Go to content

SIEMENS

Research & Development
Technology Press and Innovation Communications

Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
pictures

Gegensätze der Fortbewegung: In Spanien nutzen noch immer manche Bauern den Eselkarren.
Zugleich ist das Land ein Vorreiter bei modernen Verkehrsmitteln – etwa mit dem 350 km/h schnellen Velaro E.

Mehr an Mobilität: Global bedarf es nachhaltiger Verkehrslösungen. Egal ob für Züge (Gleise in Frankfurt) ...

... oder für den Straßenverkehr (im Bild: Seattle).

Reise in eine
grüne Zukunft

Fast sieben Milliarden Menschen leben auf unserem Planeten, und jedes Jahr kommen 80 Millionen hinzu. Gleichzeitig wächst die Welt immer mehr zusammen. Damit das Mehr an Mobilität Umwelt und Klima nicht übermäßig belastet, arbeiten Wissenschaftler an Technologien, mit denen sich der steigende Verkehr in effizientere Bahnen lenken lässt.

Image Mehr an Mobilität: Global bedarf es nachhaltiger Verkehrslösungen. Egal ob für Züge (Gleise in Frankfurt) oder für den Straßenverkehr (siehe Seattle, Bild auf der nächsten Seite).
"Der Velaro verbraucht umgerechnet 0,33 Liter Benzin pro Sitzplatz und 100 Kilometer – die Menge einer Cola-Dose."

Die Gesellschaft war dem Ideal der nachhaltigen Mobilität schon einmal sehr nahe. Zum Beispiel vor rund 100 Jahren in Spanien: Damals transportierte der Orangenbauer seine Ware per Eselskarren zum Markt. Das Gefährt war aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt, als Antrieb diente ein genügsames Maultier. Der Treibstoff wuchs im Überfluss am Wegesrand. Und sollte der Motor einmal streiken, war im Gegensatz zu heute ein gutmütiger Klaps durchaus wirksam. Auch dem Weltklima drohte keine Gefahr: Denn der Ausstoß an schädlichen Klimagasen reduzierte sich auf den Verdauungsprozess des Mulis.

Heute landen die Orangen nicht auf dem heimischen Markt, sondern 1000 km entfernt in einem Supermarktregal. Auf ihrem Weg dorthin werden Tonnen an CO2 produziert, und die Erntehelfer kommen nicht aus dem Nachbardorf, sondern häufig aus einem anderen Land. Auch der Bauer selbst ist mobiler geworden. So besucht er etwa regelmäßig seine Verwandten im 650 km entfernten Madrid – mit dem neuen Hochgeschwindigkeitszug Velaro braucht er dazu nur 2,5 Stunden. Früher hätte die Reise eine Woche gedauert.

Neue Mobilitätslösungen haben die Welt nicht nur kleiner gemacht. Das Bevölkerungswachstum befeuert gleichzeitig auch ein Mehr an Mobilität, was wiederum steigende Umwelt- und Klimabelastungen zur Folge hat. Lebten vor 100 Jahren noch zwei Milliarden Menschen auf der Erde, sind es heute fast sieben Milliarden. Und jedes Jahr kommen 80 Millionen hinzu, die später ebenfalls reisen, Urlaub machen und handeln wollen.

So ist laut der Internationalen Energieagentur der Transportsektor für 28 % des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich. Das fordert seinen Tribut: Pro Jahr bläst der Verkehr 6,4 Mrd. t CO2 in die Atmosphäre – 23 % der weltweiten energiebedingten CO2-Emissionen. Der größte Umweltsünder ist dabei der Individualverkehr: über 50 % des Energieverbrauchs im Transportsektor entfallen auf die Autos, danach folgt der Straßengüterverkehr mit 30 %. Vergleichsweise niedrig mit 13 % schlägt der Luftverkehr zu Buche, die Bahn verbraucht sogar nur 2 % der Energie.

Damit die Welt möglichst nachhaltig zusammenwachsen kann, sollte man daher insbesondere auf die Schiene setzen, betont Hans-Jörg Grundmann, CEO der Siemens-Division Mobility. „Neben neuen, effizienten Zügen müssen wir vor allem in die Infrastruktur investieren.“ So sind in Asien oft ganze Landstriche noch nicht für einen modernen Eisenbahnverkehr erschlossen. Umso ausgeprägter dagegen der Straßenverkehr: „In vielen Großstädten Asiens liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit von Autos unter 10 km/h, was den CO2-Ausstoß massiv erhöht“, sagt Grundmann. Ein Ausbau der Schienennetze sei daher die beste Lösung für eine nachhaltige Mobilität.

120 000 km Eisenbahnnetz. Im Land der Mitte wird bereits daran gearbeitet. China, das vor Indien das längste Eisenbahnnetz Asiens besitzt, will sein Streckennetz fit für die Zukunft machen – vor allem, um den steigenden Fracht- und Personenverkehr effizienter zu machen. Dazu möchte die Volksrepublik ihr Netz von derzeit 86 000 auf 120 000 km im Jahr 2020 erweitern. Bis dahin will China 560 Mrd. € investieren, um vor allem den Hochgeschwindigkeitsverkehr auf die Überholspur zu bringen.

In den USA hatte die Schiene bislang das Nachsehen. Zwar gibt es ein gutes Eisenbahnnetz, doch bei der Infrastruktur hat sich in manchen Regionen in den letzten hundert Jahren wenig getan: Marode Strecken, verwaiste Bahnhöfe und alte, langsame Züge prägen gerade in der Provinz oft das Bild. Pfeilschnelle Flitzer wie in Europa oder Asien gibt es derzeit noch nicht. Auf Kosten der Schiene wurde in den letzten 50 Jahren vor allem die Straße gefördert. Heute sind die USA das Autoland schlechthin – mit allen Konsequenzen für die Umwelt. So war der Großraum Los Angeles im Jahr 2007 nach einem Bericht der American Lung Association das städtische Gebiet mit der höchsten Luftverschmutzung in den USA. Der Grund: ein Heer von Autos und ein unzureichend entwickelter öffentlicher Nahverkehr.