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SIEMENS

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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
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Effizient: Die Mitarbeiter sind mit den „Siemens Production System” sehr zufrieden.
Ob in der mechanischen Fertigung oder in der Großformerei: Es gibt viele Verbesserungen in den Betriebsabläufen.

Effizient: Die Mitarbeiter sind mit den „Siemens Production System” sehr zufrieden.
Ob in der mechanischen Fertigung oder in der Großformerei: Es gibt viele Verbesserungen in den Betriebsabläufen.

Effizient: Die Mitarbeiter sind mit den „Siemens Production System” sehr zufrieden.
Ob in der mechanischen Fertigung oder in der Großformerei: Es gibt viele Verbesserungen in den Betriebsabläufen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Bekommt ein Zulieferer Probleme mit Qualität und Liefertreue, beeinträchtigt das die gesamte Produktionskette. Siemens hat ein Programm aufgelegt, das strauchelnden Lieferanten wieder auf die Beine helfen soll.

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Image Effizient: Clemens Schmees und seine Mitarbeiter sind mit den „Siemens Production System” sehr zufrieden. Ob in der mechanischen Fertigung oder in der Großformerei: Es gibt viele Verbesserungen in den Betriebsabläufen.

Ein grünes Rezept für Lieferanten

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Siemens bemüht sich in seinen Fertigungsstätten schon seit langem um einen sparsamen Energie-Verbrauch. Dazu wurde ein Energieeffizienz-Programm (EEP) ins Leben gerufen, mit dem seit 2006 an den Produktionsstandorten gezielt Einsparpotenziale identifiziert und umgesetzt werden. Bis 2010 konnte durch das EEP die Effizienz beim Stromverbrauch im Schnitt um 11 Prozent und die Effizienz im Bereich Primärenergie und Fernwärme sogar um 23 Prozent gesteigert werden. „Energieeffizienz ist der wirkungsvollste Beitrag zum Klimaschutz“, meint Barbara Kux, die im Siemens-Vorstand für Supply Chain Management und Nachhaltigkeit zuständig ist. Mit dem Programm EEP for Suppliers (EEP4S) holt sie nun auch die Lieferanten mit ins Energiespar-Boot. „In unseren Produkten steckt ein erhebliches Maß an Wertschöpfung unserer Lieferanten, daher ist es nur konsequent, diese in unser EEP einzubinden“, erklärt sie. Profitieren sollen dadurch beide Seiten, denn wer Energie spart, produziert günstiger und ist wettbewerbsfähiger. Die Strukturen bei den Lieferanten unterscheiden sich allerdings zum Teil stark. „Deshalb ist EEP4S auch ein von Level 1 bis Level 4 abgestufter, bisher einzigartiger Beratungsansatz, der diesen Unterschieden Rechnung trägt“, sagt die Gesamtprojektleiterin Birgit Heftrich. Entscheidet sich der Lieferant für „Level 1“ des Programms, sind zertifizierte Umweltberater von Siemens mehrere Tage bei ihm vor Ort. Sie führen umfangreiche Standortbegehungen durch, analysieren bauliche Strukturen, messen Verbräuche, untersuchen Betriebs- und Wartungsroutinen und bewerten die Einkaufsverträge des Lieferanten. Alles wird in einem ausführlichen Bericht dokumentiert. „Das ist eine ganz konkrete Anleitung, um den Energiebedarf zu senken“, sagt Heftrich. Tatsächlich listet das Papier nicht einfach nur die Ergebnisse auf, sondern schlägt Maßnahmen vor, gibt an, welche Investitionssummen dafür nötig sind und wie schnell sie sich dank der Energieeinsparungen wieder amortisieren können. Die Beratungskosten trägt der Lieferant. Für Unternehmen mit kleinerem Einkaufsvolumen bietet EEP4S aber auch kostenfrei ein webbasiertes Tool für eine Selbstbewertung mit optionaler Fernberatung durch Siemens-Experten an. Dass EEP4S funktioniert, zeigt etwa die Schmolz + Bickenbach Guss GmbH mit ihrem Werk in Krefeld. Der Gießereibetrieb beliefert Siemens mit Stahlgussteilen für Gas- und Dampfturbinen, die in einem energieintensiven Prozess hergestellt werden. Schmolz + Bickenbach ist mit den Ergebnissen des EEP4S sehr zufrieden. „Die Hälfte der bisherigen Investitionen können wir im ersten Jahr wieder reinholen“, freut sich Geschäftsführer Hans Schlickum (Bild oben). Schon durch eine einzige Maßnahme – das individuell angepasste Vorheizen der Pfannen zum Transport des Gussstahls – spart Schlickum 14.000 Euro pro Jahr ein. Zudem wurde ein Energieverantwortlicher benannt, der direkt an die Geschäftsleitung berichtet, und alle unternehmensweiten Prozesse wurden auf ihre Umweltverträglichkeit hin untersucht und klassifiziert. Außerdem wurde ein Energiesparprogramm aufgelegt, mit dem das Bewusstsein der Mitarbeiter für Energie- und Umwelteffizienz geschult werden soll. „Das ist eine schöne Bestätigung unseres Programms“, freut sich Kux. Sie hat mit EEP4S noch Großes vor. „Nachdem wir im Geschäftsjahr 2010/2011 bereits 160 Lieferanten mit energieintensiven Produktionsprozessen eingebunden haben, wollen wir 2012 weitere 840 Lieferanten vornehmlich an unser kostenfreies Selbstbewertungs-Tool anbinden“, sagt sie. Langfristig soll es sogar ein Qualitätssiegel für Energieeffizienz geben: „Das EEP4S soll fester Bestandteil des siemensweit einheitlichen Lieferantenmanagements werden.“

