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Zukunftstauglich: Neue Bürokonzepte brauchen leistungsstarke Technologien.
YDeshalb treibt München die Glasfasererschließung massiv voran.

OB Christian Ude und Kurt Mühlhäuser von den Stadtwerken.

Das Büro im World Wide Web

Künftig kommt die Arbeit zu uns, statt dass wir zur Arbeit gehen – dank Hochgeschwindigkeitsnetzen, vernetzter Computer und einer robusten IT-Sicherheitsarchitektur. Auch in den Büros selbst werden feste Arbeitsplätze mehr und mehr flexiblen Arbeitszentren Platz machen.

Image OB Christian Ude und Kurt Mühlhäuser von den Stadtwerken.

Jens Müller beginnt heute seinen Arbeitstag wie die meisten Pendler: im Stau. 60 Minuten braucht der Fahrzeugingenieur vom Starnberger See in sein Münchener Büro. „Wenn ich an meine Kollegin Marijke van Veen denke“, sinniert er, „werde ich ganz neidisch.“ Für Marijke aus der Design-Abteilung im Großraum Amsterdam gehört der Pendlerstau der Vergangenheit an. Sie hat keinen festen Arbeitsplatz, sondern geht in ein Smart Work Center, auch Co-Working Center genannt. Diese zum Teil firmeneigenen, aber auch privat betriebenen Büros zum Anmieten gibt es inzwischen in vielen europäischen Städten, von Stockholm bis Madrid. Sie bieten modernste Einrichtungen für die Zusammenarbeit unter Kollegen, ob national oder internatio nal – sowohl die Computerprogramme wie auch Räume für Videokonferenzen und das gemeinsame Arbeiten an 3D-Daten. Marijke hat nur 500 Meter vom Wohnhaus bis zu ihrem heutigen Arbeitsplatz. Oft kann sie auch vom Homeoffice aus arbeiten, wenn nicht gerade Videokonferenzen mit Echtzeitpräsentationen auf dem Terminplan stehen.

„Arbeit und Leben wachsen stärker zusammen“, fasst Dr. Wilhelm Bauer vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) den Trend dieser neuen Arbeitskultur zusammen. „Aber das hängt entscheidend von den technischen Voraussetzungen ab.“ Im Idealfall ist das ein Glasfasernetz, das Daten mit einem Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) zum Endkunden übertragen kann. Weniger als ein Zehntel oder ein Hundertstel dieser Datenrate erreichen Verbindungen per Very High Speed Digital Subscriber Line (VDSL) oder per DSL. Sogar im Mobilfunk sollen in Zukunft Datenraten von über hundert Megabit pro Sekunde (Mbit/s) übertragen werden – ausreichend für Videokonferenzen mit hochaufgelösten Bildern.

Optimal vernetzt. Für virtuelle Arbeitsräume braucht man vor allem einen vernetzten Computer – ob Smartphone oder Desktop –, ein Hochgeschwindigkeitsnetz und eine moderne IT-Sicherheitsarchitektur. Deshalb hat die deutsche Bundesregierung 2009 vorgegeben, dass bis 2014 drei Viertel der Haushalte über Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Mbit/s verfügen sollen. Dies dürfte auch erreicht werden: Nach der im Juni 2011 von Cisco veröffentlichten Studie „Global IP Traffic Forecast“ wird in Deutschland die Bandbreite von durchschnittlich zwölf Mbit/s in 2010 auf 46 Mbit/s im Jahr 2015 steigen. In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ist man heute schon bei 100 Mbit/s – bis Ende 2012 strebt die Stadt ein Gbit/s an. Damit können sich nicht nur Filmbegeisterte Kinofilme schnell aus dem Internet herunterladen, sondern auch professio nelle Anwender können mit hochaufgelösten Bildern arbeiten – etwa für das Fernstudium an Universitäten. Auch für die Übertragung der Bildsequenzen eines Computer tomographen braucht man bis zu einem Gbit/s, ebenso für die virtuellen 3D-Daten eines Automodells.

