Dr. Roland Busch ist CEO des zum 1.10.2011 neu gegründeten Sektors Infrastructure & Cities und Mitglied des Vorstands der Siemens AG.
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Städte sind wie Magnete: Sie ziehen Menschen an. Schon jetzt nennt mehr als jeder zweite Mensch eine Stadt sein Zuhause, und nach Berechnungen der Vereinten Nationen werden die urbanen Zentren der Welt bis 2050 um weitere drei Milliarden Bewohner wachsen – und zwar fast ausschließlich in den heutigen Entwicklungs- und Schwellenländern. Zudem wird bereits heute in den 600 größten Metropolen rund die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung erbracht, mit weiter zunehmender Tendenz.
Das Wachstum urbaner Regionen ist zunächst einmal positiv: Sie bringen Menschen zusammen. Sie helfen, Kreativität und Unternehmergeist freizusetzen. Sie locken mit Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung. Gerade in den Entwicklungs- und Schwellenländern verspricht ein Leben in der Stadt einen erheblichen Zugewinn an Chancen und Einkommen, verglichen mit dem Leben auf dem Land. Doch leider nicht selten um den Preis erheblicher Kompromisse bei der Lebensqualität.
Dichter Verkehr, Raumknappheit, Umweltverschmutzung und Lärm setzen Stadtbewohnern überall auf der Welt zu. Darüber hinaus sind ein effizienter öffentlicher Nahverkehr oder fließendes Wasser oft keine Selbstverständlichkeit. Städte zu Orten zu machen, an denen Menschen eine hohe Lebensqualität genießen können, ist daher eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Ihr stellen sich Politiker, Planer, aber auch Unternehmen wie Siemens. Aus diesem Grund haben wir einen neuen Unternehmenssektor gegründet. In ihm bündeln wir wichtige Teile unseres Portfolios, um unseren Kunden in den Städten noch konsequenter nachhaltige Infrastrukturlösungen aus einem Guss anbieten zu können.
Denn in einem Punkt ähneln sich alle Städte der Welt: Um nachhaltig zu wachsen, brauchen sie zum Beispiel nicht einfach nur Züge, öffentlichen Nahverkehr, Verkehrsleitstellen oder Ladestationen für Elektroautos. Sie brauchen Mobilitätskonzepte („Flexibel durch die Großstadt“), die alle diese Elemente effizient vernetzen, wie im Schwerpunkt „Lebensqualität in Städten“ in dieser Ausgabe von Pictures of the Future geschildert wird.
Ein ähnlich bewusstes Vorgehen gilt für die Energieversorgung: Boomende Städte und Regionen brauchen nicht nur Kraftwerke, Stromleitungen und Umspannstationen – sie setzen künftig auf Smart Grids. Mit ihnen können sie den Energiebedarf und -verbrauch besser in Einklang bringen, das heißt, die Kette von der Erzeugung über die Verteilung bis hin zum Verbrauch ökonomisch und ökologisch sinnvoll steuern („Alles keine Hexerei“, „Das Weltrekord-Kraftwerk“ und „Zucker, Öl und schlaue Köpfe“ ).
Wie unterschiedlich die Ausgangssituationen und Erfordernisse von Städten in der Welt ausfallen können, zeigen die Ergebnisse der Green City Indizes, die die Economist Intelligence Unit im Auftrag von Siemens erstellt hat („Ambitionierte Ziele“) – oder auch die Vergleiche von Städten wie Jakarta („Leben in Asiens Paradiesfrucht“) und London (). In Jakarta geht es um die Verbesserung der Lebensbedingungen vieler Bewohner sowie grundlegende Infrastrukturmaßnahmen wie Wasserversorgung, Abfallmanagement oder den erstmaligen Bau einer U-Bahn.
In London hingegen muss die fast 150 Jahre alte U-Bahn dringend modernisiert und der Nahverkehr ausgebaut werden, um die steigenden Passagierzahlen bewältigen zu können. Siemens-Technologie hilft hier, dem wachsenden Druck auf die Infrastruktur zu begegnen. Hybridbusse und Elektrofahrzeuge verbessern die Luftqualität der britischen Hauptstadt, der nötige Strom kommt zum Teil aus Windkraftanlagen vor den Küsten Südenglands, erzeugt mit Windturbinen von Siemens.
Ein sparsamer Umgang mit Ressourcen ist allerdings nicht nur in Städten wichtig. Mit der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung in Ländern wie China („Grün hilft sparen“), Indien („Indiens Metropolendämmerung“) oder Brasilien („Zucker, Öl und schlaue Köpfe“) steigt auch die Ressourcen- und Energienutzung landesweit stark an. In den aufstrebenden Ländern wächst vor allem die Zahl der Menschen, die der Mittelklasse zuzurechnen sind – hier entstehen neue Bedürfnisse nach Komfort, Konsum und Mobilität. Nachhaltiges Wachstum ist daher das Gebot der Stunde. Beispielhafte Lösungen dafür zeigt der Schwerpunkt „Wachstum mit weniger Ressourcen“ in dieser Ausgabe von Pictures of the Future. Dazu gehören Effizienzsteigerungen in der Energieversorgung („Das Weltrekord-Kraftwerk“) ebenso wie Alternativen zu knappen Rohstoffen („Die Rohstoff-Detektive“), die Optimierung von Recyclingverfahren („Zweites Leben für Waggons“) oder die umfassende Berücksichtigung des Umweltschutzes bereits beim Produktdesign: vom Geschirrspüler („Energiespar-Champions im Haushalt“) über den Computertomographen („Grün von Anfang an“) bis zum Hüttenwerk („Alles im grünen Bereich“).
Ressourcenschonendes Wachstum und die Erhöhung der Lebensqualität in Städten sind zweifellos zwei der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Siemens ist fest entschlossen, für beide Menschheitsfragen Antworten zu liefern, um unsere Welt auch in Zukunft lebenswert zu gestalten.