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Gießen mit Herz und Verstand. So lautet der Wahlspruch der Edelstahlwerke Schmees GmbH, eines 1961 gegründeten Unternehmens, aus dem binnen kurzem eine erfolgreiche, große Gießerei geworden war. 1993 verlegte sie ihren Hauptfirmensitz aus Nordrhein-Westfalen nach Sachsen. Die Auftragslage stimmte – vor allem für gegossene Edelstahlteile für Pumpen und Turbinen. 2008 investierte die Firma, die 360 Mitarbeiter beschäftigt, rund zehn Millionen Euro in neue Fertigungshallen an den Standorten Langenfeld und Pirna.

Doch mit den Boomjahren 2007 und 2008 kamen die Probleme. Wegen der erhöhten Auftragslage verschlechterte sich die Liefertreue, und die Produktqualität sank. „Da haben wir keine optimale Leistung abgeliefert“, räumt Inhaber Clemens Schmees offen und selbstkritisch ein. Auch bei Siemens sah man das mit Sorge, denn Schmees ist ein wichtiger strategischer Partner: Die Firma liefert bis zu sieben Tonnen schwere Gussteile für Gasturbinen und ist auf diesem Gebiet Preisführer. Da Schmees für einige Projekte als einzige Quelle fungiert und Siemens an langfristigen, nachhaltigen Lieferanten-Partnerschaften interessiert ist, wurde reagiert.

Barbara Kux, als Leiterin des Supply Chain Managements im Siemens-Vorstand verantwortlich für den weltweiten Einkauf des Konzerns, war entschlossen, etwas zu unternehmen. „Wir gehören zu den Besten im Markt und wollen unseren Wettbewerbsvorteil auch in Zukunft weiter steigern“, sagt die Schweizerin. „Dieses Ziel können wir nur mithilfe einer flexiblen und leistungsfähigen Lieferkette erreichen. Dazu müssen alle Partner kontinuierlich an der Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit und an der Optimierung des Gesamtprozesses arbeiten.“

