorteilen verwundert es nicht, dass Pflanzenkläranlagen weltweit immer beliebter werden. Allerdings brauchen sie viel Platz. Für eine Großstadt mit 100.000 Einwohnern müsste eine Fläche von fast 60 Fußballfeldern zur Verfügung stehen. Mangels Steuerung taugt die Methode außerdem nicht für Abwässer, deren Zusammensetzung stark schwankt.

Die neue Pflanzenkläranlage in Kalwa recycelt zwei Arten Abwässer, die zunächst getrennt gesammelt und vorbehandelt werden: Der größte Teil stammt aus Toiletten, Waschräumen und der Kantine und wird in einen Klärtank geleitet, wo sich feste, zum Teil übel riechende Feststoffe absetzen. Im Abwasser aus den Siemens-Produktionshallen wiederum stecken vor allem fein verteilte Öltröpfchen, die erst nach einer Vorbehandlung in die Pflanzenkläranlage geleitet werden.

„Die vorgereinigten Abwässer durchströmen dann gemeinsam die Pflanzenkläranlage“, berichtet Agaskar. Die Betonbecken der Anlage sind gut einen Meter tief, unterschiedlich groß und abschüssig angelegt. Über Strömungsbleche wird das Wasser so gelenkt, dass es oben in ein Becken hinein- und unten wieder herausströmt. „Unsere Anlage reinigt gleichzeitig horizontal und vertikal und mit einer Effizienz von 95 Prozent besser als technische Kläranlagen, die oft nur 90 Prozent erreichen “, erklärt der Siemens-Experte.

Der Bedarf ist enorm: In Indien leben 16 Prozent der Weltbevölkerung, und doch stehen ihnen nur vier Prozent des Wassers zur Verfügung. „Der Grundwasserspiegel sinkt jedes Jahr um vier Zentimeter“, berichtet Agaskar. Die dramatische Situation wird sich durch den Klimawandel voraussichtlich noch verschärfen. Natürlich werden Pflanzenkläranlagen allein diese Probleme nicht lösen. „Aber jeder Baustein ist wichtig“, sind sich Agaskar und Rao einig.

Andrea Hoferichter