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SIEMENS

Research & Development
Technology Press and Innovation Communications

Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany

In 40 Jahren werden die Menschen länger leben denn je. Für die heute häufigsten Todesursachen, etwa Herzversagen, Schlaganfall, Diabetes, Krebs oder Alzheimer-Demenz wird es Früherkennungs- und Therapiemethoden geben – auch dank Technologien, die sich derzeit in der Entwicklungsphase befinden. Alle, die sich um ein gesundes Leben bemühen, können die goldenen Jahre also lange genießen - etwa beim Gleiten durch die Lüfte.

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Senioren im Höhenflug
2050. Der Betreiber einer erfolgreichen Kette von Gesundheitszentren mit Senioren-Fitnessclubs geht mit seinen Kunden regelmäßig zum Skydiving. Mit 80 Jahren durch den Himmel segeln Ja, denn viele dieser Senioren fühlen sich vitaler als je zuvor: Die moderne Medizin hat etliche klassische Alterskrankheiten in den Griff bekommen – und die Unterstützung durch Roboter und Computertechnik tut ein Übriges.

Es ist unschlagbar. Ein extremer Kick. Der ultimative Traum. Man muss nur die Augen schließen, einen großen Schritt nach vorn machen, und es geht los: Fliegen, frei wie die Vögel. Die flexible Mikrobeschichtung macht die Flügel leicht steuerbar und zudem dient sie noch der Energiegewinnung. Eine einfache Bewegung der Schulter bestimmt die Flugrichtung. Mit den Mini-Düsenantrieben kann man dann mühelos durch das Himmelsblau gleiten – stundenlang, wenn man möchte.

Natürlich könnte ich das auch allein oder mit Freunden machen. Doch mit meinen Kunden – denjenigen, die in meinen Fitnesscentern den höchsten Fitnessgrad erreicht haben – den Himmel zu erobern, ist für mich ein besonderes Erlebnis. Manchmal werde ich gefragt, warum ich die Firma nicht verkaufe und mich mit meinen 80 Jahren zur Ruhe setze. Schon mit 70 wäre die Rente doch ganz normal gewesen. Was für ein Gedanke! Ich mache doch nur, was mir Spaß macht! Außerdem fühle ich mich noch fit wie ein Turnschuh, gehe gerne aus und liebe meine Arbeit noch immer.

Das Geschäft lief von Anfang an hervorragend. Ich hatte schon vor Jahrzehnten erkannt, dass vor allem jene Dienstleistungen gefragt sein werden, die älteren Menschen dabei helfen, sich gut zu fühlen und gut auszusehen. Schließlich sind sie mit Abstand die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe. Als ich 40 war, kombinierte ich meine Orthopädie- und Sportpraxis mit einem Senioren-Fitnessclub namens Perfect Fit. Schon bald eröffnete ich immer mehr dieser kombinierten Gesundheitszentren. Neue Mitglieder werden hier erst einmal mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) und anderer Geräte gecheckt, auf ihre physische, psychische und emotionale Gesundheit untersucht und in Gesundheits-Kategorien eingestuft. Auf dieser Grundlage erstellen wir dann einen individuellen Plan zur ganzheitlichen Gesundheit – mitsamt Plänen zur Fitness, Ernährung, gutem Schlaf und Stressabbau sowie regelmäßigen Kontrolluntersuchungen.

Vor Jahren konnten viele meiner Kunden froh sein, wenn sie die Stufe 3 oder 4 auf unserer 10 Punkte-Gesundheitsskala erreichten. Inzwischen schafft das fast jeder. Glücklich nenne ich jene, die in den 1980er-Jahren oder später geboren wurden. Denn diese Altersgruppen konnten von allen möglichen Verbesserungen der vergangenen Jahre profitieren – sei es am Arbeitsplatz, zu Hause, in Fahrzeugen oder eben bei der medizinischen Versorgung.

Betrachten wir zum Beispiel die früheren typischen Unfälle, bei denen die Menschen ihre Leistungsfähigkeit im Alter überschätzten. Heute gibt es wunderbare Lösungen wie die persönlichen Exoskelette, beispielsweise spezielle Anzüge, die die Kraft des Trägers um den Faktor 10 bis 20 erhöhen. Wenn man also im Haus, auf dem Hof oder im Geschäft schwere Gegenstände heben muss, sind diese Powersuits die beste Lösung – und es gibt sie in allen möglichen Modefarben.

