Die Gesundheitsversorgung
in Südafrika muss sich großen Herausforderungen stellen.
Zwar bleibt HIV/Aids das gravierendste Problem, doch es ist nicht das einzige: Hinzu kommt beispielsweise der Fachkräftemangel in Gesundheitsberufen. Teil der Antwort sind moderne medizintechnische Ausstattung und Public Private Partnerships.
Kleine Herzen, große Hoffnung: Auf der Kinderkardiologie-Station im Sunninghill Hospital in Johannesburg, auf der Lynda Bleazard arbeitet, werden modernste Geräte eingesetzt.
"Gut ausgebildete Spezialisten, beispielsweise Radiologen,
sind knapp. Hier hilft der Einsatz von Telemedizin."
Wenn Lynda Bleazard den Korridor im Keller des Netcare Sunninghill Hospitals in Johannesburg entlangschreitet, dann grüßt sie die Frauen, die in einer langen Reihe warten. Sie warten darauf, die Station betreten und ihre Kinder besuchen zu dürfen. Manche der Frauen sind schwarz, manche weiß, einige tragen traditionelle indische Kleidung. Sie winken und lächeln Lynda zu, doch ihre Nervosität kann das nicht ganz überdecken.
Lynda Bleazard arbeitete mehr als 20 Jahre lang als Krankenschwester auf Intensivstationen der Kinderkardiologie, bevor sie bei der Netcare Gruppe all ihre Kraft der Walter Sisulu Initiative zu widmen begann. Ohne diese Initiative, das wissen die Frauen, wären viele ihrer Kinder längst tot oder für den Rest des Lebens schwerbehindert.
Der sechsjährige Linus etwa. Er hat sechs Läsionen im Herzen und döst in einem kleinen Bettchen in der Station vor sich hin. Dort werden Privatpatienten neben Patienten behandelt, deren Aufenthalt in der Klinik von der Walter Sisulu Initiative gesponsert wird. Letztere erhalten eine ebenso gute Behandlung wie die Privatpatienten; es kommen dieselben, modernen Geräte zum Einsatz, beispielsweise Ultraschallausrüstungen von Siemens.
Dieses außergewöhnliche Projekt hilft dabei, die Herzen und die Leben der Jüngsten zu retten. Die Kinderkardiologie in Sunninghill hat 16 Betten, die allerjüngsten Patienten sind nur wenige Wochen alt. Einige der Winzlinge wurden zu früh geboren, mit schwerwiegenden Deformationen des Herzens. Viele der Operationen, die ihre Leben retten, sind heutzutage Standardeingriffe. Doch jene Eltern, die sich keine private Krankenversicherung leisten können, müssen im öffentlichen Gesundheitssystem Wartezeiten bis zu 30 Monaten in Kauf nehmen. Die bittere Wahrheit: Je länger man mit solchen Eingriffen wartet, desto geringer ist die Erfolgswahrscheinlichkeit.
Schirmherr der Walter Sisulu Initiative ist Nelson Mandela, der ehemalige südafrikanische Präsident, das Tagesgeschäft managt Lynda Bleazard. „In ländlichen Gebieten erhalten diese Kinder oft die falsche Diagnose und sterben“, erklärt sie. Einer der Gründe dafür ist der Mangel an Fachkräften. In anderen afrikanischen Ländern ist dieses Problem noch gravierender.
Die Walter Sisulu Initiative hat deshalb begonnen, ausländische Ärzte, beispielsweise aus Ghana, in Johannesburg zu trainieren; nach der Rückkehr in ihr Heimatland verbreiten sie dort wertvolles Wissen. Mehr als 350 Kinder wurden durch die Initiative bereits behandelt. Doch auf den entsprechenden Wartelisten der öffentlichen Krankenhäuser stehen noch Namen von 3 000 Kindern. Der private Sektor trägt dazu bei, diesen Patientenstau ein Stück weit aufzulösen.
„Die Initiative ist ein exzellentes Beispiel für das Potenzial von Public Private Partnerships im südafrikanischen Gesundheitssystem“, sagt Victor Litlhakanyane, Executive Director for Stakeholder Relations bei Netcare, dem größten privaten Healthcare-Unternehmen des Landes. „Privat kann öffentlich ergänzen. Wir müssen die bislang strikte Trennung in unserem Land überwinden. Wir brauchen ein System, das allen Menschen eine hochqualitative Versorgung ermöglicht.“ Doch der Nachfragedruck insgesamt dürfte erst einmal nicht abnehmen. Die Geburtenrate in Südafrika ist stabil, wie auch die Einwanderung aus ärmeren afrikanischen Ländern. Zusammen mit der grassierenden HIV/Aids-Epidemie bedeutet das weiterhin einen hohen Bedarf für Diagnostik und teils teure Behandlungen.
Es gibt bereits erste Pläne, eine allgemeine Gesundheitsversicherung für alle Südafrikaner einzuführen; wer sich diese nicht leisten kann, könnte staatliche Unterstützung erhalten. Derzeit kommt nur rund ein Fünftel der Bevölkerung in den Genuss privater Gesundheitsleistungen, künftig sollten hochqualitative Behandlungen eine Selbstverständlichkeit für alle sein. Privatkliniken könnten im Rahmen eines solchen Systems auch Patienten ohne Privatversicherung behandeln und zu vorab festgelegten Sätzen mit dem öffentlichen Sektor abrechnen.