Schlanke Lieferanten. Daher entschloss sich Siemens, das hauseigene Siemens Production System (SPS) erstmals auch bei einem Lieferanten einzusetzen. Mit dem System verbessert der Konzern bereits seit Jahren die Performance seiner Werke. SPS stellt das Konzept der schlanken Produktion in den Fokus, wobei jeder Produktionsschritt so effektiv wie möglich gestaltet werden soll. Zeiten, in denen sich das Produkt nicht weiterentwickelt oder stillsteht, werden als nicht wertschöpfend und somit als Verschwendung angesehen. Dies geschieht, wenn etwa Werkstücke lange auf ihre Weiterverarbeitung warten, oder wenn sie auf langen Wegen zum nächsten Arbeitsschritt gebracht werden müssen.

In Pirna kam der Vorschlag von Siemens gut an. „Wir haben sofort zugestimmt“, sagt Schmees. „Wir wussten, dass wir uns verbessern können, also konnten wir von einem solchen Angebot nur profitieren.“ Das Stahlwerk habe das Projekt sehr positiv aufgenommen, meint auch Dr. Bernd Müssig, Leiter der Abteilung Siemens Operations Development, bei der die Koordination des Projektes lag.

Im August 2010 reisten SPS-Experten nach Pirna, analysierten das Produktionsgeschehen und machten Vorschläge zur Prozessoptimierung. „Wir geben nur Hilfestellung“, erklärt Müssig, „Umgesetzt werden muss das Konzept vor Ort.“ Nach Implementierung der Leuchtturmprojekte waren auch die Mitarbeiter begeistert und arbeiteten sehr motiviert mit.

Inzwischen hat Schmees zum Beispiel Elemente des sogenannten Kanban-Systems eingeführt. Dieses Produktionssystem richtet sich immer nach der letzten Stufe des Fertigungsprozesses und liefert der vorangegangenen Einheit bei Unterschreitung eines zuvor definierten Mindestbestandes die Information, dass Nachschub benötigt wird. So wird in allen vorhergehenden Schritten nur so viel produziert, wie im letzten Schritt tatsächlich fertiggestellt werden kann. In speziellen Pufferlagern werden die Werkstücke angeliefert und sehr schnell zur Weiterverarbeitung abgeholt. Heute liegen bei Schmees keine unfertigen Gussteile mehr auf Halde. Die Produktion ist effektiv und die Durchlaufzeiten sind deutlich geringer.

Zudem wurden Engpässe bei den Werkzeugen für die Arbeiter beseitigt und die Maschinensteuerung optimiert. Und auch auf dem Außengelände, wo früher Teile lagerten, wurde aufgeräumt. Im Mai 2011 fruchteten die von Schmees eingeführten Maßnahmen. „Die Liefertreue stieg auf über 80 Prozent“, freut sich Müssig. Die Zahl der Reklamationen ist laut Schmees spürbar zurückgegangen: „Durch den schnelleren Durchsatz können wir heute zudem mehr Aufträge annehmen und den Umsatz steigern.“ So ist auch die Zusammenarbeit mit Siemens für die Zukunft gesichert. „Wir wünschen uns eine Verbesserung der Liefertreue auf über 90 Prozent“, sagt Bernd Müssig, „wenn der Preisvorteil erhalten bleibt, könnte dann auch das Einkaufsvolumen von Siemens deutlich steigen.“

Angesichts der positiven Resultate hat Siemens ein ganzes Programm namens SPS@Suppliers aus der Taufe gehoben, das künftig auch auf andere Lieferanten ausgedehnt werden soll. Langfristig soll SPS@Suppliers zu einem festen Bestandteil der Lieferantenentwicklung werden. Und auch Schmees gibt sich mit dem bisher Erreichten noch nicht zufrieden: Im Jahr 2020 wollen sie die beste Stahlgießerei Europas sein.

Nils Ehrenberg