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Eine gut ausgebaute und funktionierende Infrastruktur ist die Voraussetzung für Wohlstand und dauerhaftes Wachstum. Marode Straßen, unterdimensionierte Daten- und Stromleitungen oder defekte Kanalisationssysteme lähmen die Wirtschaft. Um die Infrastruktursysteme zu modernisieren sowie in aufstrebenden Nationen Straßen, Bahnverbindungen, Wasser- und Stromversorgung zu schaffen, müssen in den nächsten 20 Jahren weltweit 41.000 Mrd. US‑$ investiert werden. Zu diesem Ergebnis kommen die Experten von Morgan Stanley Investment Management in einer Studie vom Februar 2009.
Die EU sieht 900 Mrd. US‑$ allein für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur vor – von Hochgeschwindigkeitsstrecken bis zur Satellitennavigation. Bis 2020 plant die EU ein länderübergreifendes Eisenbahn-, Straßen- und Wassernetz mit einer zunehmenden Zahl von See- und Flughäfen. Auch ein großer Teil der Konjunkturprogramme, die in den nächsten Jahren die Wirtschaft beleben sollen, umfasst Infrastrukturprojekte für Verkehrs- und Kommunikationsnetze, Energieeffizienz, Gebäudesanierung und Krankenhäuser. Allein in Deutschland, Frankreich und Italien summieren sich diese Maßnahmen auf etwa 42 Mrd. €. Wichtig für die Senkung des Energieverbrauchs und der -kosten wird vor allem die energetische Sanierung von Gebäuden sein. Denn mit 95 % liegt der weitaus größte Anteil des Energieverbrauchs für Heizung, Warmwasseraufbereitung, Kühlung, Beleuchtung und Lüftung von Gebäuden in Europa bei denjenigen Bauten, die vor 1980 errichtet wurden. Diese Zahl hat eine Analyse der TH Projektmanagement GmbH in Berlin ergeben.
In den USA sieht das Konjunkturprogramm, der American Recovery and Reinvestment Act, Infrastrukturausgaben von umgerechnet 253 Mrd. € vor, für Energie, Verkehr, Gebäude, Gesundheit, Wassernetze, Sicherheit und IT. Die Entwicklung intelligenter Energienetze (Smart Grids) wird ebenso gefördert wie der Ausbau von Hochgeschwindigkeitsstrecken oder die Digitalisierung der Daten und Prozesse im Gesundheitswesen. Auch die chinesische Regierung hat verschiedene Programme für Infrastrukturmaßnahmen aufgesetzt – im Gesamtwert von 250 Mrd. €, 166 Mrd. € davon aus bereits vor der Wirtschaftskrise existierenden Programmen, 84 Mrd. € als zusätzliche Konjunkturanreize. Allein 73 Mrd. € sind in China für die Entwicklung der nationalen Eisenbahnstrecken vorgesehen. Auch die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung der Städte und die energetische Sanierung der Gebäude soll in China kräftig modernisiert werden. Die Marktexperten von Morgan Stanley gehen davon aus, dass China für rund 80 % der gesamten Infrastrukturausgaben in Ostasien verantwortlich sein wird.
Weltweit wurden zur Bewältigung der Wirtschaftskrise insgesamt Konjunkturprogramme im Volumen von 2 Bio. € angekündigt und zum Teil bereits aufgelegt. Etwa ein Drittel dieser Summe, 700 Mrd. €, entfallen dabei auf Infrastrukturinvestitionen, der Rest beispielsweise auf Steuererleichterungen für private Haushalte. Für Siemens haben Analysen ergeben, dass sich das vom Unternehmen adressierbare Marktvolumen im Rahmen der geplanten Infrastrukturausgaben in den drei Geschäftsjahren von 2010 bis 2012 auf 150 Mrd. € beläuft. Davon entfällt der größte Anteil mit gut 85 Mrd. € auf die USA. Es folgen China mit 25 und Deutschland mit etwa 5 Mrd. €. In all diesen Ländern sind große Anteile der Konjunkturprogramme für grüne Technologien vorgesehen. In China beträgt die Quote beispielsweise 52 %, in Deutschland sogar 60 %, in den USA 31 %. Gemessen am derzeitigen Siemens-Weltmarktanteil ergibt sich aus den adressierbaren Märkten rein rechnerisch für Siemens ein potenzielles Auftragsvolumen von 15 Mrd. €, wovon etwa 6 Mrd. € – 40 % – auf Umwelttechnik entfallen würden.