Südkorea nimmt, wie fast alle Länder in Asien, neue Technologien in Rekordzeit an. So wurde erst 2009 das iPhone im Land eingeführt, aber Ende 2011 soll es bereits 20 Millionen Smartphones geben – bei 50 Millionen Einwohnern. Smartphone und Tablet-PC gehören zur Standardausstattung von Studenten: Sie können sich beispielsweise bereits von zu Hause aus ihren Platz in der Uni-Bibliothek sichern. Ein App zeigt ihnen in Echtzeit, in welchem Lesesaal noch ein Platz frei ist.

Aber auch deutsche Städte stehen im internationalen Vergleich nicht schlecht da. So wollen die Stadtwerke München (SWM) bis Ende 2013 alle 32.000 Gebäude innerhalb des sogenannten Mittleren Rings mit Glasfasern erreichen: immerhin 350.000 Haushalte, die Hälfte aller Haushalte in München. „Ein Viertel der Münchener Bürger kann jetzt schon auf Übertragungsraten bis 100 Mbit/s zugreifen“, berichtet der Bereichsleiter Telekommunikation und Projektträger der „Glasfasererschließung für München“, Dr. Jörg Ochs. „Damit gehören wir europaweit zu den schnellsten Städten.“

Daran haben sich die Ingenieure etwa bei BMW oder in der Siemens-Forschung in München-Perlach längst gewöhnt, denn für eine virtuelle Produktentwicklung via Internet brauchen sie die schnellsten Leitungen, die verfügbar sind. „Für Firmen mit diesen Anforderungen“, fügt Ochs hinzu, „haben wir sogar redundante Zugänge installiert. Das heißt, jedes Firmengebäude verfügt über zwei räumlich getrennte Glasfaserleitungen, damit bei einem möglichen Ausfall gleich die zweite bereit steht.“

„In den deutschen Städten ist die Infrastruktur recht gut, aber auf dem Land gibt es Nachholbedarf“, sagt IAO-Direktor Bauer. Doch gerade dort könne man von einer leistungsfähigen Vernetzung besonders profitieren, wenn die Pendler nicht mehr so häufig in die Städte zum Arbeiten fahren müssten. Die bayerische Staatsregierung hat deshalb angekündigt, dass sie 100 Millionen Euro in die Förderung von schnelleren Glasfaserverbindungen in bayerischen Gemeinden investieren werde. In zersiedelten Gebieten, wo eine Glasfaserverkabelung zu teuer wäre, wollen Mobilfunkanbieter mit dem Nachfolger von UMTS, dem LTE-Standard (Long Term Evolution), eine überregionale Lösung anbieten. Damit sollen Geschwindigkeiten von über 100 MBit/s erreicht werden.

Doch für den Durchbruch des Büros im World Wide Web braucht man noch mehr. „Wenn sensible Daten versendet und auf fremdem Server gespeichert werden, ist die ITSicher heit entscheidend“, erklärt Dr. Johann Fichtner, Leiter für IT-Sicherheit bei Siemens Corporate Technology. Deshalb entwickeln seine Teams Verschlüsselungs- und Eingabeprüfungstechnologien und eine Benutzerrechteverwaltung, die für Hacker kaum zu knacken sind.

Darüber hinaus wird auch die Arbeitsweise selbst flexibler werden. Teams werden projektbezogen zusammengestellt und treffen sich standortunabhängig, etwa in den Co-working Centers. In diesem Sinne wird auch die neue Siemens-Zentrale in München mit dem Bürokonzept Siemens Office ausgestattet. Hier können sich Teams virtuell oder real in modernen Bürozonen treffen, die in Bezug auf Größe und Ausstattung sehr flexibel je nach aktuellem Bedarf Eingerichtet werden (siehe Artikel „Neue Visitenkarte“).

25. September 2015: Jens Müller hat sich für 10 Uhr von zu Hause aus im virtuellen Meetingroom angemeldet. Marijke van Veen sitzt noch in der Küche ihrer Freundin Christiane, die am Tag zuvor ihren Geburtstag gefeiert hat. Heute soll das Lifting eines kleinen Elektroflitzers besprochen werden. Ihre neueste Interieur-Idee hat sie auf ihrem Tablet-Rechner dabei und wird sie den Kollegen gleich zeigen – angesichts der durchzechten Nacht allerdings lieber ohne Videokonferenz.

Klaudia Kunze