erst einmal Subventionen"
Paul van Son (57) leitet seit 2009 das internationale Konsortium Dii, das unter dem Arbeitstitel "Desertec Industrial Initiative" gegründet worden war.
Die Dii hat sich zum Ziel
gesetzt, die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und klimafreundliche Energieerzeugung in den Wüsten Nordafrikas und des Mittleren Ostens zu schaffen. Dadurch sollen sowohl die Erzeugerländer als auch Europa mit CO2-freiem Strom versorgt werden. Van Son studierte Elektrotechnik an der Universität Delft und Corporate Governance an der Nyenrode Universität in Breukelen. Bevor er zur Dii stieß, war er über 30 Jahre im Gas- und Elektrizitätsgeschäft tätig, unter an-derem auch für Siemens. Er ist Präsident der European Federation of Energy Traders.
Was sind die größten Herausforderungen für Solarstrom aus Nordafrika?
Van Son: Es gibt drei große Herausforderungen. Die Solartechnologie ist noch nicht eigenständig marktfähig, das heißt, Strom aus solarthermischen oder photovoltaischen Kraftwerken ist nach wie vor wesentlich teurer als Strom aus Kraftwerken, die fossile Brennstoffe verheizen. Zudem haben – trotz des großen Interesses in Afrika – viele Akteure vor Ort noch nicht viel Erfahrung mit großen Solar- anlagen und deren Netz- und Markteinbindung. Und schließlich müssen wir auch bei der Übertragung von Strom aus Afrika nach Europa weiterkommen. Da gibt es noch viele Engpässe im existierenden Netz.
Was kann man tun, um diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen?
Van Son: Große Unternehmen wie Siemens haben hier eine zentrale Rolle. Sie sind Lokomotiven, nicht nur im Konsortium Dii, sondern beim Ausbau der erneuerbaren Energien insgesamt. Sie helfen, Technologiepfade zu etablieren, sie senken durch klugen Innovationsaufwand die Kosten für die Anwendung der Technologie und sie schaffen den Markt, der auch kleineren Spielern Chancen eröffnet. Eines ist aber klar: Ohne staatliche Stimulierung, das heißt Subventionen in der Anfangsphase, wie es sie in Europa für Wind- und Solarstrom gibt, werden wir der Solarthermie in Afrika kaum zum Durchbruch verhelfen können. Diese Startunterstützung kann nicht allein aus Afrika kommen, ein Teil des Geldes muss aus Europa kommen.
Windstrom ist in Marokko jetzt schon wettbewerbsfähig. Warum nicht einfach auf diese Technologie setzen, statt auf die teurere Solarthermie?
Van Son: Nicht nur Marokko hat phänomenal gute Lagen für Windparks, auch Ägypten ist in dieser Hinsicht von der Natur gesegnet. Die Windkraft wird sicherlich einen regelrechten Spurt hinlegen. Nur ist das Potenzial für Windkraft langfristig stärker begrenzt als das für Solarkraftwerke. Denken Sie an die schier endlose Weite der Sahara. Wir glauben, dass die Windkraft mittel- und langfristig in Nordafrika von der Sonnenenergie überholt werden wird. Diese hat übrigens einen wichtigen Vorteil: In Speichern nahe der Kraftwerke lässt sich die Wärme aufbewahren und auch nachts zur Stromerzeugung nutzen – also Energie rund um die Uhr. Bedingung ist aber, dass die Kosten für die Solarthermie sinken.
Damit wäre aber noch nicht die Frage der Übertragung gelöst.
Van Son: Richtig. Wie bekommen wir grüne Energie von Afrika nach Europa? Das größte Hindernis ist dabei nicht einmal das Mittelmeer. Hier gibt es schon erste Kabel bei Gibraltar, weitere werden folgen. Doch in Europa selbst gibt es viele Engpässe in den Netzen, etwa die Pyrenäen, aber auch in Italien und Spanien gibt es Schwachpunkte. Da müssen die europäischen Netzbetreiber zusammenarbeiten und verstärkt investieren.
Was hat sich die Dii für die kommenden Jahre vorgenommen?
Van Son: Bis 2012 befinden wir uns hauptsächlich in der Konzeptionsphase. In unseren Büros in München arbeiten wir an einem Rollout-Plan für erneuerbare Energien in der MENA-Region und den Export des grünen Stroms nach Europa. Wir entwickeln konkrete Referenzprojekte, damit die Machbarkeit für Wüstenstrom grundsätzlich demonstriert wird. Und wir bauen ein Netzwerk auf, das alle Beteiligten in Afrika und Europa verbindet – wir sind im ständigen Austausch mit relevanten Regierungen, Behörden, Energieversorgern und Netzbetreibern. Zudem erhöht sich die Zahl der Mitglieder laufend. Derzeit gibt es 17 Gesellschafter und 24 sogenannte assoziierte Partner. Letztere haben zwar keine Stimmrechte in der Gesellschafterversammlung, sind aber ein wichtiger Teil der Dii-Familie. Aber eigentlich ist die Dii gar nicht so wichtig. Sie ist vor allem ein Vehikel, das dazu beiträgt, eine Vision zu verwirklichen: grünen Strom für die Regionen rund ums Mittelmeer und Europas. Das funktioniert nur, wenn die Regierungen und die Firmen aus diesen Ländern einen Nutzen für sich darin sehen – und deshalb länderübergreifend zusammenarbeiten.