Von spezieller Beleuchtung
und Hausgeräten über Roboter bis zu Erkennungssystemen für Alzheimer und minimal-
invasiven Methoden zur Behandlung von Arrhythmien, verkalkten Herzklappen oder Aneurysmen: Derzeit werden viele Technologien entwickelt, die der stark wachsenden Bevölkerungsgruppe der Senioren ein längeres Leben bescheren werden – mit mehr Selbstständigkeit, Mobilität und Gesundheit als je zuvor.
Mehr vom Leben: Dank Fortschritten der Medizin bleiben Vitalität und Lebensqualität im Alter erhalten.
Ob beim Surfen am Playa Grande in Costa Rica, beim New-York-Marathon oder auf einer Spazierfahrt mit dem Fahrrad – man sieht sie überall: gesunde Menschen ab 60. Es sah jedoch nicht immer so rosig aus. Laut Vereinten Nationen lag die durchschnittliche Lebenserwartung eines Babys, das 1950 geboren wurde, weltweit nur bei 47 Jahren. Heute sind es 68 Jahre, und für 2050 wird sie auf 76 Jahre geschätzt. Der Bevölkerungsanteil der über 60-Jährigen wird von heute 11 auf 22 % im Jahr 2050 steigen, in den Industrieländern sogar von 22 auf etwa 33 %.
Die Menschen werden jedoch nicht nur älter, sie können auch länger selbstständig leben und genießen so eine höhere Lebensqualität. Beispielhafte Technologien, die dies unterstützen, werden etwa im Smart Senior Projekt entwickelt (siehe Artikel „Smartes Pflaster“) , in dem Forscher von Siemens mit Industriepartnern und der Berliner Charité-Klinik zusammenarbeiten. Hier geht es unter anderem um Sensorsysteme, die man wie eine Armbanduhr am Handgelenk tragen kann und die wichtige Daten wie Pulsschlag oder Bewegungsaktivitäten an ein telemedizinisches Zentrum übertragen können, wo man bei Alarmsignalen sofort reagieren kann. Diese Technologie könnte künftig Tausenden Menschen helfen, trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen weiter in ihrer gewohnten Umgebung zu leben.
Für alle, die zu Hause Hilfe benötigen, werden Roboter (siehe Artikel „Digitale Butler“) und Exoskelette entworfen. Dabei entwickelt Siemens zum Beispiel Bildverarbeitungsverfahren, die auch mit komplexen Szenen zurecht kommen, etwa wenn Gegenstände nur zum Teil sichtbar sind. Roboter können damit präzise greifen, beispielsweise um ein Glas zu füllen oder eine Scheibe Brot in den Toaster zu stecken. Andere Forscher arbeiten an Robotern mit mehr „Muskeln“, um Menschen aus Rollstühlen oder Betten zu heben und so das Verletzungsrisiko auch für Pflegekräfte zu senken.
Im Kontext eines EU-Projekts für Smart Homes entwickelt der europäische Branchenführer Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) im spanischen Saragossa seniorenfreundliche Geräte (siehe Artikel „Schickes für Senioren“) der Zukunft – beispielsweise Kühlschränke, die automatisch die Haltbarkeitsdaten von Produkten mit Hilfe von kleinen RFID-Chips verfolgen, oder Waschmaschinen, die auf RFID-Informationen in Kleidungsstücken reagieren.
Die Siemens Beleuchtungssparte Osram konzentriert sich ebenfalls auf Haus- und Arbeitsumgebungen, die auf Bedürfnisse älterer Kunden eingehen. Ein Beispiel: Blaues Licht macht Menschen aktiver und beugt Schläfrigkeit vor, doch unser Augenlicht trübt sich mit zunehmendem Alter ein – was die Wahrnehmbarkeit der blauen Wellenlängen verringert. Mit diesem Wissen entwickeln Osram-Forscher derzeit Lichtsysteme, die in der ersten Tageshälfte ein helles, blaueres Licht produzieren, dieses dann schrittweise dimmen und am späten Nachmittag rote Wellenlängen verstärken Lichtwirkung (siehe Artikel „Himmel im Zimmer“) und Chronobiologie (siehe Artikel „Eule oder Lerche“). Dies soll den Biorhythmus des Nutzers unterstützen und Schlafstörungen vorbeugen.
Höhere Lebensqualität. Viele der Hürden, welche das fortschreitende Alter mit sich bringen kann, lassen sich inzwischen leichter überwinden, unter anderem mit modernen Hörgeräten (siehe Artikel „Intelligenz im Ohr“). Dank der neuesten Technologien von Siemens kann ein Autofahrer nun sogar einen Mitfahrer deutlich verstehen, der vom Rücksitz des fahrenden Wagens mit ihm spricht. Darüber hinaus lernen solche Geräte automatisch, sich auf die vom Nutzer bevorzugte Lautstärke einzustellen, indem sie die Vorlieben für verschiedene Geräuscharten – wie Sprache in lauter Umgebung oder Musik – erkennen.
Eine der schmerzhaften Tatsachen des Älterwerdens ist auch, dass die Gelenke oft so abgenutzt sind, dass sie ersetzt werden müssen. Bis vor kurzem wurden Gelenkprothesen in normierten Größen hergestellt. Doch dank der hervorragenden 3D-Präzision der neuesten Computertomographen (CT) von Siemens und der Möglichkeit, mit den gewonnenen Daten am Rechner zunächst exakt passende virtuelle Prothesen herzustellen und damit die reale Fertigung vorab zu simulieren, können nun künstliche Gelenke individuell für jeden Patienten hergestellt werden. So wird ein großer Teil der postoperativen Schwierigkeiten vermieden (siehe Artikel „Das Perfekte Implantat“). Mit diesen Daten fräst dann die Werkzeugmaschine beispielsweise innerhalb von etwa 30 Minuten ein maßgeschneidertes Hüftgelenk.