Go to content

SIEMENS

Research & Development
Technology Press and Innovation Communications

Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
pictures

Effektive Entlastung: In Halle animiert eine Info-Tafel zum Park and Ride – dank aktueller Verkehrsdaten von Sensoren.

Münster setzt auf freie Fahrt: Eine adaptive Ampelsteuerung sorgt für die grüne Welle.

Münster setzt auf freie Fahrt: Eine adaptive Ampelsteuerung sorgt für die grüne Welle.

Schneller ans Ziel

Etwa 60 Stunden pro Jahr steht jeder Autofahrer in Deutschland durchschnittlich im Stau, oft in den Städten. Ingenieure von Siemens arbeiten an intelligenten Lösungen, um die Straßen zu entlasten und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.

Image
Image Münster setzt auf freie Fahrt: Eine adaptive Ampelsteuerung sorgt für die grüne Welle.

Die Dölauer Straße in Halle an der Saale ist typisch für deutsche Städte. Von Montag bis Freitag schiebt sich jeden Morgen eine endlose Blechlawine Richtung Innenstadt. "Dann braucht man für die Strecke 25 Minuten, sonst weniger als zehn", sagt Peter Kolbert, Projektmanager für Kommunikationssysteme bei der Halleschen Verkehrs-AG (Havag). Die Havag richtete schon 2005 einen Park-and-ride-Parkplatz ein, um Autofahrer zum Umsteigen auf die Tram zu bewegen. Mit mäßigem Erfolg: "Wenn dort 20 Autos standen, war das viel", meint Kolbert.

Doch seit Ende 2008 sind die 85 Stellplätze weit besser ausgelastet. Der Grund: eine Informationstafel kurz vor der Einfahrt zum Parkplatz. Sie zeigt den Autofahrern die Zahl der freien Parkplätze und die Wartezeiten bis zur nächsten Abfahrt der Straßenbahnen an. Zudem informiert sie über die aktuelle Verkehrslage in der Dölauer Straße. Ist die Verkehrsader verstopft, können sich die Autofahrer noch spontan für die Straßenbahn entscheiden.

Hinter diesem vermeintlich simplen System steckt komplexe Technik von Siemens. Zwei Infrarotsensoren, so genannte Traffic Eye Universal, registrieren die Verkehrsdichte und melden sie ans Verkehrsmanagementsystem Concert. Daraus generiert das speziell für den Individualverkehr entwickelte System die Stau-Informationen. Die Herausforderung für die Software-Entwickler bestand darin, Concert zusätzlich mit dem Betriebsleitsystem und dem speziellen Verkehrsmanagementsystem für das Bus- und Straßenbahnnetz der Havag zu verknüpfen, um auch die tatsächlichen Abfahrtszeiten der Trams anzeigen zu können. "Noch nie zuvor wurden Daten zwischen zwei derartigen Systemen ausgetauscht, und zum ersten Mal lief die Kommunikation über eine Standardschnittstelle des Öffentlichen Nahverkehrs", sagt Lutz Koch, Vertriebsleiter Verkehrstechnik bei der Siemens-Division Mobility in Dresden.

Aber die Mühe hat sich gelohnt: Eine Untersuchung ergab, dass 15 % jener Fahrer, die überhaupt eine freie Wahl zwischen Auto und Bahn haben, nun auf die Straßenbahn um-steigen. Dank der Infotafel können daher rund 550 Fahrten pro Woche vermieden werden, was pro Jahr 270 000 Pkw km einspart. In ganz Deutschland könnten laut dem Institut Socialdata täglich acht Millionen Pendler den Weg zur Arbeit statt mit dem Auto auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Würden Infotafeln wie in Halle 15 % zum Umsteigen bewegen, dann gingen die eingesparten Kilometer schnell in die Millionen – pro Tag.

Für die Havag ist das Ansporn genug. "Wir haben uns die Verschmelzung von öffentlichem Nahverkehr und Individualverkehr auf die Fahnen geschrieben", betont Kolbert. Weitere Park-and-ride-Parkplätze mit Infotafeln sollen dazu ebenso beitragen wie die Beschleunigung von Straßenbahnen durch geschickte Ampelsteuerungen und vielleicht auch das künftige Satellitennavigationssystem Galileo. Gerade in kleineren Großstädten wie Halle mit seinen 235 000 Einwohnern nutzen noch sehr viele Verkehrsteilnehmer den Pkw, "doch durch verbesserte Informationen können wir den Umstieg vom Pkw auf den ÖPNV mit relativ einfachen Mitteln fördern", ist sich Kolbert sicher.

Perfekte grüne Welle. Umweltverträgliche Mobilität steht auch in Münster in Westfalen im Fokus der Verkehrsplaner. Die Stadt hat damit begonnen, die Steuerung ihrer Ampelanlagen zu modernisieren, die teilweise noch aus den 1980er-Jahren stammte. Ziel ist die perfekte grüne Welle: Autofahrer von auswärts sollen auf ihrem Weg in die Stadt möglichst selten anhalten müssen. "Weniger Stopps reduzieren den Kraftstoffverbrauch, die Luftverschmutzung und den Lärm. Eine grüne Welle ist somit unverzichtbar für eine nachhaltige städtische Verkehrsabwicklung", erklärt Dr. Jürgen Mück, Ingenieur für Technische Kybernetik bei Siemens Mobility.