Oder nehmen wir die Senioren, die früher aus Einsamkeit krank wurden. Ich hätte es damals nicht für möglich gehalten, wie sehr es vielen Menschen hilft, Roboter mit menschlichen Gesichtszügen und weicher Haut um sich zu haben, die ihnen zuhören oder ihnen vorlesen. Manche sind geradezu vernarrt in die speziellen Kuschelboter – die kleinen tierähnlichen Roboter, die dank ihrer Lernfähigkeit sehr gezielt auf die Bedürfnisse von Menschen reagieren können.

Am hilfreichsten sind aber sicherlich die modernen Elektroautos, unsere Roboter auf den Straßen sozusagen – heute stehen sie nicht einfach nutzlos herum, wenn sie nicht gebraucht werden. Sie sind als eigenständige Stromhändler zu einem wichtigen Teil unseres Energiesystems geworden. Und wenn sie fahren, dann immer öfter automatisch. Sie bewegen sich innerhalb von Navigationsnetzen, die den Verkehrsfluss optimieren und Unfälle ausschließen. Bei jedem Wetter transportieren sie auf diese Weise vor allem ältere Personen sicher an ihr Ziel, kümmern sich um Einkäufe und Besorgungen, holen Freunde von der U Bahn ab oder bringen eine Gruppe Senioren nach einem wunderbaren Skydiving-Ausflug nach Hause. Und wenn ihre Eigentümer sie nicht brauchen, schalten sie auf den Gemeinschaftsmodus um, in dem sie an andere vermietet werden.

Habe ich schon die gesundheitlichen Probleme von früher erwähnt? 2010 litten 60 % der über 63-Jährigen an Vorhofflimmern, einer der Hauptursachen von Schlaganfällen und Herzversagen. Doch schon zehn Jahre später war diese Zahl enorm zurückgegangen – dank Früherkennungssystemen und Durchbrüchen in der medizinischen Bildgebung. Probleme mit der Aortenklappe und Aneurysmen, damals zwei Hauptursachen für Todesfälle bei Menschen über 60, können heute ohne größere Operationen – minimal-invasiv – behoben werden. Beispielsweise können Mediziner heute den Blutfluss unter verschiedenen Bedingungen am Computer präzise simulieren und die besten Therapiemöglichkeiten wählen.

Auch viele andere damalige Ursachen für Gesundheitsprobleme und Tod, darunter Krebs, Bluthochdruck und Diabetes, sind heute zu großen Teilen beherrschbar: Beispielsweise erkennen kleine implantierbare Sensoren schon erste Anzeichen solcher Krankheiten und melden diese, bevor sie zum Problem werden. Auch ich trage so einen intelligenten Sensor als Ohrstecker – modisch wirkt er auch noch.

Wenn ich auf die letzten 50 Jahre zurückblicke, war sicherlich die Behandlung von Alzheimer-Demenz die letzte große Hürde der Forschung. Eine tückische Krankheit, an der ich viele meiner besten Freunde und treuesten Kunden zugrunde gehen sah. Wenn ich mich recht erinnere, kamen erst um 2025 die ersten wirksamen Medikamente auf den Markt. Zu dieser Zeit gab es weltweit noch 50 Millionen Menschen, die an dieser Krankheit starben. Dank breit angelegter genetischer Screenings konnten aber bereits zehn Jahre später die meisten Fälle erkannt und behandelt werden, bevor überhaupt Symptome auftraten. Heute ist Alzheimer vor allem ein Fall für die Medizinhistoriker.

Für psychische Krankheiten, besonders Depressionen, unter denen Millionen älterer Menschen früher litten, aber auch für Zwangs- und Suchtkrankheiten und Phobien wie Flugangst, gibt es zwar bis heute keine Medikamente, aber immerhin gewisse Hilfen. So können Patienten während eines MRT-Scans am Monitor ihre Gehirnaktivität beobachten und über Echtzeit-Rückmeldungen lernen, diese bewusst zu steuern. Für einige meiner Kunden hat das wunderbar funktioniert, muss ich sagen: Früher hätten sie sich nie vorstellen können, hier oben herumzufliegen – nur mit Luft zwischen ihnen und dem Erdboden.

Arthur F. Pease