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Dr. Ulrich Eberl
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Perle Brasiliens: Rio de Janeiro ist brasilianischer Mythos und internationaler Touristenmagnet.

Doch nicht nur in den Slums fehlt grundlegende Infrastruktur. Siemens hilft beim Aufbau.

Schweres Erbe: Rio ist malerisch (George Vidor vor dem Corcovado), ...

... eine traditionelle Trambahn, ...

... doch die Infrastruktur ist ungenügend. Staus sind allgegenwärtig, die Stromnetze veraltet.

Party ohne Kater

Die Wirtschaft brummt, Ölfunde vor der Küste, Olympische Spiele in Rio de Janeiro 2016: Brasilien ist derzeit optimistisch wie noch nie, auch wenn es bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 nicht geklappt hat. Vielleicht holen sich die Brasilianer ja den Titel, wenn sie die Wettkämpfe 2014 selbst ausrichten. Die Erneuerung der Infrastruktur für die kommenden Mega-Events läuft bereits auf Hochtouren, insbesondere in Rio – mit Unterstützung von Siemens.

Image Schweres Erbe: Rio ist malerisch (George Vidor vor dem Corcovado), doch die Infrastruktur ist ungenügend.

"Brasiliens großer Moment in der Weltgeschichte ist gekommen. Jetzt jung sein, das wär’s."

Favela, das ist eine Stadt in der Stadt – nur völlig unorganisiert“, sagt George Vidor. Wenn er aus dem Fenster seiner Wohnung in Botafogo blickt, dann sieht er eine dieser vielen Städte, die es in der Stadt Rio de Janeiro gibt: die Favela Santa Marta. „Noch 2008 war das ein Kriegsgebiet“, sagt der 57-jährige Wirtschaftsjournalist, der ein echter Carioca ist, also in Rio geboren. Rivalisierende Drogenbanden schossen in Santa Marta regelmäßig aufeinander und trafen dabei oft auch unbeteiligte Einwohner. „Vor zwei Jahren ging die Polizei rein, mit schweren Waffen. Das war Teil eins der Befriedung der Favela, wie man in Rio sagt.“

Teil zwei war die Seilbahn, die gebaut wurde und nun den Berghang hinauf und hinunter fährt. Sie reicht tief hinein in das Armenviertel, das Heimat für 8 000 Menschen und eine Sambaschule ist. Für die Bewohner bedeutet sie die Chance, ein klein wenig schneller zur Arbeitsstelle zu kommen. Nicht selten liegt die am anderen Ende der Stadt, denn Arbeit ist rar und so nimmt man, was man bekommt. Dank der neuen Seilbahn verwächst die Favela langsam mit der restlichen Stadt.

Für Vidor ist diese positive Entwicklung Teil einer größeren Geschichte: Jener des Niedergangs und der Neugeburt Rios: „Rio war die Perle Brasiliens, und lange ja auch die Hauptstadt“, erklärt er stolz. In den 1940er-Jahren holten andere Landesteile im Zuge der Industrialisierung stark auf, São Paulo wurde zum industriellen Herz des Landes, Brasília später die Hauptstadt (Interview mit Oscar Niemeyer, Pictures of the Future, Frühjahr 2010). „Rio verlor Zug um Zug an Glanz, bis nur noch die eindrucksvolle Kulisse von Zuckerhut und Corcovado zu bleiben schien.“ Doch Vidor ist überzeugt, dieser Prozess hat sich inzwischen umgekehrt: 2014 und 2016 wird die Welt während der Fußballweltmeisterschaft und der Olympischen Spiele in Rio zu Gast sein und – so die Erwartung – die Stadt wird wieder Perle Brasiliens sein.

Ölfunde vor der Küste Rios beflügeln die neuen Hoffnungen. Noch ist der Schatz nicht gehoben, er liegt tief unter dem Meeresgrund, die Kosten und Risiken der Ausbeutung dieser Ölreserven müssen noch genauer beziffert werden. Das viele Geld, das er in die Kassen spülen könnte, Rio kann es gebrauchen. Vor allem, um die vernachlässigte Infrastruktur auszubauen und Zukunftsindustrien zu fördern.

Brasilien insgesamt ist längst ein Ort, an dem Innovationen das Licht der Welt erblicken: Siemens betreibt im Land sechs Entwicklungsstandorte, in denen Innovationen an die Marktbedürfnisse angepasst werden. Unter anderem wurde in Brasilien eine Dampfturbine genau auf die lokalen Marktanforderungen abgestimmt, sie wird vor Ort in Jundiaí bei São Paulo gefertigt. Bald soll sie auch im Ausland Kunden finden. Ein platzsparender Trafo für Umspannstationen der Stromnetze, der im Ballungszentrum São Paulo zum Einsatz kommen soll, wo Grund und Boden extrem teuer sind, wurde von brasilianischen Siemens-Ingenieuren ebenfalls in Jundiaí eigens für den heimischen Markt entwickelt.

1,3 Millionen in den Favelas. Nahe Vidors Wohnung, auf der anderen Seite des Hügels, – also hinter der Favela Santa Marta – lebt der Autor und Moderator André Trigueiro. Er hat zahlreiche Bücher zum Thema Nachhaltigkeit publiziert. „In Rio leben mit 1,3 Millionen Favela-Bewohnern mehr Menschen in Slums als irgendwo sonst in Brasilien. Das Wort Favela wurde hier in Rio geprägt“, erklärt Trigueiro.

Die Slums von Rio befinden sich teilweise mitten in der Stadt, in direkter Nachbarschaft der reichen Stadtteile im Süden. Über Jahrzehnte wuchsen notdürftig zusammengezimmerte Häuschen die Hügel hinauf, ohne Baugenehmigung. Bei starken Regenfällen werden immer wieder Hütten den Hang hinabgespült. Verbesserungen der Infrastruktur in diesen Gebieten sind dringend nötig – nach Triguerios Meinung werden sie aber nur dann nachhaltig sein, wenn sich zugleich die sozialen Bedingungen verbessern, die Armut gelindert und die Drogenkriminalität eingedämmt werden.